Hat der Vorstand des Bauernverbandes bisher jedes Jahr eine Vorschau auf die Ernte gewagt, so gab es diesmal etwas später einen Überblick zum Stand der weitgehend abgeschlossenen Ernte. Alles in allem sprach Kreisobmann Jürgen Dierauff von einer zufriedenstellenden Getreideernte und einer guten Futterversorgung angesichts genügender Niederschläge.
Etwas geblendet hatte die Wintergerste, die aber dann häufig enttäuschte angesichts der Kälte in der zweiten Aprilhälfte. Sehr gut stehen hingegen die Zuckerrüben. Bisher ist der Flug der Zikaden, der am Ende zu viele „Gummirüben“ verursacht, geringer ausgefallen. Auf jeden Fall fielen die Proberodungen des Verbandes der Rübenbauer sehr vielversprechend aus, berichtete Kreisvorstandsmitglied Thorsten Schmidt.
Beinahe rekordverdächtig mit einer Höhe bis zu 3,60 Meter steht der Silomais auf einem Feld von Jonas Wirsching, auf dessen Hof diesmal das BBV-Treffen zur Ernte stattfand.
Dr. Stefan Berenz vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) führt die insgesamt guten Feldbestände auf die reichlichen Niederschläge zurück im Gegensatz zum Vorjahr, als die Trockenheit für erhebliche Ernteausfälle sorgte. Laut Berenz sind an der Wetterstation Neuherberg von Juli 2023 bis heuer Juni 728 Millimeter Regen gefallen (entspricht 728 Liter je Quadratmeter), also deutlich mehr als die 678 Millimeter des langjährigen Durchschnitts.
Deutschlandweit, so berichtete Berenz, waren die letzten zwölf Monate sogar die niederschlagsreichsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen mit einem Durchschnitt von 1070 Millimeter (der langjährige Durchschnitt beträgt 789 Millimeter).
Wie sehr die Landwirtschaft von der Witterung abhängt, dokumentiert BBV-Geschäftsführer Rudolf Meth mit einem Foto vom 5. August 2018, als im Raum Bad Windsheim der vertrocknete und missratene Mais geerntet wurde.
Weil es immer wieder regnete, waren dieses Jahr die Ertragsabstände auf den schlechteren Böden im Steigerwald gegenüber dem Uffenheimer Gau nicht so groß wie in anderen Jahren, sagten der stellvertretende Kreisobmann Johannes Buchner und Kreisbäuerin Renate Ixmeier.
Auch wenn die Getreideerträge insgesamt zufriedenstellend waren, sind es die Erlöse nicht. Angesichts der Weltmarktlage und der Tatsache, dass Getreide auf dem Landweg von der Ukraine nach Mitteleuropa kommt, sind die Preise bis zu 30 Prozent niedriger als im Vorjahr.
Dabei wirke sich immer mehr aus, dass 30 Prozent der Landkreisfläche im Roten Gebiet liegen, wo die Stickstoffdüngung eingeschränkt ist. Weil viele Partien zu wenig Protein haben, müsse ein größerer Teil des Weizens anstelle von Brotmehl nur zu Keksmehl verarbeitet werden, sagte Klaus Wirsching, der Senior des Hofes in Gollhofen. Auf dem Betrieb mit 185 Hektar werden 130 Kühe gehalten. Die vorhandene Biogasanlage wird zu 80 Prozent mit Gülle aus dem Stall „gefüttert“.
Wie aus einer vom AELF erstellten Aufstellung hervor ging, setzt sich der Strukturwandel im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim weiter fort. Die Zahl der landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe nahm in acht Jahren von 841 auf 654 ab. Aus der Tabelle geht zudem hervor, dass sich die landwirtschaftliche Nutzfläche in zehn Jahren um runde 1000 Hektar auf noch 68.439 Hektar verringerte.
Einer der Gründe ist neben der Zersiedelung von Flächen vor allem auch die zunehmende Ausweisung von Ausgleichsflächen, die in erheblichen Umfang von Kommunen aus dem Ballungsraum Nürnberg/Fürth/ Erlangen aufgekauft werden. Einen starken Einbruch erlebte die Schweinehaltung. In den vergangen zehn Jahren gab rund die Hälfte der Schweinehalter auf. Kreisobmann Jürgen Dierauff, selbst Schweinehalter, führt das darauf zurück, dass von Sauenhaltern fast jedes Jahr Umbaumaßnahmen gefordert werden, um den Tierschutzvorschriften zu entsprechen.