Mit einem Festgottesdienst ist am Sonntag Scheinfelds evangelischer Pfarrer Joachim Roth samt seiner Familie verabschiedet worden. Er wechselte nach zwölf Jahren im Steigerwald zu einer neuen Gemeinde im oberpfälzischen Postbauer-Heng.
In der Erlöserkirche herrschte reger Andrang wie sonst nur zum Weihnachtsgottesdienst. Die Stühle reichten nicht aus, „wenn die Gemeinde so groß ist, und die Kirche so klein“, wie Roth anmerkte. Für den musikalischen Teil sorgte neben Angelika Dornberger an der Orgel der ökumenische Kirchenchor unter der Leitung von Lore Heunisch und der Posaunenchor Schnodsenbach unter der Leitung von Raimund Kolb.
Wichtig war Roth immer die Gemeinschaft, die in der Kirchengemeinde gelebt wird. Diese Gemeinschaft habe er in Scheinfeld, gemeinsam mit seiner Familie erfahren, betonte Roth und dankte dabei seiner Frau Ursula, die – wie Roth eingestand – viel mit ihm durchmache.
In Jahr 2012 war Roth nach seiner Zeit als Pfarrer in Brasilien mit seiner aus Südafrika stammenden Frau nach Scheinfeld gekommen. Marianne Freimann vom Vorstand der Dekanatssynode erinnert sich noch genau daran. Sie dachte damals, „was will so ein Global Player in Scheinfeld? War es ein Irrtum?“ Doch das war es nicht. Er wollte in den Steigerwald, antwortete Roth.
Zwölf Jahre haben die beiden mit ihren drei Kindern Andrea, Bernhard und Veit frischen Wind ins Gemeindeleben gebracht als eine „Pfarrfamilie, wie man es sich als Kirchengemeinde wünscht“, befand der Markt Einersheimer Dekan Ivo Huber.
Diese Ansicht teilten auch zahlreiche Pfarrer aus der Umgebung, der Kirchenvorstand und andere Ehrengäste, die gekommen waren, um der Familie Roth ihre Grüße und Geschenke mit auf den Weg in ihr neuen Wirkungskreis in Postbauer-Heng zu geben. Hans Meyer, Mitglied des Kirchenvorstands, moderierte den Grußwortreigen.
Allen voran kamen die Kinder des in Roths Amtszeit gegründeten evangelischen Albert-Schweitzer-Kindergartens mit ihren Erzieherinnen, um der Familie zum Abschied ein Ständchen zu singen.
Wolfram Schröttel, Direktor des Gymnasiums, bedauerte nicht nur den Weggang von Joachim Roth, der im Religionsunterricht den Gymnasiasten eine eigenständige und mündige Haltung einzunehmen gelehrt habe, sondern auch, dass nun dessen Kinder die Schulfamilie verlassen.
Er sei ein Pfarrer, der Jesus Wort „gehet hin“ wörtlich nimmt, fand Reinhold Probst vom Missionskreis des Dekanats. Damit Roth, der im Dekanat auch Missionsbeauftragter war, Scheinfeld und die schöne Orgel nicht vergesse, schenkte er dem scheidenden Pfarrer einen Orgelkalender zur Erinnerung. Doch nicht nur die weite Welt sei bezeichnend für Roth. Auch in Scheinfeld ging er auf die Menschen zu und holte sie ab – im übertragenen als auch im wörtlichen Sinn. So stand er einst vor der Haustüre einer Jugendlichen, die – mit ihren Worten – „aus der Kirche bereits herauskonfirmiert hatte“, um den Teenager für die Jugendarbeit zu gewinnen – mit Erfolg.
Auch den Einladungen der Motorradfreunde, einen Gottesdienst bei ihnen abzuhalten, folgte Roth. Bei den Konfirmandenfreizeiten waren wohl seine Nachtwanderungen legendär bis berüchtigt, wozu etwa auch eine mit viel Gottvertrauen begangene Höhlentour gehörte. Aufgrund dieser Begebenheit schenkte sein Pfarrerkollege aus Burghaslach, Daniel Lischewski, Roth einen Kompass mit einer Inschrift „Sei stark, mutig, habe keine Angst, denn der Herr dein Gott wird immer da sein wo immer du hingehst“.
Scheinfelds Bürgermeister Claus Seifert und die katholische Pastoralreferentin Dr. Andrea M. Friedrich blickten mit Wehmut auf gemeinsame Projekte zurück. Seifert betonte, Roth habe durch sein Feuer und Engagement Menschen motiviert und ihnen Mut zugesprochen.
Große Anerkennung erfuhr auch Ursula Roth, etwa für ihre Arbeit als Religionslehrerin. Grundschulrektorin Ursula Appel gab ihr zur Erinnerung eine Feder eines der beiden Flügel mit, die Roth fürs vergangene Schulfest mitgestaltet hatte. Ursula Roth habe – nicht nur als Religions-, sondern auch als Klassenlehrerin – die Schule mitgestaltet und die Kinder beflügelt, dankte Appel.
Neben der Familie Roth wurde bei dem Gottesdienst auch die Mesnerin Katharina Keul verabschiedet; sie geht in den Ruhestand. Keul dankte der Pfarrersfamilie für die gute Zusammenarbeit und der Kirchengemeinde für die empfangene Freundlichkeit. Die Nachfolge als Mesner tritt Keuls Sohn Eduard Keul an.
Hingegen ist die evangelische Pfarrerstelle in Scheinfeld nun wohl eine ganze Zeit lang frei. Die Seelsorgeaufgaben werden vorerst auf andere Pfarrer des Dekanats verteilt.