Hans Böhm hat viel gesehen und erlebt in seiner Zeit als Händler auf dem Markt in Ansbach. Mehr als sechs Jahrzehnte lang hat der inzwischen 77-Jährige in der Reitbahn oder auf dem Martin-Luther-Platz Obst, Gemüse und Pflanzen verkauft. Geblieben ist in der langen Zeit der Grundsatz: „Es muss immer alles so frisch wie möglich sein.“
Exakt 63 Jahre lang hat er sich auch darum gekümmert und immer darauf geschaut, was dem Geschmack der Kunden entsprechen könnte. „Früher waren sie mit Karotten, Kraut und Kartoffeln zufrieden“, erinnert sich Böhm. Heute aber reise jeder in exotische Länder und wolle auch zu Hause derartige Angebote genießen. „Standardartikel reichen längst nicht mehr.“
Neben einiger saisonaler Gemüsesorten, liegen nun Pfirsiche, Bananen, Weintrauben und Pfifferlinge. Aber auch Kohlrabi- und Salatsetzlinge finden sich an Böhms Stand.
Anfangs hatten die Böhms eine eigene Landwirtschaft und bauten selbst an. Doch in den 1980er Jahren entstanden in seiner Heimatgemeinde Albertshofen im Landkreis Kitzingen immer mehr Gewächshäuser. Er entschied sich, sich auf den Handel zu konzentrieren und verkauft nun Obst und Gemüse seiner Nachbarn. Die Südfrüchte bezieht er vom Großhandel.
Was mit einem kleinen Gemüseverkauf seiner Großmutter auf einem Stand 1920 in Würzburg begann, sollte zunächst schwierig weitergehen. Nach der Anschaffung eines zweiten Autos „hat es die komplette Ernte bei einem Unwetter zerstört“, blickt Böhm zurück. „Alles war kaputt und wir hatten Schulden.“
Das ist Vergangenheit, doch auch aktuell ist Böhm nicht frei von Sorgen. Einen Nachfolger für den Markt in Ansbach hat er trotz aller Bemühungen nicht gefunden. Sein Sohn Gerhard, der seit Jahren immer mittwochs und samstag mitgeholfen hat, wird den Stand nicht weiterführen.
Sein Platz an dem Stand neben den Brunnen von Markgraf Georg vor dem Stadthaus ist am Samstag, 1. Juli, letztmals besetzt. „Irgendwann ist mal Schluss“, findet Böhm.
Langweilig wird es ihm nicht werden. Er spielt Klavier und Saxofon, macht jedes Jahr das Sportabzeichen, joggt noch immer und wird als fünffacher Schützenkönig zielsicher ein neues Betätigungsfeld finden. Nur den Markt will er nicht mehr besuchen. „Das tut zu weh.“