Was Marmelade angeht, hat die Erdbeere hierzulande die Nase vorn. Der Klassiker lässt sich aber auf vielerlei Weise aufpeppen, sagt Roswitha Schemm. Sie betreibt mit Mann und Sohn den Erdbeerhof Zehelein-Schemm in Franken.
„Eine kleine Chilischote und etwas Ingwer geben der Marmelade eine scharfe, feurige Note“, sagt sie. Die Zutaten: ein Kilo Erdbeeren, 500 g Gelierzucker (2:1), eine fein gehackte kleine Chilischote ohne Kerne, ein Teelöffel frisch geriebener Ingwer. „Vorsichtig dosieren, damit es nicht zu scharf wird“, so Roswitha Schemm. Aufkochen und zum Ende noch zwei Esslöffel dunklen Rum oder Balsamico-Creme hinzufügen.
Ihre mediterrane Marmeladenvariante kombiniert die Expertin gerne mit Ziegenkäse oder dunklen Fleischgerichten wie Rinder- oder Rehbraten. Zu Erdbeeren und Zucker kommen 3 EL Holunderbeerensaft, 2-3 Zweige frischer Rosmarin (eventuell im Netz, weil die Zweige am Ende wieder heraus müssen) und Abrieb und Saft einer halben Bio-Zitrone. „Eine Prise Salz am Schluss verstärkt das Aroma“, sagt Schemm.
Auch wenn Erdbeeren am besten frisch schmecken, ist Marmelade nur ein Beispiel, dass die saftigen Früchte auch gekocht werden können. So schwärmt Simon Schumacher vom Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer (VSSE) von einer einfachen Erdbeer-Tomatensuppe.
„Dafür können Sie gut Erdbeeren verwerten, die schon kleine Druckstellen haben“, sagt er. Die Suppe besteht aus drei Teilen Tomaten und einem Teil Erdbeeren. Alles wird gekocht, püriert und neben Salz auch mit Curry gewürzt. „Das Erdbeeraroma schmeckt man deutlich heraus“, so der VSSE-Chef. Ebenso können pürierte Erdbeeren einen Soßenfond anreichern.
Frisch machen sich die saftigen Früchte zum Beispiel gut im Salat oder auf Spießen. Kombiniert mit Zutaten nach persönlichem Gusto, bringen sie je nach Sorte eine süße oder leicht säuerliche Note ins Essen – und mit ihrem Rot noch dazu einen fröhlichen Farbtupfer.
Für Fleischspieße mit karibischem Touch brät Simon Schumacher mit Sojasoße und Curry gewürzte Hähnchenbrust an und schneidet sie in Stücke. Diese werden dann im Wechsel mit Erdbeeren und Stücken einer vollreifen Ananas aufgespießt.
Genauso kann man die klassischen Tomaten-Mozzarella-Spieße abwandeln, indem man die kleinen Cocktailtomaten durch Erdbeeren ersetzt. „Sie haben dieselbe Süße, Säure und Frische“, sagt der Experte. „Zu Erdbeeren passt auch sehr gut Basilikum.“
Eine Pizza mit Erdbeerbelag? Das funktioniert, allerdings nur in frischer Form, so wie man am Ende Rucolasalat auf den italienischen Klassiker gibt. Mit Rucola kombiniert schmeckt die Erdbeere übrigens sehr gut.
Am besten eine Pizza Margherita im Nachhinein mit Rucola und Erdbeeren belegen. Dazu kommen etwas Basilikum und Thymian. „Thymian ist ein guter Begleiter für die Erdbeere“, sagt Simon Schumacher. „Er gehört zur gleichen Familie wie die Minze, die auch gut zur Erdbeere passt, und bringt eine herbe Note, aber auch Wärme ins Gericht.“
Für eine Erdbeer-Salsa schneidet Roswitha Schemm für vier Personen 250 g frische Erdbeeren in kleine Würfel. Dazu kommen eine fein geschnittene kleine rote Chilischote und eine kleine rote Zwiebel (oder 1–2 Schalotten). Alles mit 1-2 EL frischen Kräutern (Minze, Basilikum oder Koriander) vermengen.
Würzen mit dem Saft und etwas Abrieb von einer Limette, 1 EL Honig oder Zucker, Salz und Pfeffer. Außerdem mit 1-2 EL Olivenöl abrunden. Das Ganze etwa eine Viertelstunde ziehen lassen und dann servieren. „Dazu passen verschiedene Brotsorten, weißer Fisch wie Kabeljau, Zander, Forelle oder Garnelen, aber auch gegrilltes Hähnchen und Pute.“
Ihr Rezept „Feuerkuss“ für heiße Sommertage kombiniert Erdbeeren mit Champagner. Dafür 250 g möglichst aromatische Erdbeeren mit dem Mark einer halben Vanilleschote, 1 TL Honig und einer Messespitze Chilipulver pürieren und durch ein Sieb streichen. Abschmecken: Ist das Püree zu scharf, mehr Erdbeeren oder einen Klecks Sahne dazugeben.
Das Erdbeermark kommt für mindestens 20 min in den Tiefkühler. Anschließend je 2-3 EL in eine Champagnerschale geben und mit Champagner auffüllen. „Ein Rosé-Champagner unterstreicht die Farbe der Erdbeeren perfekt“, rät die Expertin. Wichtig: Püree und Champagner müssen eiskalt sein, damit die Kohlensäure nicht sofort verpufft.
Deko-Tipp: Eine Erdbeere noch mit Kelch leicht einschneiden und auf den Glasrand setzen. Ein Blättchen Zitronenmelisse rundet das Ganze ab.
Auch wenn Erdbeeren selbst schon eine Süße mitbringen: da geht noch mehr! Simon Schumachers Tipp für Kindergeburtstage sind etwa Schokoschaumküsse, bei denen man oben mit einem scharfen Messer einen kleinen Deckel abschneidet. „Ein bisschen von der Schaummasse auslöffeln und mit kleinen Erdbeerstückchen auffüllen“, sagt er.
Um Erdbeeren zu karamellisieren, brauchen Sie große, feste und trockene Früchte, die Sie halbieren. In einer Pfanne 1-2 EL Butter und 2 EL Zucker schmelzen, bis die Mischung leicht schäumt. Dann die Erdbeeren mit der Schnittfläche nach unten in die Pfanne geben.
„Einige Tropfen Zitronensaft helfen, dass das Karamell nicht bitter wird, und eine Prise Salz verstärkt das Aroma“, rät Roswitha Schemm. Die Erdbeeren nur etwa 1-2 min anrösten, damit sie nicht zerfallen. Sie sollten glänzen und von Karamell überzogen sein. Dann herausnehmen und etwas abkühlen lassen.
Tipp der Expertin: Richten Sie damit ein Amuse-Gueule (französisch für „Gaumenfreude“) an, einen kleinen Appetithappen vor dem Essen. Dafür gewürfelte Avocado und fein gewürfelten Räucherlachs mit Zitrone, Salz, Pfeffer und Dill mischen. Die karamellisierte Erdbeere obendrauf legen und mit einem kleinen Zweig Dill dekorieren.
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