Einen Einblick in die spannende Geschichte der Stadt Neustadt konnten rund 25 Interessierte einmal aus einem ganz anderen Blickwinkel erleben. Sie gingen mit der Dienstmagd Barbara auf Tour und erfuhren neben Geschichtlichem jede Menge Klatsch und Tratsch aus vergangenen Zeiten.
In denen ging es oft alles andere als hochherrschaftlich her. Dies wurde schnell deutlich, als die Mitte des 18. Jahrhunderts lebende Barbara so richtig vom Leder zog. In deren Rolle schlüpfte erstmals Claudia Hirschlach, eine der Gästeführerin des Geschichts- und Heimatvereins.
Die Teilnehmenden begaben sich nur allzu gern mit der kein Blatt vor den Mund nehmenden Hausangestellten auf eine Tour der anderen Art. Was einen so recht erwartet, wusste niemand, bis Barbara die Führung, ihrer Rolle entsprechend, mit braunem Gewand und weißer Haube bekleidet, übernahm.
War es erst eine Handvoll Zeitreisender, die sich im Schlosshof einfand, so wuchs deren Zahl rasch auf zwei Dutzend an. Auch ein Vierbeiner war mit dabei, eigentlich kein Wunder, lebten doch auch in früheren Zeiten etliche Hunde in den nun historischen Gemäuern.
Den Frauen und Männern in der Runde machte die forsche Barbara schnell klar, dass sie in Mundart Informationen liefert, und zwar so wie ihr der Schnabel gewachsen ist. So einiges erzählte sie über das Neue Schloss, eines der ersten Renaissanceschlösser in Franken, 1575 wurde dessen Bau begonnen und gegen 1626 von Markgraf Christian vollendet.
Von den anderen Angestellten erfuhr sie, dass das Gebäude etwas hergeben, repräsentativ, edel und chic sein sollte. Die Kammern für die Diener, auch die ihre, waren im Obergeschoss. In der Küche helfen, organisieren, Botengänge machen, das waren ihre Aufgaben. „Es gibt immer viel zu tun und zu richten”, erfahren die Teilnehmenden. Und dann geht es mit einigen Anmerkungen über den Markgrafen Friedrich Christian, ihren Chef, weiter.
„Er war ungalant, impulsiv und ungezügelt und das schwarze Schaf in der Familie. Außer Eskapaden hat er nichts geleistet”, lautete das vernichtende Urteil der Magd, die noch ein bisschen aus dem Nähkästchen plauderte. Die Gattin ihres Arbeitgebers begann ein Techtelmechtel mit einem der Burschen, das aber dummerweise aufflog und kein gutes Ende nahm.
Danach gab es einen Zeitsprung vom Neuen zum Alten Schloss und zu Markgraf Albrecht Archilles und seiner Frau Anna von Sachsen, die ihren Witwensitz in Neustadt nach dem Tod ihres Gatten bezog. Hier hatte sie einen ansehnlichen Hofstaat. Darüber konnte Barbara natürlich nur vom Hörensagen berichten, immerhin war das weit vor ihrer Zeit.
Anna und ihr Mann Albrecht hätten sich gut verstanden. Er hätte sie respektiert, sie sich aber auch behauptet, was nicht gerade selbstverständlich zu einer Zeit gewesen sei, in der Frauen aus hohen Kreisen oft wie „Ware” gehandelt wurden, um ihren Familien mehr Reichtum und Ansehen zu verschaffen.
Interessantes wusste Anna dann beim Abstecher zur Stadtkirche zu erzählen. Dauerten die Predigten zu lang, ließen sich die reichen Damen von ihren Zofen ein „Potschamperl” bringen, abgeleitet vom französischen Ausdruck pot de chambre für Nachttopf, um sich zu erleichtern. Ein solches Teil glich einer Sauciere. Die Magd war heilfroh, dass sie so etwas ihrer Herrin nicht bringen musste. Ein Ansichtsexemplar hatte sie aber dabei.
Nach Altem und Neuem Schloss, Kirche, einem Abstecher zum Peter-Kolb-Platz, interessanten Einblicken in die Spitalstiftung und die Geschichte der dortigen Gebäude, ging es zur Stadtmauer, die in weiten Teilen erhalten, aber nicht mehr überall auf den ersten Blick erkennbar ist. Natürlich fehlte beim Rundgang auch die Geißbocksage mit dem heimlichen Wappentier der Neustädter nicht. Nicht mehr ganz rechtzeitig schaffte es die Gruppe zum Marktplatz, um zu erleben, wie er dort auf dem Rathaus laut meckernd seine Runden dreht. Was soll´s, dafür gab es weiter neben historischen Fakten allerlei Anekdoten.
Mit einigen Informationen zum Rathaus, das zwar den 2. Weltkrieg überlebt hatte, aber in dem 1947 ein Brand ausbrach, ging es weiter. Mit einigen Neuerungen und Umgestaltungen wurde der Bau wieder hergerichtet. So einiges gab es ferner noch über die anderen Häuser am Marktplatz zu erzählen, vor allem über Gasthäuser, in denen hoher und vornehmer Besuch logierte. Lange ist das her. Viel Beifall war Gästeführerin Claudia Hirschlach am Ende der Tour sicher, eine gelungene Premiere für die 65-Jährige, die sich, wie sollte es auch anders sein, sehr für Geschichte interessiert.
Wer mit der Magd Barbara oder mit Freifrau Katharina (diese natürlich edel gewandet) eine Tour machen möchte, kann sie wie die anderen Gästeführungen in den Museen im Alten Schloss unter der Telefonnummer 09161/6620905 oder unter info@museen-im-alten-schloss.de entgegengenommen. Einige offene Kostümführungen (ohne Anmeldung) möchte Claudia Hirschlach gern im kommenden Jahr anbieten, bis dahin können Gruppen ab vier Personen eine Tour mit Barbara oder Katharina buchen.