In der Woche ab Montag, 25. Juni, gerät der zweite Bürgermeister Lauer in arge Bedrängnis. Lauer vertrat den Oberbürgermeister bei der Wiedersehensfeier des Landsturmbataillons. Bei seiner Begrüßungsrede versäumt er es jedoch, den Protektor der Landsturmleute, Kronprinz Rupprecht, als „Königliche Hoheit“ anzureden. Ein Affront in den Augen anwesender Königstreuer!
Zwei Mitglieder des Ulanenvereins stellen Lauer danach zur Rede, und aus der Versammlung werden Rufe laut, den Bürgermeister „hinauszuwerfen“. Ein anderer Vertreter des Ulanenvereins fordert gar die anwesenden Schutzleute auf, Lauer zu verhaften.
Der Stadtrat aber springt dem bedrängten Bürgermeister bei: „Wir erheben als Mitglieder des Stadtrats schärfsten Widerspruch gegen eine derartige Behandlung eines offiziellen Vertreters der Stadtgemeinde“, heißt es in der Fränkischen Zeitung. Und weiter: „Eine Verpflichtung, einen Prinzen des früheren Königshauses ausdrücklich und bei jeder Gelegenheit als Königliche Hoheit anzureden, besteht für keinen Staatsbürger, auch nicht für den Bürgermeister der Stadt Ansbach. Der Mangel an Unterwürfigkeit gilt bei uns, wenn auch im Gegensatz zu der Anschauung einzelner Festteilnehmer, nicht als Fehler bei einem aufrechten Bürger“.
In der gleichen Sitzung billigt der Stadtrat, einen Vertrag mit der Gemeinde Lichtenau zu schließen, um das dortige Gefängnis an die Ansbacher Wasserleitung anzuschließen. Allerdings wird keiner der Häftlinge das Ansbacher Wasser trinken: Es sind jährlich 60 Kubikmeter, ausschließlich für die Brandbekämpfung bestimmt.
Der Stadtrat Eschenbacher fragt an, wie weit die Bemühungen um billigere Särge oder Leihsärge gediehen sind. Bürgermeister Pörschmann entgegnet, „daß sich das theoretisch ganz leicht anschaut“, in der Praxis aber ergäben sich Schwierigkeiten über Schwierigkeiten. Jetzt soll eine Kommission aus Stadträten prüfen, inwieweit man die Särge verbilligen kann.
Das Deutsche Turnfest, das erstmals seit zehn Jahren wieder gefeiert werden soll, wirft seine Schatten voraus, obwohl es erst vom 14. bis 18 Juli in München stattfindet. Doch es ist eine logistische Herausforderung, die erwarteten rund 200.000 Teilnehmer (am Ende waren es tatsächlich 247.000 aktive Turner) rechtzeitig mit Sonderzügen hinzubringen. Die Eisenbahndirektoren rechnen mit rund 140 Sonderzügen, die natürlich nicht an einem Tag zu bewältigen sind, sondern auf mehrere Tage verteilt werden müssen.
Für die 450 Ansbacher Teilnehmer heißt das, dass ihr Sonderzug bereits am 12. Juli um 2.57 Uhr von Aschaffenburg kommend im Ansbacher Bahnhof eintrifft. Die Ansbacher Turner müssen also nicht nur 9600 Mark für die Sonderzug-Fahrkarte berappen, sondern auch zwei zusätzliche Übernachtungen in München finanzieren.
In den Bärenlichtspielen läuft der Historienfilm „Eppelein von Gailingen“ an und erzählt laut Annonce die Geschichte des „größten Raubritters des 14. Jahrhunderts“. Das Ritterspiel mit Vorspiel und sechs Akten („Die Nürnberger hängen keinen, sie hätten ihn denn“) wurde in Nürnberg, Rothenburg, Dinkelsbühl und auf Burg Gailingen gedreht.
Kampf gegen die Magerkeit: „Schöne volle Körperformen (bei Damen hervorragend schöne Büste)“ versprechen in einer Anzeige die „orientalischen Kraftpillen“. Das Wundermittel sorge in sechs bis acht Wochen für eine Zunahme bis 30 Pfund und sei absolut unschädlich. Ausgezeichnet mit „goldenen medizinischen und Ehrendiplomen“, kostet die 100-Pillen-Packung 5500 Mark.