Anderswo wird gerne laut geschimpft, in Neustadt schwankt die Stimmung oftmals eher zwischen fatalistisch und entspannt. Und so musste Bürgermeister Klaus Meier auch bei seiner letzten Bürgerversammlung im Amt nicht befürchten, angefeindet zu werden: Im Gegenteil.
Es waren beileibe nicht nur gute Nachrichten, die Meier in der RathausEhrenHalle zu verkünden hatte, doch gefeiert wurde er mit langanhaltendem Applaus zum Ende trotzdem. Zum einen honorierten die rund 60 Anwesenden – darunter ein halbes Dutzend Stadtratsmitglieder, Meiers beide Stellvertreter sowie die diversen städtischen Amtsleiter – wohl seine wieder einmal ebenso ausführliche wie liebevoll aufbereitete Präsentation der Ereignisse des zurückliegenden Jahres, zum anderen mutmaßlich aber auch seine Amtsführung: Der Klaus, so klang es in etlichen Wortmeldungen durch, ist einer von uns.
Doch der Reihe nach: In seinem Rückblick erinnerte Meier an ein für Neustadt außerordentlich ereignisreiches, wenngleich nicht durchweg erfreuliches Jahr. Die finanzielle Krise der Kommunen habe schließlich auch vor dem Landkreis und seiner größten Stadt nicht Halt gemacht – die Zeiten seien schwer für die öffentliche Hand und würden im kommenden Jahr mutmaßlich noch schwerer. Erstmals seit exakt 20 Jahren sei der Schuldenstand der städtischen Kassen wieder gestiegen auf knapp 4,3 Millionen Euro. Rechnet man die Verbindlichkeiten des Kommunalunternehmens hinzu, die durch die monatelange Mega-Baustelle im Steinsweg ebenfalls geklettert sind, errechnet man ein Gesamtminus von rund 26,3 Millionen Euro.
Hinzu kommt die Tatsache, dass auch die Rücklagen von zuletzt 14,8 auf 8,12 Millionen Euro geschrumpft sind, was Klaus Meier schlussendlich zur nicht allzu komplizierten Prognose verleitete: „Die nächsten Jahre werden eine große Herausforderung”.
Wie erleichternd ist es da, dass zumindest die Attraktivität des Städtchens offensichtlich keinen Schaden genommen hat: 775 Wegzügen und Todesfällen stehen im Jahr 2025 bislang 889 Zuzüge entgegen, was die Einwohnerzahl auf den neuerlichen Höchststand von 13.911 Personen katapultiert. Man kratzt also an der 14.000er-Marke, ein Plus von rund 1700 Menschen seit 2010 und die Spitzenposition im Landkreis.
In den auf die Zahlen folgenden rund 90 Minuten erinnerte Meier auch mittels zahlreicher Bilder an die wichtigsten Neustädter Ereignisse des Jahres 2025: Fortschritte beim Feuerwehrhaus und die Kerwa, Sanierung der Markgrafenhalle und das Heimatfest, Aufhübschung der Rathausfassade und die Themenmarktplätze. 24 Kilometer Glasfaser seien verlegt worden, die Wiederherstellung der aufgerissenen Pflasterpassagen habe zwar Ärger bereitet, werde aber spätestens nach der Endabnahme der Arbeiten Stück für Stück wieder in Ordnung gebracht.
Wegen des schlechten Wetters im Juli sei das Waldbad mit rund 75.000 Besuchern deutlich an der Sechsstelligkeit vorbeigeschrammt, aber die 100.000 Gäste werde man weiterhin anpeilen, zumal man mit dem Bad ja auch guten Gewissens werben könne: Eine Internet-Rangliste, basierend auf Google-Bewertungen, habe die Neustädter Freizeiteinrichtung schließlich unter rund 1000 deutschen Bädern auf Platz 8 eingeordnet – eine Einordnung, die Meier mit seiner mehrfach verwendeten Lieblingsfloskel des Abends kommentierte: „Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.”
Weiter ging es mit dem Lob für die städtischen Bediensteten, für den Stadtrat und dessen konstruktive Mitarbeit sowie für die zahlreichen Ehrenamtlichen. Dabei griff sich Meier vor allem die Feuerwehr heraus, verwies auf deren 205 Einsätze zwischen dem Spätsommer des vergangenen und dieses Jahres und bezeichnete die FW-Einsatzkräfte als wahre Vorbilder für die Jugend.
Es folgten die Bürgerfragen und Anregungen, die Georg Paulus mit einem Lob eröffnete: Einen „Dank an Klaus Meier für seine Hartnäckigkeit” wolle er aussprechen, habe es dieser doch erreicht, dass wieder eine Postfiliale in die Innenstadt kommt. Meier freute sich zwar über das Lob, musste jedoch sinnbildlich „etwas Wasser in den Wein gießen”. Trotz bereits fester Zusagen, einem Bestätigungsschreiben der Post sowie dem unterschriebenen Mietvertrag „ziert sich” der anvisierte Betreiber ein bisschen und suche nach einem zweiten Standbein, weil eine Postagentur sich allein nicht rechnet. Immerhin: Wenn das Betreibermodell nicht zum Tragen kommt, habe die Post selbst die Übernahme der Filiale versprochen, allerdings mit nur zwei Stunden Öffnung pro Tag.
Wie Meier dann am Vormittag nach der Bürgerversammlung gegenüber der Redaktion bestätigte, haben sich die Befürchtungen mittlerweile bewahrheitet: Der angepeilte Filialbetreiber habe am Freitag abgesagt, man werde nun entweder das Postangebot akzeptieren oder einen anderen Betreibt finden müssen.
Für gemischte Heiterkeit sorgte der ehemalige Stadtrat Walter Billmann, der sich angesichts des aktuellen und schon lange anhaltenden Zustands des ehemaligen Besamungsvereins-Geländes an der Karl-Eibl-Straße gar an Jugoslawien nach dem Bürgerkrieg erinnert fühle. Ob es denn Neuigkeiten zu dieser Trümmerwüste gebe? Eine konkrete Antwort musste Meier schuldig bleiben: Diverse Nachfragen beim Besamungsverein hätten kein konkretes Resultat erbracht, offensichtlich laufe die Vermarktung des Areals nicht so wie erhofft und es sei kein Interessent vorhanden.
Erst in seinen Schlussworten nahm Meier dann noch einmal Bezug auf seine 18-jährige Amtszeit, die im kommenden Mai zu Ende ist. Er gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge, werde vieles und viele vermissen, freue sich aber auf einen ruhigeren Alltag. Sein Schlusssatz: „Es war mir eine große Ehre, so lange Bürgermeister meiner Heimatstadt gewesen zu sein.”