Die Ziellinie kommt immer näher: Um die Versorgung der Menschen in Neuendettelsau mit Hausärzten sicherzustellen, will die Gemeinde ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) in kommunaler Hand an den Start bringen. Die Hausaufgaben dafür sind fast alle erledigt. Die Einrichtung soll zum 1. Februar 2025 öffnen.
Im Jahr 2022 gab es die ersten Gedankenspiele, ein hausärztliches MVZ ins Leben zu rufen. Im August dieses Jahres wurde dafür das Kommunalunternehmen „Gesundheitszentrum Neuendettelsau“ gegründet, wie Stefan Grün, Geschäftsleiter der Gemeindeverwaltung, im Gespräch mit der FLZ zurückblickt. Grün wurde auch zum Vorsitzenden des neuen Unternehmens bestellt.
In der Zwischenzeit mussten viele Überlegungen angestellt und Planungen aufgestellt werden. Es galt auch, Herausforderungen zu lösen und Hürden zu überspringen. „Die Hürden wurden nicht bewusst aufgebaut“, sagt Grün. Aber ein MVZ in kommunaler Hand ist für alle Neuland. „Wir nehmen eine gewisse Vorreiterrolle ein“, legt er dar. „Für die Bürger dauert das deshalb gefühlt sehr lange.“
Beim Aufbau einer medizinischen Einrichtung gehören auch viele Absprachen dazu. Egal, mit wem die Verantwortlichen in Neuendettelsau zu tun hatten, sie haben immer unterstützt und waren positiv gestimmt, wie Grün hervorhebt. Zu den Gesprächspartnern zählten nach seinen Worten unter anderem das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) oder das Justizministerium.
Doch mittlerweile ist der Großteil der Hausaufgaben gemacht. Zum angepeilten Start planen die Verantwortlichen mit eineinhalb Arztsitzen, was zwei Ärzten entspricht. Die Mediziner sind schon gefunden, es müssen nur noch die Verträge unterschrieben werden. Hinzu kommen bis zu vier medizinische Fachangestellte.
Rein von den Bewerbungen hätte das MVZ auch größer werden können. Weit über 50 Bewerbungen sind laut Grün eingegangen – darunter auch einige von Weiterbildungsassistenten. Das sind Mediziner, die sich zum Facharzt ausbilden lassen wollen. Das Problem: Dafür bräuchte man eine Zulassung von der Landesärztekammer, wie Grün erklärt. Der entsprechende Antrag kann aber erst gestellt werden, wenn die Verantwortlichen ein halbes Jahr Betrieb nachweisen können.
Für den Start hat man sich aber bewusst entschieden, klein anzufangen. Immerhin handelt es sich Grün zufolge um ein komplett neu zusammengestelltes Team. „Wir müssen jetzt erst einmal das Laufen lernen.“ Perspektivisch denken die Verantwortlichen aber größer. Politisch sei die Zahl von fünf Arztsitzen, also etwa acht bis neun Mediziner, formuliert worden. Doch dafür reichen die neu angemieteten Räume nicht. Die sind in einer ehemaligen Orthopädie-Praxis im zweiten Obergeschoss in der Passage zu finden. Der Umbau ist weitestgehend abgeschlossen, die Praxiseinrichtung ausgesucht.
Ob der Start am 1. Februar tatsächlich erfolgen kann, liegt nicht mehr in der Hand des Kommunalunternehmens. Die Entscheidung trifft der Zulassungsausschuss der KVB. Man hoffe, dass der entsprechende Antrag im Dezember behandelt werde. Sollte der Antrag erst im neuen Jahr behandelt werden, könnte sich der Start in den März verschieben.
Dass sich die Gemeinde mit diesem Thema auseinandersetzt, kommt nicht von ungefähr. Die Hausärzte werden immer weniger, auch in Neuendettelsau. Grün hat dazu Zahlen parat: Demnach gibt es aktuell acht Hausärzte in der Gemeinde. Zwei Ärzte sind älter als 72 Jahre und mindestens drei Ärzte sind älter als 62 Jahre.
Auch zur allgemeinen Entwicklung äußert er sich. Als man 2022 damit begonnen habe, über Lösungen für das Hausärzteproblem nachzudenken, gab es im Versorgungsbereich „Ansbach Süd“, zu dem neben Neuendettelsau unter anderem Ansbach, Heilsbronn, Herrieden und Bechhofen gehören, nur drei freie Arztsitze. Zwischenzeitlich sind es nach seinen Worten 16 freie Sitze. „Es dem Markt zu überlassen, wird nicht funktionieren“, macht Grün klar.