Der Widerstandskämpfer Robert Limpert wurde am 18. April 1945 von den Nazis ermordet. Oberst Ernst Meyer legte dem 19-Jährigen im Rathaus-Tor die Schlinge um den Hals, kurz bevor die amerikanischen Truppen Ansbach erreichten. Zu einer Gedenkstunde sind am Freitag zahlreiche Bürgerinnen und Bürger auf den Martin-Luther-Platz gekommen.
Schülerinnen und Schüler der Robert-Limpert-Berufsschule und des Gymnasium Carolinum hatten die Gedenkfeier zusammen mit Lehrkräften vorbereitet und stimmungsvoll umgesetzt. Lieder über die Freiheit waren zu hören und ein Bericht über die letzten Tage und Stunden im Leben Limperts, der einst Schüler am Carolinum war. Dort wurde im vergangenen Herbst das Theaterstück „Limpert – 20 Minuten Frühling“ von Florian Bald uraufgeführt.
Mit seinem Aufruf zur friedlichen Übergabe Ansbachs wollte Robert Limpert die Stadt und ihre Bürger vor weiteren Zerstörungen bewahren. Deshalb druckte und verteilte er gemeinsam mit Freunden zunächst antifaschistische Flugblätter, ehe er schließlich an seinem Todestag zur Mittagszeit ein Telefonverbindungskabel der deutschen Wehrmacht zerschnitt. Limpert hatte gedacht, das über der Erde geführte Kabel verbinde den Gefechtsstand des Kampfkommandanten Meyer mit den Truppen vor der Stadt, doch das Kabel war gar nicht mehr in Betrieb.
Der 19-Jährige wurde beobachtet, verraten und auf Anordnung Meyers an einem Haken im Rathaus-Tor am Martin-Luther-Platz gehängt. Der Hinrichtung ging kein Urteil voraus, sondern ein widerrechtliches, fünf Minuten dauerndes Schnellverfahren. Als Limpert starb, waren die Amerikaner schon am Stadtrand. Gegen 13.30 Uhr wurden die ersten US-Soldaten in der Jüdtstraße gesehen, um 17.30 Uhr erreichten sie die Polizeiwache und nahmen die Mannschaft dort fest, gegen 19 Uhr war Ansbach komplett besetzt.
Bei der Gedenkfeier gerieten die von Schülerinnen vorgetragenen fiktiven Schilderungen aus der Perspektive beteiligter Personen besonders eindringlich. Ansbacher Kommunalpolitiker der NS-Zeit, der gnadenlose Oberst Meyer und der tief religiöse junge Widerstandskämpfer Limpert – was könnte sie zu ihrem Handeln getrieben haben? Was war die Motivation, die zu Tatenlosigkeit und zum Wegsehen, zum Fanatismus und zum Morden oder zum selbstlosen Einsatz für den Frieden führte? Die Jugendlichen hatten sich mit den unterschiedlichen Blickwinkeln auseinandergesetzt und Texte formuliert.
„Wir haben uns hier versammelt, um eines jungen Mannes zu gedenken, dessen Mut uns bis heute verpflichtet”, erklärte Oberbürgermeister Thomas Deffner bei der Stunde zur Erinnerung. „Robert Limpert zeigt uns, dass Mut nicht immer laut ist, sondern oft leise beginnt – mit einem Gedanken, einem Zweifel, einem Nein, das man nicht mehr zurückhalten kann. Er zeigt uns, dass Widerstand nicht nur in großen Gesten besteht, sondern in der Entscheidung, nicht länger Teil des Unrechts zu sein.”
Robert Limpert zeige uns auch, „wie zerbrechlich Freiheit ist und wie sehr sie Menschen braucht, die bereit sind, für sie einzustehen”, führte Deffner aus. „Wir leben in einer Zeit, in der Freiheit, Demokratie und Menschenrechte wieder unter Druck geraten. In einer Zeit, in der Hass lauter wird, in der Verschwörungserzählungen sich verbreiten und in der Extremisten von links und rechts versuchen, unsere Gesellschaft zu spalten.” Robert Limpert erinnere uns daran, „dass Demokratie nicht selbstverständlich und Freiheit nicht garantiert ist”.
Dr. Oliver Schwab, Sprecher der Bürgerbewegung für Menschenwürde, schlug ebenfalls den Bogen in die Gegenwart mit der Frage danach, was Limperts Handeln vor rund 80 Jahren mit unserer aktuellen gesellschaftlichen Situation zu tun habe. Was könnten wir heute daraus lernen? Wo und wann könnten wir heute aufstehen und gegensteuern, wenn Unrecht geschehe? „Erinnern ist weit mehr als nur Tatsachen von damals benennen”, sagte Schwab. Es bedeute vielmehr, aus dem Vergangenen für die Gegenwart und die Zukunft Konsequenzen zu ziehen.
Schwab zitierte zudem aus der bewegenden Rede des bekannten Schauspielers und Entertainers Hape Kerkeling vor wenigen Tagen in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald: „Immer lauter und dreister werden die Stimmen, die nach einem Ende der Erinnerungskultur rufen. Ein Schlussstrich unter die Erinnerung wäre ein Schlussstrich unter unsere Demokratie.”
Domkapitular Dr. Norbert Jung erzählte von Limperts tiefem Glauben, der Antrieb für sein Handeln gewesen sei. Die Jugendlichen sprachen Fürbitten, die sie selbst formuliert hatten, und erläuterten die Bedeutung einer von ihnen konzipierten Installation im öffentlichen Raum: Ein Seil sollte Stationen aus Limperts kurzem Leben verbinden. Schließlich wurden vor dem Stössel-Haus die goldenen Stolpersteine gereinigt: als Auftakt eines Projekts der Berufsschülerinnen und -schüler, die in den nächsten Wochen alle in Ansbach verlegten Stolpersteine zum Glänzen bringen und damit wieder sichtbarer machen wollen.