Die Direktvermarktung zu stärken ist das Ziel eines runden Tisches, zu dem das Regionalmanagement des Landkreises und das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürth-Uffenheim (AELF) zum zweiten Mal seit der Wiederbelebung nach Corona gemeinsam einluden. Dieses Mal ging es um Erfahrungen aus der Praxis.
Johannes Buchner vom Laimbachhof in Oberlaimbach, das zu Scheinfeld gehört, stellte seinen Weg in die Direktvermarktung vor und benannte dabei ehrlich, wo er einen einmal eingeschlagenen Weg wieder korrigieren musste. Im Anschluss lag der Fokus auf dem Austausch. Nicht nur Erfahrungen will man künftig teilen, sondern auch ausloten, wer Waren oder Dienstleistungen anbietet, nach denen jemand anderes gerade sucht. Das wurde vor Ort mit einer Liste begonnen, die gleich ein paar der Anwesenden nutzten. Andrea Linz vom Regionalmanagement bot an, eine Plattform zu entwickeln, auf der Direktvermarkter und -vermarkterinnen Angebote und Suchanfragen platzieren können.
Linz erläuterte, wie man auf die Wünsche und Anregungen nach der vorigen Veranstaltung reagiert hatte: Keine Grußworte – die stellvertretende Landrätin Ruth Halbritter war als Gast unter den Anwesenden – mehr Zeit fürs Netzwerken und Fachvorträge über die Themen, die für alle von Interesse sind, gehörten zu den Anregungen. Dieses Mal ging es um einen konkreten Beispielbetrieb, beim nächsten Termin wird es wieder einen Fachvortrag geben.
Interessiert hörten die Anwesenden – etwas weniger Direktvermarkter und -vermarkterinnen als beim Neustart nach der Coronapause – Johannes Buchner zu: Er berichtete davon, wie er nach der Schule nur den einen Berufswunsch „Landwirt“ hatte, in Brasilien das Halten frei laufender Schweine kennenlernte und diese Idee nach einem Praktikum in Schottland umzusetzen begann. Dort lernte er auch die Rasse kennen, in die er sich verliebte. „Das Large Black Pig, auf Deutsch das Cornwall-Schwein, ist eine gemütliche Schweinerasse. Es passt von seiner Wesensart her sehr gut nach Franken.“
Dankbar war er für einen Ansprechpartner im Landwirtschaftsamt, der sich für den noch unbekannten Betriebszweig „Freilandhaltung von Schweinen“ nicht nur an das hielt, was auf dem Papier stand, sondern von den Gegebenheiten vor Ort ausging. Buchner versuchte zuerst die Online-Vermarktung als Vertriebsweg, was in seinem Fall nicht von großem Erfolg gekrönt war. Zunächst trat er dann die Nachfolge eines Mannes an, der eine „Eiertour“ gefahren hatte. Später übernahm er das Fahrzeug und den Kundenstamm eines weiteren Unternehmers, der teils im gleichen Umkreis seine Waren vom Auto aus angeboten hatte.
Relativ bald kam ein Hofladen hinzu, ein paar Gastwirtschaften wurden nach Anfangsschwierigkeiten als Abnehmerinnen gewonnen und erst zuletzt auch Märkte angesteuert. „Für uns lohnen sich nur große Märkte mit viel Publikum. Auf kleineren Bauernmärkten sind wir selten vertreten.“
Die Diskussion über die verschiedenen Vertriebswege gehörte zu den Themen im zweiten Teil der Veranstaltung, wobei die Erfahrungen recht unterschiedlich sind. Unter den Anwesenden gab es auch welche, die 50 Prozent des Umsatzes über den Online-Handel bestreiten. Einig war man sich dagegen in der Frage, dass weniger unterschiedliche Vertriebswege meist mehr seien.
Jürgen Kresser, der Wirt der Stöckacher Mühle, in der die Veranstaltung stattfand, kündigte an, ab dem kommenden Jahr an jedem dritten Montag im Monat ein „Regionalbuffet“ anzubieten.
Zu den Erfahrungen, die Buchner weitergeben wollte, gehörte ein Lob auf die Stammkundschaft: „Sie haben uns durch die Post-Coronazeit getragen, als viele Leute wegen der Inflation ausblieben.“ Zuverlässigkeit und ein persönlicher Bezug seien für diesen Personenkreis wichtig. „Wir merken bei jedem Verkäuferwechsel, dass die Umsätze erst einmal zurückgehen.“ Für eine Reklamation solle man sich mit einem Blumenstrauß bedanken. „Das ist viel besser, als wenn jemand einfach weg bleibt.“ Jeder Stammkunde, der gehe, nehme zehn weitere mit.
Sein Fazit: Ja, es ist möglich, gewinnbringend als Direktvermarkter tätig zu sein, Arbeitsplätze vor Ort zu schaffen – und das auch auf dem flachen Land. Dazu sei es aber genauso wichtig, Dinge anzupacken („Unternehmer- und kein Unterlasser sein“) und Neues zu wagen, als auch, den eingeschlagenen Weg zu korrigieren, wenn er nicht den gewünschten Erfolg bringt.
Am 19. Februar 2025 findet der nächste Runde Tisch „Regionalvermarktung“ statt, dann aber im Landratsamt. Die Frage, die von 9 bis 12 Uhr im Mittelpunkt steht, lautet: „Was gehört aufs Etikett?“