14 Jahre lang lenkte Helmut Praus als Uehlfelder Bürgermeister die Geschicke Uehlfelds. Aus gesundheitlichen Gründen musste er dann allerdings im Jahr 2010 zurücktreten. Doch was macht der 74-Jährige eigentlich heute? So viel sei verraten: Seine Enkelkinder, die Fotokamera und Südtirol spielen in seinem Leben große Rollen.
„Was ich liebe, ist die Natur, die wir in wenigen Minuten erreichen.“ Ja, ein Lokalpatriot ist Praus bis heute geblieben. Kein Wunder also, dass es ihm die Tier- und Pflanzenwelt rund um Uehlfeld und vor allem auch in seinem schönen Garten angetan hat. Als echter Uehlfelder hält er im Teich natürlich Karpfen. Nun gut: Koikarpfen.
„Ich glaube, dass man so eine Landschaft wie im Aischgrund ganz selten auf der Welt findet – man sieht es nur nicht.“ Das will der Rentner ändern. Immer wieder rückt er mit seiner Kamera aus. Beobachtet stundenlang Störche und Gänse, setzt sich ins Gras, redet mit ihnen. Denn der Altbürgermeister ist sich sicher, dass so ein Vogel anhand der Stimmlage durchaus merkt, dass man ihm nichts Böses will. „Man braucht Geduld und natürlich auch ein Quäntchen Glück.“
Dann wird der Storch, die Kanadagans, der Schwarzschwan oder das kleine Taubenschwänzchen aus dem Garten zum Star-Model. Praus zeigt zwei Storchen-Serien. Kopf in den Nacken, losgebrüllt. „Danach schauen sie einen manchmal an – und man denkt, sie wollen einen fragen: Habe ich das nicht gut gemacht?“ Störche, die zum Abheben ansetzen. Frösche, die posieren. Oder ein Storch auf dem Flutlicht-Mast des alten Sportplatzes, der mit seinen Gesten ein Spiel kommentiert. Humor darf bei Praus nicht zu kurz kommen.
Aus seinen schönsten Fotos macht er immer wieder Erlebnisbücher zur Erinnerung – „eine Liebeserklärung an eine lebendige Gemeinde. Meine größte Passion sind aber meine Enkelkinder.“ Auch ihnen bringt der Uehlfelder die Schönheit der Natur näher, spielt mit ihnen, auch mal am Computer. „Das hält jung.“
Ansonsten steht auch das Reisen hoch im Kurs. „Seit fast 50 Jahren bin ich jedes Jahr mindestens einmal in Südtirol.“ Die Natur, die scheinbar unendlichen Bergketten, die Sehenswürdigkeiten, Wandern auf 2000 Metern Höhe. Als früherer Vorsitzender der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Aischgrund wollte er einst sogar eine Partnerschaft einfädeln. Aber die Südtiroler haben in ihrer Freizeit keine Zeit. Zwei seiner Lieblingsplätze: Die „beste Eisdiele“ Italien und die berühmte Trostburg. Sogar die Dolomitenzeitung liest Praus ab und an, „damit ich sehe, was sich dort so tut“. Die Begegnungen mit den Menschen dort sind ihm heilig – „ich rede halt gerne mit den Leuten“.
Die Uehlfelder Kommunalpolitik verfolgt Praus ebenso weiterhin wie die große Weltlage. Öffentlich will sich der langjährige Politiker zu seinen Bürgermeister-Nachfolgern aber nicht äußern. Nur so viel: „Es gibt Dinge, die gefallen mir, andere nicht.“ Aber der Diplomat in ihm verbietet es, Beispiele zu nennen. Nach 38 Jahren Politik-Tätigkeit in der Marktgemeinde – davon 14 (1996 bis 2010) als Bürgermeister – fiebert er innerlich aber natürlich noch mit.
Einen Traum hat der 74-Jährige ebenso: „Vielleicht flieg ich noch mal nach Venedig.“ Fotos schießen, sowieso klar. Aber nicht nur vom Markusplatz, das wäre Praus viel zu langweilig. Vom Karneval, von der historischen Regatta. „Die ganze Stadt ist ein Museum, Venedig ist immer eine Reise wert.“ Ein Termin steht noch nicht fest. Gesundheitlich hat sich Praus wieder erholt, ein Flug ist aber noch nicht gebucht, verrät er.
Aber so oder so. Am liebsten ist er ohnehin in Uehlfeld. Im Weihergebiet bei Gottesgab, in Peppenhöchstädt. Die Störche warten mit ihrer nächsten Performance für ein Foto-Shooting bestimmt schon auf ihn.