Hafer, Soja, Reis: Pflanzliche Milchalternativen liegen im Trend - ob aus Gründen des Tierschutzes oder um das Klima zu schonen. Doch kann man auch kleinen Kindern Pflanzendrinks statt Kuhmilch zu trinken geben? Schließlich stellt Milch für sie oft einen wesentlichen Baustein in der Ernährung dar und ist nicht nur ein nettes Extra im Kaffee.
Dennis Papanouskas rät Eltern, sich gut mit der Materie zu befassen und ärztlich beraten zu lassen, bevor sie ihren Kindern weniger oder gar keine Kuhmilch mehr geben. Er leitet am Universitätsklinikum Münster (UKM) die Schule für Diätassistenten. „Im Ernstfall kommt es zu Wachstumsstörungen oder anderen Mangelernährungssymptomen.“ Denn Pflanzendrinks haben ein anderes Nährstoffprofil als Kuhmilch.
Für Säuglinge gilt: Reine Pflanzendrinks, die man im Supermarkt im Milchregal findet, sind unter keinen Umständen geeignet. Denn für Säuglingsanfangsnahrung als Ersatz zur Muttermilch gibt es gesetzliche Vorgaben, was die Nährstoffe angeht. Spezielle Präparate auf Sojabasis, die diese Vorgaben erfüllen, können laut Papanouskas eine Option sein.
Für Kleinkinder können Pflanzendrinks durchaus infrage kommen. „Hier kommt es aber sehr stark auf die Unterschiede zwischen den einzelnen Pflanzendrinks an“, so Papanouskas.
Da wäre einmal der Eiweißgehalt. Drinks auf der Basis von Hülsenfrüchten wie Soja, Ackerbohnen oder Erbsen haben fast genauso viel Eiweiß wie Kuhmilch. Drinks aus Getreide wie Reis, Hafer oder Kokos hingegen enthalten sehr viel weniger davon. Papanouskas rät Eltern, für ihre Kinder klar zu Pflanzendrinks mit hohem Eiweißgehalt zu greifen.
Das „Netzwerk Gesund ins Leben“ betont, dass Kuhmilch nicht nur Eiweiß liefert, sondern Kleinkinder im Alter von einem bis drei Jahren vor allem entscheidend mit bestimmten Mikronährstoffen versorgt. Das betrifft Kalzium, Jod, Vitamin B2 und Vitamin B12. Manche Pflanzendrinks sind mit diesen Nährstoffen angereichert, ein Blick auf die Zutatenliste bietet Aufschluss.
Doch auch hier gibt es Unterschiede: So lässt sich etwa Kalzium in Form von Calciumcarbonat besser aufnehmen als Tricalciumphosphat. Weil es sich oft unten absetzt, sollte man Kartons vor dem Verzehr gut schütteln. Manchen Drinks sind außerdem Zucker, Süßstoffe oder Aromen zugesetzt. Von solchen Produkten rät das Netzwerk ab.
Ein Haken: Biopflanzendrinks dürfen nicht mit Mikronährstoffen angereichert werden. Nimmt das Kind Kalzium, Jod, Vitamin B2 und B12 nicht direkt über den Pflanzendrink auf, sollten Eltern gezielt andere Lebensmittel in die Ernährung integrieren, um den Mangel auszugleichen. Das „Netzwerk Gesund ins Leben“ empfiehlt:
Auch wenn man alle Tipps beherzigt, rät Papanouskas vom UKM, den Kinderarzt einzubeziehen. Sinnvoll sei es etwa, die Blutwerte des Kindes kontrollieren zu lassen. „Wenn eine Mangelernährung bei Erwachsenen auftritt, dann merken sie das häufig an trockener Haut, an Müdigkeit, Leistungsabfall. Dafür haben Kinder einfach noch nicht das gute Gespür und das ist von außen teilweise sehr schwer sichtbar“, so der Diätassistent.
© dpa-infocom, dpa:260604-930-173947/1