Ansbacher Alltag vor 100 Jahren: Szenen des stillen Glücks – und ein totes Pferd | FLZ.de

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Veröffentlicht am 30.01.2026 11:00

Ansbacher Alltag vor 100 Jahren: Szenen des stillen Glücks – und ein totes Pferd

Das elegante Café Waldsee mit dem Beckenweiher, auf dem Boote fahren: Gemalt hat die idyllische Szenerie der in Ansbach lebende Künstler Theodor Alt. Im Januar 1926 feiert er seinen 80. Geburtstag. (Repro: Alexander Biernoth)
Das elegante Café Waldsee mit dem Beckenweiher, auf dem Boote fahren: Gemalt hat die idyllische Szenerie der in Ansbach lebende Künstler Theodor Alt. Im Januar 1926 feiert er seinen 80. Geburtstag. (Repro: Alexander Biernoth)
Das elegante Café Waldsee mit dem Beckenweiher, auf dem Boote fahren: Gemalt hat die idyllische Szenerie der in Ansbach lebende Künstler Theodor Alt. Im Januar 1926 feiert er seinen 80. Geburtstag. (Repro: Alexander Biernoth)

In der Woche ab Montag, 25. Januar 1926, wird wieder gefeiert: Nach den vielen Festen in der Weihnachtszeit steigen nun die Faschingspartys. Der Veloziped-Club und der Schwimmverein veranstalten Maskenbälle ohne spezielles Motto, der Gesangverein Harmonie ein „Alpenfest” und das Café Schmidt einen „kunterbunten Abend”.

Die Gäste können „aparte Fantasiekostüme sowie Volkstrachten aller Art” in der Altstetterschen Maskengarderobe am Karlsplatz 7 ausleihen. Passende „Ball- und Maskenstrümpfe in Seide, Seidenflor und Kunstseide” gibt es bei Fritz Sperck in der Neustadt 23. Und Hofphotograph Ortloff macht in seinem Atelier in der Karolinenstraße 25 „Maskenaufnahmen bis 9 Uhr abends”.

Der seit vielen Jahren in Ansbach lebende Künstler Theodor Alt wird 80. Vor allem in seiner frühen Schaffensphase habe er großartige Bilder gemalt, schildert die Lokalredaktion. Er sei auf dem Weg gewesen, „am Kunsthimmel Deutschlands einer der ersten Sterne zu werden”. Dann aber habe er nach einer Typhuserkrankung in München nicht zu seiner ursprünglichen kreativen Kraft zurückgefunden. „In Petersaurach nahm er nach dem Fortgang von München bleibenden Wohnsitz, dann in Adelshofen bei Rothenburg, und seit 1901 weilt er in Ansbach. Vermählt war Alt nie, aber in der Familie seiner Schwester fand er vollen Ersatz für eigenes Familienglück.”

Anzutreffen ist Theodor Alt „immer am gleichen Platz, an seinem Fenster in der stillen Pfarrgasse sitzend. Dort führt die unermüdliche Hand entweder den Stift oder den Pinsel.” Mit der Kunst habe er nie Ruhm gesucht, schreibt die Lokalredaktion, „sondern jenes innere Glück, das sie dem Schaffenden verleiht. Und so hat er auch seinen Ehrentag still verbringen wollen. Wir aber freuen uns, daß unsere Stadt ihm der Hafen wurde, in dem ihm ein ruhiges Alter zu verbringen beschert ist.”

Ein wuchtiger Redner spricht über Frauen

Der „Frauenvortrag mit circa 100 Original-Lichtbildern” des Privatgelehrten Hans Waldeck-Morgenstern aus Berlin wird wiederholt, weil bei seinem ersten Auftritt zahlreiche Bürgerinnen wegen des enormen Andrangs abgewiesen werden mussten. Der „wuchtige Redner” spricht nun erneut in der Orangerie über folgende Angelegenheiten: „Wie kann sich die Frau in der Ehe gesund erhalten? Die unverstandene nervöse Frau. Die unterleibskranke Frau. Die alternde Frau. Die Hygiene der Wechseljahre.” Waldeck-Morgenstern „gibt Winke, wie Frauenleiden verhindert, behandelt und beseitigt werden und warnt vor jedweder Kurpfuscherei”. Nur „Frauen und Mädchen ab 18 Jahren“ dürfen die Veranstaltung besuchen.

