Mitten in einer Woche denkwürdiger Bundestagsabstimmungen hat dieses Thema erwartungsgemäß auch den Neujahrsempfang der Grünen Ansbach-Stadt und des Kreisverbandes Ansbach überlagert. Bundestagskandidat Sebastian Amler kritisierte die CSU und deren Direktkandidaten Artur Auernhammer deutlich.
„Die Brandmauer ist bei der CSU gefallen, aber wir bleiben stabil“, verdeutlichte Amler mit Blick auf die Bundestagsabstimmung am Mittwoch, bei der Union, FDP und AfD eine gemeinsame Mehrheit erzeugt hatten. Dass beide großen christlichen Kirchen in Deutschland und auch Altkanzlerin Angela Merkel das Vorgehen der Union deutlich kritisierten, „macht mir Hoffnung“, erklärte Amler.
Artur Auernhammer, so der 27-Jährige, rechne sehr fest damit, dass er erneut das Direktmandat im Wahlkreis Ansbach erringe. „Aber auch er hat bei dieser Abstimmung seine Werte verraten.“
In einer selbstbewussten Rede machte Amler deutlich, dass er dem CSU-Platzhirsch Artur Auernhammer das Feld keinesfalls kampflos überlassen will: „Wir sind die Brandmauer, wir sind die Zukunft, wir holen uns das Direktmandat.“ Inhaltlich will er auf die Themen soziale Gerechtigkeit, Umweltschutz und einen ernsthaften Dialog mit jungen Wählerinnen und Wählern setzen.
Der Landtagsabgeordnete Martin Stümpfig, der wegen einer Terminüberschneidung online zugeschaltet war, sprach in Bezug auf die Abstimmung am Mittwoch von einem Tag, der das Land noch lange beschäftigen werde. Das sei kein Versehen gewesen und das mache ihm zu schaffen. „Am Auschwitz-Gedenktag mit Rechtsextremen zu stimmen, das hätte es unter einer Angela Merkel nicht gegeben. Da sieht man, wohin diese Union steuert“, sagte Stümpfig. Man müsse nun „auf die Straße“ und für die Demokratie kämpfen.
Lisa Renz-Hübner, die Fraktionsvorsitzende der Grünen im mittelfränkischen Bezirkstag, erklärte, sie sei nach der Abstimmung schon mehrfach gefragt worden, wie man jetzt noch mit der CSU zusammenarbeiten könne, was ja auf Bezirksebene ständig geschehe. Das sei schwierig, „aber wir haben uns der Sache verschrieben“, verdeutlichte sie. Sie kritisierte eine Migrationsdebatte, „in der es nur noch darum geht, wie wir Menschen loswerden“. Die Brandmauer stehe weiterhin, „die CSU hat sich nur auf die andere Seite gestellt“, so Renz-Hübner. Sie bedauerte außerdem, dass die Christsozialen „aus sehr fadenscheinigen Gründen“ nicht an der Demo gegen Antisemitismus und rechtsextremes Gedankengut an diesem Samstag in Ansbach teilnehmen würden.
Zu Beginn des Neujahrsempfangs hatten Peter Zeus für den Ortsverband Ansbach-Stadt und Franziska Wurzinger für den Kreisverband vor gut 100 Mitgliedern und Gästen aus Politik und Gesellschaft auf das vergangene Jahr zurückgeblickt. Man habe in der Region „Zeichen gesetzt gegen Krieg und Unrecht“, befand Zeus. Auch das Thema Renaturierung der Rezatauen werde der Lokalpolitik wohl noch lange erhalten bleiben. Wurzinger betonte, dass es 2024 bei den Grünen in Stadt und Landkreis Ansbach viele Neumitglieder gegeben habe. „Das ist die beste Nachricht des vergangenen Jahres“, freute sie sich.
Sophia Göppel-Kraft aus Herrieden, die für die Grünen auf Platz 31 der bayerischen Landesliste ins Bundestagsrennen geht, betonte in ihrer Rede, dass das Thema Naturschutz im Kreisverband Ansbach seit etlichen Jahren eine große Rolle spiele. Sie erklärte, dass die Partei entgegen der landläufigen Meinung hinter den Unternehmern in Stadt und Landkreis Ansbach stünde.