In der Woche ab Montag, 11. Juni 1923, bereitet der historische Verein „eine große Sonderausstellung kunstgewerblicher Gebrauchs- und Ziergegenstände aus früheren Jahrhunderten“ vor. Präsentiert werden „Schmuck-, Tee-, Bonbon-, Puder- und Schnupftabakdosen, ferner allerlei Gegenstände vom Schreib- und Nähtisch, von der gedeckten Tafel, zum Beispiel Tintenfäßchen aller Art, das Nadelbüchschen in seiner Vielfältigkeit, das Salzfäßchen in hundertfacher Gestalt, außerdem Fächer, altertümliche Spielsachen, Nippsachen, Tabakspfeifen und alles, was zum Rauchen gehört, Spazierstöcke, Bücher mit altertümlichem Einband und Bucheinlegebildchen“.
Es wird „herzlich um Leihgaben für diese Ausstellung gebeten“, heißt es in der Fränkischen Zeitung. „Jeder Verwechslung der Gegenstände wird vorgebeugt, auch einzelne kleinste Gaben sind willkommen.“ Erneut ein großes Thema für die Presse ist die in Ansbach ausgerichtete „Wiedersehens-Feier“ des mittelfränkischen Landsturm-Infanterie-Ersatz-Bataillons: „Die Feier, aus deren Anlaß unsere Stadt reichen Flaggenschmuck trug, hat unter Teilnahme zahlreicher Festgäste von nah und fern sowie aller Kreise unserer Einwohnerschaft einen in jeder Beziehung gelungenen und eindrucksvollen Verlauf genommen, wozu auch das günstige Wetter beigetragen hat.“
Wie in der Vorwoche ausführlich geschildert, gehörte Kronprinz Rupprecht von Bayern zu den Gästen. Anlässlich seines Besuches „spendete er einen silbernen Becher als Ehrengabe für das Mittelfränkische Bundesschießen“, vermerkt die Redaktion abschließend. „In der Gegend der äußeren Feuchtwanger und Oberhäuserstraße nehmen die nächtlichen Ruhestörungen einen Umfang an, der als skandalös bezeichnet werden muß“, wettert ein Bürger in einem Leserbrief. „Man sollte es kaum für möglich halten, daß es in unserer traurigen Zeit in Stadt und Land noch Menschen gibt, die sich mitternächtlicherweise, oft in betrunkenem Zustande, in kaum wiederzugebender Weise aufführen und durch wüstes Schreien und Gejohle die Nachtruhe der Einwohnerschaft stören.“
Die im genannten Viertel lebenden Ansbacher seien „in Anbetracht dieser unhaltbaren Zustände gezwungen, um bessere polizeiliche Ueberwachung und rücksichtsloses Einschreiten gegen solche Radaubrüder zu bitten, damit der grobe Unfug dort draußen einmal aufhört“.
Ärger gibt es auch, weil „kürzlich während des regsten Verkehrs die Abortgruben in der Uzstraße entleert wurden“, wie die Zeitung berichtet. Im Verwaltungs- und Polizeisenat wird daher beschlossen, „bis auf weiteres die Abortentleerung nur in der Zeit von abends 7 Uhr bis früh 7 Uhr zu gestatten, soweit die Entleerungen nicht mit dem städtischen Patentsauger erfolgen“. In den Bären-Lichtspielen läuft der Stummfilm „Das Wirtshaus im Spessart“ nach der Erzählung „Das kalte Herz“ von Wilhelm Hauff. „Prachtvolle Bilder aus dem herrlichen Schwarzwald! Der Film wurde vorige Woche bei seiner Uraufführung in Berlin im ,Alhambra‘ mit tosendem Beifall aufgenommen.“
Wegen der Hyperinflation will die Reichsbank demnächst „einen Millionenmarkschein“ in Umlauf bringen. „Für die Landwirtschaft würde dieser neue Schein eine außerordentliche Erleichterung bei ihren Milliardenzahlungen im Getreide- und Viehhandel bedeuten“, betont dazu die Lokalredaktion. Derweil „schont die aufgeweckte Hausfrau die Wäsche mit dem garantiert reinen Seifenpulver Schneekönig“, wie es in einer Annonce heißt. Geworben wird zudem für den „Kohlenspar-Apparat Original-Ideal-Zweilochkocher“. Er wird im Gartensaal des Gasthofs Schwarzer Bock „im Gebrauch praktisch vorgeführt“. Die „Ansbacher Frauenwelt“ ist zu der Schau eingeladen.
Wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt muss sich der 21-jährige Maurer Gruber aus Heilsbronn verantworten – während seine 57-jährige Mutter gleichzeitig „wegen wiederholt versuchter Gefangenenbefreiung“ vor Gericht steht. Gruber war zunächst verhaftet worden, weil er im Januar einen Meineid geleistet hatte. „Es gelang dem Burschen aber trotz Festsetzung zu entweichen und sich im Viehstall des elterlichen Anwesens zu verstecken. Seiner neuerlichen Verhaftung widersetzte er sich sodann mit Gewalt und seine Mutter versuchte mehrmals, ihren Jungen mit Gewalt zu befreien, indem sie ihn am Arm packte und dem Gendarmen zu entreißen bemüht war.“ Der Maurer wird zu einem Monat Gefängnis verurteilt, seine Mutter muss 100.000 Mark Strafe zahlen.
Der Kleinwohnungsbauverein hat sich zur Generalversammlung getroffen: „Stadtrat Schmidt erstattete den Bericht des Vorstandes, dem zu entnehmen ist, daß der Verein seinem Zweck, Wohnungen zu bauen, soweit als möglich nachgekommen ist. Es sind nunmehr 66 Wohnungen erstellt. Betont wurde, daß die gewaltige Steigerung der Preise für die Materialien, der Löhne und so weiter das Bauen immer schwerer mache.“ Ob sich die Ansbacherin Marie Schweitzer in der Ferne eine bessere Zukunft aufbauen möchte? Sie hat ihre Koffer gepackt, und ihre Freunde verabschieden sich mit einer Annonce: „Dem Fräulein Schweitzer wünschen die Stammgäste des ,Deutschen Reiches‘ zu ihrer Abreise nach Amerika alles Gute und eine glückliche Fahrt!“