Wer ist geeignet, Wassertrüdingen als Rathauschef wieder nach vorne zu bringen? Eine Entscheidungshilfe konnten sich die Bürgerinnen und Bürger beim Radio 8 Wahlduell holen. Beim Schlagabtausch stellten sich Amtsinhaber Stefan Ultsch sowie seine Herausforderer Jörg Edelmann und Jochen Reuter den Fragen von Programmleiter Klaus Seeger.
Es wurde fair diskutiert, zwischendurch ging es dann aber auch immer wieder hart zur Sache. Beispielsweise bei der Bewertung der bisherigen Amtszeit von Stefan Ultsch, in der die Stadtentwicklung nach Meinung der Herausforderer kaum vorangekommen ist und die jungen Leute in Wassertrüdingen immer noch auf ein schon lange versprochenes Jugendzentrum warten.
Das Aufeinandertreffen der drei Kandidaten fand in der Hesselberghalle vor vollem Haus statt. Für 800 Personen war bestuhlt worden. Mitveranstaltet wurde das Wahlduell von der Fränkischen Landeszeitung. Moderator Klaus Seeger fragte die Leiterin der Lokalredaktion Dinkelsbühl/Feuchtwangen, Martina Haas, wie sie den Wahlkampf bislang wahrgenommen habe. Das Interesse der Menschen sei groß, sagte sie. Zu Grenzüberschreitung wie andernorts in manchen Kommentaren, die in sozialen Netzwerken gepostet wurden, sei es in Wassertrüdingen bislang nicht gekommen. Bei den Sachthemen seien sich die drei Kandidaten weitgehend einig.
Von den beiden Herausforderern wollte Klaus Seeger wissen, warum sie Bürgermeister werden wollen. Für Jörg Edelmann (32), Kandidat des Bürgerbündnisses Stadt und Land und seit 2020 Mitglied des Stadtrates, stand fest: „Wir brauchen einen jungen Bürgermeister, der anpackt und die Themen konsequent umsetzt.“ Er wolle der Bevölkerung ein ehrliches Angebot machen, sagte der Schobdacher.
Jochen Reuter (52), nominiert von der CSU, ist seit neun Jahren Leiter der Betty-Staedtler-Mittelschule. In dieser Zeit sei ihm die Stadt ans Herz gewachsen. Er habe aber auch die Unstimmigkeiten in Verwaltung und Stadtrat mitbekommen. Er sei „als Außenstehender der beste Mann, in Wassertrüdingen einen Neustart zu vollziehen“. Reuter wohnt im Dürrwanger Orsteil Haslach und ist Gemeinderat. Für den Fall seiner Wahl will er aus familiären Gründen in Haslach wohnen bleiben.
Amtsinhaber Stefan Ultsch, der von der SPD ins Rennen geschickt wird, will den eingeschlagenen Kurs weiterführen. Er habe bewiesen, dass er die Stadt „durch stürmische Zeiten“ steuern könne, sagte der 57-Jährige, der damit auf den Schuldenabbau und die Corona-Jahre anspielte. In den nächsten Jahren gelte es, „den Bestand“ zu sanieren und ein Augenmerk auf die Infrastruktur zu richten.
In Wassertrüdingen werde viel diskutiert, leitete Moderator Seeger auf die Zerwürfnisse zwischen SPD-Fraktion und Bürgermeister über, in deren Folge die Parteiunabhängige Fraktion entstanden ist. Zu dieser gehört Edelmann. Dieser begründete die Trennung mit einem unterschiedlichen Werteverständnis und mangelnder Verlässlichkeit aufseiten des Bürgermeisters. Ultsch bestätigte, dass die Vorstellungen, wie an Dinge herangegangen werden sollte, unterschiedlich sind. Er selbst sehe sich aber in seinem Weg bestätigt.
Seeger sprach Ultsch auf die von ihm im Wahlkampf geäußerte Kritik an, wonach der Stadtrat viele Entwicklungen verhindert haben soll. Ob denn für den Fall seiner Wiederwahl im neuen Gremium eine vertrauensvolle Zusammenarbeit überhaupt noch möglich sein werde, wurde Ultsch gefragt. Der SPD-Kandidat lenkte den Blick auf die Bürgerinnen und Bürger und nahm diese in die Verantwortung. Er setze auf die Wählerinnen und Wähler, dass dieses Mal eine „vernünftige Mischung“ im Stadtrat zustande komme, erläuterte Ultsch, der im weiteren Verlauf den „Schwarzen Peter” mehrfach den Mitgliedern des aktuellen Stadtrates zuschob.
Jochen Reuter umschrieb die aktuelle Situation mit einem Klima des Misstrauens - in der Verwaltung und im Stadtrat. Aus vielen Gesprächen während des Wahlkampfes habe er herausgehört, dass die Bevölkerung so etwas nicht mehr wolle.
Zu den Sachthemen gehörte der bezahlbare Wohnraum. Während Amtsinhaber Ultsch dem Stadtrat Verhinderung vorwarf, als es um ein Projekt des sozial geförderten Wohnungsbaus mit 150 Appartements ging, betonte Edelmann, dass das Gremium lediglich Größenordnung und Standort kritisch gesehen habe. Jochen Reuter konnte die Bedenken des Stadtrates nachvollziehen und berichtete, dass er in München bei einem Termin mit Bauminister Christian Bernreiter eine Zusage für elf sozial geförderte Wohnungen bekommen habe.
Bei der Sanierung des Guten Hirten, in dem momentan eine Kita untergebracht ist, setzt Jörg Edelmann auf ein Nutzungskonzept als Basis. Erst dann mache eine Machbarkeitsstudie überhaupt Sinn. Edelmanns Mitbewerber Jochen Reuter teilte die Ansicht. Die Stadt hatte die Machbarkeitsstudie an den Anfang der Planungen gesetzt. Stefan Ultsch hob hervor, dass bereits intensive Gespräche zur Nutzung liefen.
Einig waren sich alle drei, dass die Jugend, die aus dem Bahnhofsgebäude herausmusste, dringend einen Treffpunkt braucht. Jochen Reuter plädierte für ein Gebäude in Modulbauweise, das neben der Hesselberghalle entstehen könnte. Für Jörg Edelmann ist das alte Wasserwerk der richtige Standort, auch wenn das Gebäude selbst womöglich nicht tauglich sei. Aber vielleicht könnte dort ein Container aufgestellt werden. Stefan Ultsch sprach sich für das ehemalige AWO-Heim aus.
Nicht zuletzt ging es auch um Ideen zur Belebung der Innenstadt, der - wie Seeger anmerkte - schon einmal „Funktionsarmut” bescheinigt worden sei. Es müsse an vielen kleinen Stellschrauben gedreht werden, so Edelmann, der unter anderem ein Kinoangebot vorschlug. Ultsch machte deutlich, dass es bereits viele Initiativen für Angebote gegeben habe, die allerdings eingeschlafen seien. Für Jochen Reuter stand fest: Wenn die Altstadt für Menschen interessant sein soll, „brauchen wir ein Café, eine Eisdiele und eine Gaststätte”.