„Saggen“ - Die Hose hängt wieder auf halbmast | FLZ.de

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Veröffentlicht am 16.10.2026 05:32

„Saggen“ - Die Hose hängt wieder auf halbmast

Die Hüfte sitzt auf der Hose, der Schritt hängt tief - ursprünglich kommt der Kleidungsstil aus der Hip-Hop-Kultur. (Foto: Katharina Kausche/dpa)
Die Hüfte sitzt auf der Hose, der Schritt hängt tief - ursprünglich kommt der Kleidungsstil aus der Hip-Hop-Kultur. (Foto: Katharina Kausche/dpa)
Die Hüfte sitzt auf der Hose, der Schritt hängt tief - ursprünglich kommt der Kleidungsstil aus der Hip-Hop-Kultur. (Foto: Katharina Kausche/dpa)

Junge Leute tragen wieder tief sitzende Jeans. Meist hängen diese so weit unten, dass sie den Blick auf den Bund der Boxershorts freigeben. Kommt einem bekannt vor? In der Tat: Bereits in den 1990er und 2000er Jahren waren die Baggy Pants angesagt. Heute heißt der Trend allerdings „saggen“ - abgeleitet vom englischen „sagging“, was unter anderem durchhängend oder sackend bedeutet. Modeexpertinnen erklären, was man dazu wissen muss - und wieso die Skinny-Jeans trotzdem nicht aussortiert werden muss.

Extra weite Hosen, die unterhalb der Hüfte hängen - aufgekommen ist dieser Kleidungsstil laut der Münchner Modejournalistin Sabine Resch in den 1990er Jahren. „Dahinter steckt ein Solidaritätsverhalten der Hip-Hopper in der Bronx, als ihre Kumpels in den Knast gesteckt wurden.“ Aus Sicherheitsgründen seien diesen die Gürtel abgenommen worden, so dass die Hosen gerutscht seien. „Heute gibt es eine florierende Hip-Hop- und Rap-Kultur, und da beeinflussen die Popstars als Trendsetter natürlich die Kids.“

Einen wichtigen Unterschied gibt es heute aber: „Früher wurde die Hose mit ganz, ganz weiten, fast knielangen T-Shirts kombiniert“, sagt Diana Weis, Professorin für Modejournalismus in Berlin. Jetzt seien die T-Shirts kürzer, und damit rücke zwangsläufig der Part ins Blickfeld, den die Oberbekleidung nicht mehr bedecke - also auch der Bund der Unterhose, so dass auch bei dieser wieder bestimmte Marken an Relevanz gewännen.

Britney Spears machte die Hüfthose populär

Äquivalent dazu tragen junge Frauen wieder Hüfthosen - sogenannte Low-Rise-Jeans, ein Retro-Trend aus den 2000ern, den Promis wie Britney Spears, Paris Hilton oder Kate Moss populär machten. Kombiniert mit einem kurzen Oberteil blitzt dabei der Slip heraus - gerne ein mit Glitzersteinen verzierter String - und oftmals auch wieder ein Tattoo, einst als Arschgeweih verschrien.

„Das Arschgeweih hat sein Stigma verloren“, sagt Weis. „Die jungen Leute entdecken diesen Trend wieder neu für sich und verbinden nicht das Gleiche damit wie die Älteren.“

Doch wieso kommen Retro-Trends überhaupt auf? Mal sind es die 1980er, mal die Sixties und dann die 2010er Jahre. „Alles, was in der Vergangenheit liegt, das ist uns vertraut, da fühlen wir uns wohl. Und dieses Verhalten nennen wir Eskapismus: Flucht in bessere Zeiten“, sagt Resch, die als Professorin an der Akademie Mode & Design lehrt.

Verstärkt wird das nach Ansicht von Weis durch die sozialen Medien. „Das Internet ist ein großes Bildarchiv, indem man die ganzen Styles aus der Vergangenheit findet.“ Als Inspiration dienten nicht nur aktuelle Fotos und Videos, die in den sozialen Medien geteilt würden. Vorbilder seien auch Popstars und Prominente von vor zehn oder 15 Jahren.

„Fast Fashion“ ermöglicht schnelle Stilwechsel

Resch hat aber auch beobachtet, dass Modetrends inzwischen schneller kommen und gehen. „Was im 20. Jahrhundert eine Dekade war, ist heute vielleicht ein halbes Jahr“, sagt sie. Zu dieser Zeit habe es in der Modebranche zwei bis vier Kollektionen pro Jahr gegeben, heute seien es bis zu 16. Dieser schnelle Wechsel von an Trends orientierten Kollektionen, die zum Teil für verhältnismäßig wenig Geld verkauft werden, wird auch als „Fast Fashion“ bezeichnet.

Dadurch ist es heute auch deutlich einfacher, seinen Stil regelmäßig zu wechseln. „Mode ist grundsätzlich fluider geworden“, meint Weis. „Die Leute verbinden diese weniger mit ihrer Identität, wie es in den Jugendkulturen im ausgehenden 20. Jahrhundert der Fall war.“

Somit kann es gut sein, dass jemand den einen Tag eine Hüfthose trägt und am nächsten eine eng anliegende Skinny-Jeans. „Zum Glück gibt es mehrere Trends auf einmal“, sagt Resch. Ihr Tipp ist generell, nicht alles mitzumachen, nur weil es gerade in ist. „Man sieht nicht jünger aus, wenn man als 45-Jähriger die Outfits der Kinder trägt.“

© dpa-infocom, dpa:261016-930-847262/1


Von dpa
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