Eine Museologin für den Klosterhof in Rothenburg | FLZ.de

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Veröffentlicht am 09.12.2023 11:00

Eine Museologin für den Klosterhof in Rothenburg

Angekommen in der Stadt: Museumsleiterin Inga Benedix. (Foto: Clarissa Kleinschrot)
Angekommen in der Stadt: Museumsleiterin Inga Benedix. (Foto: Clarissa Kleinschrot)
Angekommen in der Stadt: Museumsleiterin Inga Benedix. (Foto: Clarissa Kleinschrot)

Inga Benedix sitzt ganz entspannt in dem großen Stuhl am noch größeren Schreibtisch; mitten in einem Büro irgendwo in den Tiefen des RothenburgMuseums. Seit Anfang Oktober ist es ihr Büro, ihr Stuhl. Die 27-Jährige ist die neue Leiterin des Museums im Klosterhof.

Sie bringt einiges an Erfahrung mit. Sie kommt aus einer Stelle in München an der Städtischen Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München. Hier war sie unter anderem in der Provenienzforschung tätig, hat sich also der Geschichte der Herkunft von Kunstwerken und Kulturgütern gewidmet. Davor war sie an der Uni Würzburg beschäftigt, dort hat sie auch studiert. Ursprünglich kommt sie allerdings aus Kassel. „Documenta-Stadt“, wie sie sagt.

Soziales Jahr in der Sonne

Vor dem Studium war sie ein Jahr lang auf Gran Canaria für ein Freiwilliges Soziales Jahr. Sie wollte einfach mal etwas anderes sehen, kennenlernen, erklärt sie. An der Deutschen Schule arbeitete sie mit Kindern zwischen zweieinhalb und fünf Jahren. Eine schöne Zeit, auch anstrengend.

Dann kam der Wechsel nach Würzburg, die Stadt hatte sie ein Jahr zuvor bei einem Besuch kennengelernt. „Ich wollte immer Geschichte studieren.“ Dazu kam die Museologie. Sie hat ihren Bachelor in Museologie und Materielle Kultur mit Geschichte im Nebenfach gemacht, dann kam der Master in Sammlungen, Provenienz, Kulturelles Erbe.

In München war sie ein Jahr lang, dann hat sie die Stelle in Rothenburg entdeckt. Über den Deutschen Museumsbund hat sie erfahren, dass die Leitung des Museums ausgeschrieben ist. „Ich habe mir überlegt: Okay, ich probier’s mal und habe mich dann beworben.“ Sie wurde zum Gespräch eingeladen. „Und dann hat’s geklappt, was mich sehr, sehr gefreut hat“, sagt sie mit einem breiten Lächeln. Den Sprung auf eine Leitungsstelle hat sie sich zugetraut – die Stadt ihr auch.

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„Das Schöne an der Tätigkeit hier ist, dass sie meine ganze museologische Ausbildung erfordert.“ Das war bei ihre vorherigen Stelle nicht, hier in Rothenburg ist zum Beispiel auch Ausstellungsmanagement, Depot- und Sammlungsmanagement gefragt.

Der Wechsel vom großen München ins kleine Rothenburg ist ihr leichtgefallen. „Ich komme mit der Art der Franken sehr gut klar. Und ich mag einfach diese Region unfassbar gerne. Deswegen war es für mich ein bisschen ein Heimkommen.“

Ein tolles Team im Haus

Wie sie aktuell ihre Tage im Museum verbringt? Sie arbeitet sich ins Haus ein, lernt ihr „tolles Museumsteam“ kennen. Nicht nur letzteres lobt sie, sondern auch den Freundeskreis und ihre Vorgänger in der Leitungsposition: „Alles, worauf ich jetzt aufbauen kann, basiert auf Dr. Hellmuth Möhring und der Interimsleitung.“ Über Möhring sagt sie: „Er hat hier wirklich Großartiges geleistet. Schon beeindruckend.“ Sie fragt bei ihm durchaus auch immer wieder mal nach. „Es gibt niemanden, der ein umfangreicheres Wissen über dieses Haus hat als er.“

Ihre Vision für das Museum: „Ich würde das Haus gerne öffnen, das ist mir sehr wichtig. Das Haus ist einfach so wunderschön und hat so viele Schätze, dass ich mich sehr freuen würde, wenn wir das Haus so öffnen, dass es nicht nur für unsere Gäste ein Ort ist, den sie besuchen, sondern dass es auch ein Haus wird, in das die Rothenburger total gerne kommen.“ Damit meint sie wirklich alle Rothenburger – egal wie groß, klein, alt, jung, betont sie.

