In der Woche ab Montag, 21. Mai 1923, diskutieren die Stadträte wie üblich über Geld. Für die Sanierung der Nordostfassade des Schlosstheaters an der Reitbahn sind im Etat 800.000 Mark vorgesehen. Und für „die Beschaffung eines Schlammabfuhrwagens“ soll ein Kredit in Höhe von viereinhalb Millionen Mark aufgenommen werden. Der von der Realschule benötigte Musikinstrumentenschrank, für den 42.000 Mark anfallen, ist vergleichsweise ein Schnäppchen in Zeiten der Inflation.
„Stadtrat Münch bringt vor, er sei darum angegangen worden, auf die Staubplage in den äußeren Stadtteilen hinzuweisen, besonders in der Nürnberger und Eyber Straße“, berichtet die Fränkische Zeitung aus der Sitzung. „Der Sprengwagen sollte wieder in Tätigkeit gesetzt werden. Der Vorsitzende entgegnet, daß die Klage vorläufig nicht begründet sei, man werde aber darauf zurückkommen müssen, wenn ein Bedürfnis vorliege, weil besondere Mittel dafür genehmigt werden müßten.“
Der Pfingstmontag „wurde in den Kirchen in eindrucksvoller Weise begangen“, schildert die Redaktion. „Insbesondere waren die Hauptgottesdienste außerordentlich zahlreich besucht. Der Ausflugsverkehr gestaltete sich lebhaft, zumal der Feiertag von verhältnismäßig gutem Wetter begünstigt war, wenn auch der Himmel teils trüb war und es einige Male sogar zum Tröpfeln kam. Die Bahn hatte einen Massenandrang von Reisenden zu bewältigen, sodaß die Züge verstärkt und auch ältere Betriebsmittel wieder in Benützung genommen werden mußten.“
Vor allem sei Pfingsten aber „zu Spaziergängen in unsere nächste Umgebung, die in schönstem Frühlingsschmucke prangt, benützt“ worden, schwärmt der Reporter. Um dann zu lamentieren: „Ueber all der Feststimmung lag der graue Schleier unserer schweren Zeit, die von Tag zu Tag neue Sorgen bringt, ohne daß ein Ende abzusehen wäre.“ Viele Pfingstausflügler sind nach Rothenburg gefahren, um den „Meistertrunk“ zu sehen. „Das Festspiel hatte eine Besucherzahl wie noch nie nach Rothenburg gezogen. Viele der von weit Hergekommenen mußten die Nacht im Freien verbringen.“
Wohnraum vermittelt das Immobiliengeschäft Johannes Hauff in Schalkhausen: „Zirka 40 Anwesen von zweieinhalb Millionen aufwärts, Verschiedenes und Beziehbares zu verkaufen.“ Die Buchdruckerei Schnug möchte einen „jüngeren Laufburschen“ einstellen. „Gesucht wird per sofort gebildetes Fräulein oder Frau, welche in allen Zweigen des Haushaltes erfahren ist und mit Kindern umzugehen versteht. Dienstmädchen vorhanden“, heißt es in einer weiteren Annonce. „Tüchtige Schuhmacher finden bei bester Bezahlung dauernde Beschäftigung“ bei Heinrich Bayerlein in der Jahnstraße 16. Zu verkaufen ist „ein sprechender Papagei mit Ständer und Käfig“.
Die Vereinigung der Volksbildung bedauert, künftig keine Opern mehr zeigen zu können. „In weiten Kreisen scheint von den Schwierigkeiten keine Vorstellung zu existieren, mit denen eine Opernaufführung am hiesigen Platze verknüpft ist. Wir erinnern an die Beschaffung der Dekorationen, die Komparserie, an den Chor und dabei sind die geringen Mittel nicht zu vergessen“, beklagt die Vereinigung in einem Leserbrief: „In dem Orchester benützten wir bisher den städtischen Flügel, der aber nach einem Stadtratsbeschluß nicht mehr an Private abgegeben werden darf, und ein anderer ist nicht zu beschaffen, sodaß infolge dieser ablehnenden Haltung die Opernaufführung wohl gänzlich aufhören wird.“
Vorm Landgericht muss sich die 33-jährige Fabrikarbeiterin Wittmann verantworten. „Sie hat nach Uebersteigen der Umzäunungen aus den Gärten der Anwesen Heiligkreuzstraße 18 und 14 verschiedene Kleidungs- und Wäschestücke gestohlen, die sie aber, da sie überrascht wurde, in dem zweiten Garten fallen und liegen ließ.“ Die Frau wird freigesprochen, da der Landgerichtsarzt sie „als geistig nicht vollwertig bezeichnet“.
Die Ansbacher Kräuterverwertungsstelle „hat auf ihren Versuchsfeldern mit dem Anbau von Arzneipflanzen begonnen. Neben einigen Gewürzpflanzen, wie Anis, Coriander und Kümmel, hat sie Baldrian, Engelwurz und Pfeffermünze angebaut.“ Pfeffermünze, die der Pfefferminze entspricht, wurde zum Beispiel als Heilmittel gegen Cholera eingesetzt.
„Seit Dienstag nachmittags 4 Uhr haben sich zwei Schüler, der 10jährige Postsekretärssohn Arthur Zettel und der 11jährige Schlosserssohn Karl Schmidt, von hier entfernt“, berichtet die Polizei. „Zettel ist 1,40 Meter groß, blonde Haare, kräftig entwickelt, trägt blaue Mütze, blauen wollenen Matrosenanzug und grau-gestreifte Ueberjoppe.“ Schmidt ist etwas kleiner, hat viele Narben infolge einer Krankheit und trägt eine Feuerwehrmütze, einen feldgrauen Kittel und nur einen Schnürschuh und einen Socken. „Es wird ersucht, sie bei Betreten festzuhalten und die Polizeiwache Ansbach über die nächstliegende Polizei- oder Gendarmeriestation verständigen zu lassen.“