Mit Amtsinhaber Peter Kaltenhäuser stellt sich in Dachsbach nur ein einziger Bewerber für den Bürgermeisterposten zur Verfügung, doch langweilig ist die Wahl dort dennoch nicht: Als einzige Kommune im Landkreis bringt Dachsbach eine vollständige reine Frauenliste an den Start und darüber hinaus auch noch die jüngste Liste weit und breit.
Die zwölf Nominierten der Jungwähler Dachsbach bringen es auf einen Altersschnitt von knapp 23 Jahren – drei der Aufgestellten sind noch Teenager und keiner ist über 30. Für Bürgermeister Peter Kaltenhäuser ist das wunderbar. Er begrüße es, wenn im Gemeinderat eine bunte Mischung aus Jung und Alt zu finden sei, denn das sei „vorteilhaft für jede Entscheidungsfindung”.
Ähnlich äußert sich der Amtsinhaber, der 2020 den langjährigen Bürgermeister Jürgen Regus ablöste und damals mit gerade mal 32 Jahren selbst vergleichsweise jung war, über die Liste der Aktiven Frauen. „Ich finde sowieso, dass wir dringend mehr Frauen in der Politik brauchen” – die bisher zwei im Ratsgremium seien eindeutig ausbaufähig.
Kaltenhäuser selbst wurde seinerzeit aufgestellt von der Ortsteilgruppierung namens „Einigkeit und Gerechtigkeit Rauschenberg”. Das klingt fast ein wenig dramatisch und passt nicht so recht zum heute 38-Jährigen. Denn Kaltenhäuser ist ein ruhiger, zurückhaltender und ganz und gar unaufgeregter Mann.
Der verheiratete Vater von vier Kindern, gelernter Agraringenieur und nach wie vor Nebenerwerbslandwirt, hatte sich vor sechs Jahren nicht leichtfertig ins politische Rampenlicht gedrängt – im Gegenteil. „Es waren da immer wieder mal Leute auf mich zugekommen und haben gefragt, ob ich mir das vorstellen könnte. Aber ich war damals ja noch gar nicht bekannt. Und dann standen sie plötzlich an einem Sonntag vor meiner Haustür und haben mich bearbeitet und mir versprochen, dass sie mich in allem unterstützen würden. Da war ich noch im Schlafanzug.”
Er hat sich damals mit seiner Frau beraten und das hat er auch diesmal so gehandhabt. „Wenn die Familie gesagt hätte, das wollen wir nicht mehr, dann hätte ich mich auch nicht noch einmal aufstellen lassen.” Doch Frau und Kinder gaben ihren Segen, und im Gegensatz zur Schlafanzug-Kandidatur ist Kaltenhäuser diesmal der einzige Bewerber. „Ich war bei den Nominierungsversammlungen” erzählt er, er habe viel Zuspruch erfahren – offenbar wollen ihn alle weiter im Rathaus. Für Kaltenhäuser ist das einerseits schön, andererseits jedoch „bin ich keiner, der sich zu früh freuen mag. Man kann schließlich auch andere Namen auf den Stimmzettel schreiben”.
Das mag theoretisch so sein, doch faktisch ist an Kaltenhäusers Wiederwahl nicht zu zweifeln. Fragt man ihn nach seinen Vorstellungen und Wünschen für die kommenden sechs Jahre, verweist er zunächst darauf, dass „die Zeiten auf jeden Fall finanziell schwieriger werden und wir uns mehr auf die reinen Pflichtaufgaben konzentrieren müssen”. Wasser und Abwasser seien da zu nennen, doch auch das Baugebiet Herrgottsgarten mit den dort möglichen neuen Wohnformen will er unbedingt weiter voranbringen: „Das kann ich kaum erwarten.”
Dass es der Gemeinde gelungen ist, das Anwesen Marktplatz 15 zu erwerben, sei sehr erfreulich, vielleicht könne davon ein Stück Innenortentwicklung und Reaktivierung des Ortskerns ausgehen. Und dann verbessert er den Fragesteller: Das alles seien nicht seine Vorstellungen, sondern die gemeinsamen Ideen des Gemeinderates. „Ich bin richtig froh, dass da so ein tolles und konstruktives Gremium ist, mit dem die Arbeit wirklich Spaß macht.”
Peter Kaltenhäuser ist ein Nachfrager, ein Zugewandter, ein Hinhörer – einer, der mit allen „immer auf Augenhöhe” reden will, einer, dem dieser „sinnlose Rechtsruck” Sorgen macht, der sich allmählich daran gewöhnt hat, als Dorfbürgermeister immer und überall im Dienst zu sein. Dass diejenigen, die rund um das geplante Mischgebiet an der Pfarrer-Enz-Straße ein Bürgerbegehren dagegen starten wollen, ist für ihn schon okay, dass sie vor dem Protest nicht mit ihm gesprochen haben, trifft ihn. „Da frage ich mich schon, was ich denn falsch gemacht habe.”
Zwölf Sitze hat der Dachsbacher Gemeinderat und alle Gruppierungen treten wieder an. Neben den Aktiven Frauen, den Jungwählern und der Rauschenberger Gruppe sind das der Bürgerblock und Einigkeit Oberhöchstädt, sieben der amtierenden Ratsmitglieder bewerben sich erneut. Unter den 52 Nominierten sind 21 weiblich – einen höheren Frauenanteil haben nur Emskirchen und Uffenheim. Kaltenhäuser sieht sich als Bürgermeister für alle: „Ich hoffe, dass ich es geschafft habe, dass sie mit mir zufrieden sind.” Bereut hat er seine Schlafanzugentscheidung bis heute jedenfalls nicht.