Der Stuhl des CSU-Bundestagsabgeordneten Artur Auernhammer wackelt. Als dritter Bewerber für die Nominierung als Direktkandidat im Wahlkreis Ansbach hat sich Manfred Scholl aus Dinkelsbühl gemeldet.
Die 54-jährige Scholl machte seine Bewerbung nicht selbst publik. Vielmehr wurde er am Freitag von einem prominenten Quartett empfohlen. Neben dem Ansbacher CSU-Kreisvorsitzenden Jan Helmer und Landrat Dr. Jürgen Ludwig bitten die CSU-Urgesteine Klaus Dieter Breitschwert, der lange Landtagsabgeordneter war, und Staatsminister a.D. Hans Maurer in einem gemeinsamen Schreiben um Unterstützung für Scholl.
Zur Begründung heißt es in dem Brief, der der FLZ vorliegt, dass Manfred Scholl als Stadt- und Kreisrat sowie Ortsvorsitzender der CSU Verantwortung übernommen habe. Als Berufssoldat, der im Auswärtigen Amt in Berlin als militärischer Berater tätig ist, verfüge er über „wertvolle Verbindungen und umfangreiche Kenntnisse des politischen Betriebs in der Bundeshauptstadt“. Zudem sei er auf einem Bauernhof aufgewachsen und „fest verwurzelt in unserer fränkischen Heimat“.
„Wir leben in einer neuen Zeit, die neue Ideen und Köpfe braucht“, sagte Scholl im Gespräch mit der FLZ zur Begründung seiner Kandidatur. 2016 und 2021 hatte er sich ebenfalls um die Nominierung bemüht, war damals aber jeweils Auernhammer unterlegen. Inhaltlich will er sich nach eigenen Worten im Falle seiner Wahl im Bundestag vor allem um die Themen innere und äußere Sicherheit, die wirtschaftliche Entwicklung und um mehr Bürgernähe kümmern.
Manfred Scholl ist in Dinkelsbühl geboren und aufgewachsen. Er hat in Triesdorf die Fachoberschule besucht und in München Betriebswirtschaft studiert. Seit Anfang der 1990er-Jahre ist er Berufssoldat mit zahlreichen Stationen, unter anderem in Afghanistan. Aktuell ist er Oberstleutnant.
„Das ist keine Kriegserklärung“, betonte der CSU-Kreisvorsitzende Jan Helmer im Gespräch mit der FLZ, „sondern die Vorstellung eines Vorschlags“. Dies sei das Recht und die Pflicht eines Kreisvorsitzenden. Auch Klaus Dieter Breitschwert unterstrich, dass es sich bei dem Vorschlag um ein Stück innerparteiliche Demokratie handele. Wichtig sei es, Respekt vor dem Votum der Delegierten und der Wähler zu haben.
Mit Michael Glossner, stellvertretender Vorsitzender des CSU-Gebietsverbands Hahnenkamm (Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen), gibt es einen dritten Bewerber, dem jedoch nur geringe Chancen eingeräumt werden.
„In unserer Demokratie steht es jedem frei, sich um ein Mandat zu bewerben. Das ist ein grundlegendes Recht und ein wichtiger Aspekt unseres politischen Systems. Letztendlich liegt die Entscheidung bei den Delegierten der Nominierungskonferenz, die sorgfältig abwägen werden, wer die Interessen unserer Region am besten vertreten kann,“ lautete der Kommentar von MdB Artur Auernhammer zur Bewerbung von Manfred Scholl.
Drei Kreisverbände der CSU decken den Bundestagswahlkreis Ansbach ab: Weißenburg-Gunzenhausen, Landkreis Ansbach und Stadt Ansbach. Die meisten Delegierten bei der Nominierungsversammlung, die voraussichtlich am 30. November in Triesdorf stattfindet, stellt der Landkreis Ansbach, die Stadt schickt die kleinste Delegation. Die Delegierten sind in ihrer Entscheidung aber unabhängig von ihrer Herkunft frei.
Bei einer Konferenz der CSU-Ortsverbandsvorsitzenden in Lehrberg werden sich die Bewerber zunächst am Montag, 16. September, vorstellen.