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Einem ganz anderen Thema widmet sich Professor Dr. Amman beim Vortragsabend des Naturwissenschaftlichen Vereins – nämlich der Tier- und Pflanzenwelt des Naturschutzgebietes am Königssee. „Der Redner vereint in seiner Person gar glücklich die Wissenschaftlichkeit des geschulten Biologen mit der technischen Fertigkeit des gewiegten Fotografen, das liebevolle Sichversenken eines zartbesaiteten Naturfreundes mit dem kunstverständigen, auswählenden Blick eines feinsinnigen Schönheitssuchers. Die herrlichsten, die Natur in ihren zartesten Farbenschattierungen getreu wiedergebenden Ufachrom-Aufnahmen versetzen uns in die farbenglühende, wie ein Märchenreich anmutende Welt der Alpenflora.”

Tauwetter nach einer Frostperiode

In Ansbach hat nach frostigen Temperaturen Tauwetter eingesetzt, was „den Freuden des Wintersports” jäh ein Ende macht. „Bei rascher Schneeschmelze tritt die Sorge der Hochwassergefahr wieder in den Vordergrund.” Wer bei Temperaturen um die 1 Grad plus noch friert, genießt ein Warmwasserbad in der Schalkhäuser Straße 16. „Geöffnet ist Dienstag mit Samstag von 9 Uhr vormittags bis 7 Uhr abends. Dampfbäder werden nur an den Mittwochen abgegeben. Anmeldung notwendig.”

Ein „ordentliches, 15jähriges Mädchen, das schon bei besseren Herrschaften gedient hat und kochen und nähen kann”, sucht ab Anfang Februar eine Stelle. Einen Pferdeknecht möchte Herr Körber zu Lichtmess einstellen. An Lichtmess, also am 2. Februar, endet das „Knechtsjahr”: Die Angestellten bekommen den Rest ihres Jahreslohnes ausbezahlt und können oder müssen sich einen neuen Arbeitsplatz suchen. Verlängert der bisherige Dienstherr das Arbeitsverhältnis, besiegelt er mit Knecht oder Magd den Vertrag per Handschlag.

Pferd wird von Transporter angefahren

„Als das Fuhrwerk des Herrn Bäckermeisters Völklein die untere Bahnhofstraße passierte, kam ihm bei der Oechslerschen Fabrik das Madersche Transportauto entgegen. Das scheuende Pferd sprang auf die Seite, wobei es von dem Auto angefahren wurde”, berichtet die Polizei. Das Tier ist so schwer verletzt, dass es wenig später getötet werden muss.

In den Bären-Lichtspielen verspricht der Streifen „Vier Nächte einer schönen Frau” einen aufregenden Abend: „Ein wundervoller Film, der uns wie ein Märchen aus ,Tausend und eine Nacht‘ erscheint und uns wie im Fluge vom Goldenen Horn über den bunten Orient in das geheimnisvolle Reich der Mitte führt. Vergangene Epochen tauchen grüßend auf. Menschen und Gewänder wechseln – urewig aber klingt durch die Zeiten das Lied der Liebe.”

Lehrreiche Zauber-Spiele für die Jugend

Für die Jugend ist der Film weniger geeignet, dafür wartet auf die Kinder „im großen Saal des Evangelischen Vereinshauses eine schöne Ueberraschung. Die beliebten Wiener Zauber-Spiele haben hier Halt gemacht und geben ein einmaliges Gastspiel. Das Programm ist lehrreich und unterhaltend zusammengestellt und für das kindliche Gemüt in jeder Weise angepasst.”

Ansbachs Straßen seien zu schmutzig, „vor allem bei dem jetzigen Schlappwetter”, schimpft ein Bürger in einem Leserbrief. „Auch werden die Wege vor den öffentlichen Lokalen als Bedürfnisanstalt benützt. Welch sauberen Eindruck machen dagegen die Orte in dem uns benachbarten Württemberg, aber auch schon im Altmühltal und anderwärts!”


Lara Hausleitner
Lara Hausleitner
Redakteurin für Lokales und Kultur - und Reisende aus Leidenschaft.

"I have never written a word that did not come from my heart. I never shall."
Nellie Bly
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