Von den fünf Säulen der Museumsarbeit – Forschen, Bewahren, Vermitteln, Sammeln und Ausstellen – ist ihr Vermitteln „immer das Wichtigste“. Auch dem Stadtrat stand sie schon Rede und Antwort. Im Ausschuss für Kultur und Tourismus zum Beispiel stellte sie sich vor und erklärte, was im kommenden Jahr geplant ist und gab eine „kurze Kursbestimmung“, wie sie es formulierte.

Als Schwierigkeit, mit der es umzugehen gelte, bezeichnete sie die Ausstellungssituation und Präsentation, die aus den 1980/1990er-Jahren stamme. Hier müssten Veränderungen her.

Eine andere Problematik sei, dass es keinerlei Partizipationsmöglichkeiten gebe. „Unsere Besucher sollen ja auch was lernen, wenn sie aus unserem Museum wieder hinausgehen.“ Auch gebe es nur teilweise englische Texte. Dennoch habe das Haus „wahnsinnig viele Vorteile“. Zum einen gebe es das „sehr motivierte Museumsteam“, ein „großes Engagement“ des Freundeskreises und eine „große Unterstützung“ in der Dienststelle V der Stadt (hier ist das Museum angegliedert). Die Interimsleitung – Tourismusdirektor Dr. Jörg Christöphler, Kulturbeauftragte Franziska Krause und Archivar Dr. Florian Huggenberger – habe mit der Öffnung des Hauses begonnen, was gemeinsam mit den Ausstellungen dafür gesorgt habe, dass das Haus schon wieder sichtbarer geworden sei.

Was 2024 kommt? Eine Jubiläumsausstellung zu Elise Mahler im April, im Juni steht „Waffen einer Reichsstadt“ an, im November geht es um den „Rothenburger Weg“. Es steht außerdem eine Kooperation mit Kulturerbe Bayern zur Judengasse 10 an. Die Führungen zur Judengasse 10 – speziell zur Mikwe, dem Ritualbad – sollen vom RothenburgMuseum organisiert werden. Deshalb werde auch die Abteilung Judaika im Museum umgebaut, um ein „gutes Führungsformat“ anbieten zu können, so die Leiterin.

„Unsere Besucher sollen ja auch was lernen”

Der Vorteil: Ein exklusiver Zugang zur Judengasse 10, der „nur über unser Museum läuft“, so Inga Benedix. „Das heißt, Sie können die Judengasse 10 nur besuchen, wenn sie zum RothenburgMuseum gehen.“

Dazu wird es viele Veranstaltungen geben wie Kultur im Klosterhof, die Führungsreihe des Freundeskreises und der Märchenzauber; es gibt „natürlich“ weiterhin Führungen.

Die Besuchszahlen steigen laut Benedix. Die Interimsleitung habe eine Steigerung von 21 Prozent im Vergleich zu 2019 erreicht. Die Marke von 20.000 Besuchenenden sei in Reichweite. Darauf werde ganz stark hingearbeitet.

Eine „richtige Aufbruchsstimmung“ verspürte CSU-Fraktionschef Dr. Wolfgang Scheurer nach dem Vortrag von Benedix, wie er in der Sitzung kommentierte. Oberbürgermeister Dr. Markus Naser lobte ausdrücklich die vergangenen zwei Jahre unter der Interimsleitung. Die Latte sei für Inga Benedix „ziemlich hoch gelegt“ worden, doch „wir sind uns ziemlich sicher, dass Frau Benedix diese Latte trotzdem überspringen wird“.

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