Es gibt Möbel, die halten ein Leben lang und manche sogar lang darüber hinaus. Uromas Sessel beispielsweise, oder die herrliche Massivholzkommode von Großtante Berta. Die meisten Gebrauchsmöbel allerdings haben eine deutlich geringere Halbwertszeit und nach 50 Jahren muss nun auch das Mobiliar der Markgrafenhalle ausgewechselt werden.
Einen entsprechenden Antrag der CSU-Fraktion debattierte am Mittwochabend der Neustädter Stadtrat. Auslöser für das Ansinnen, so erläuterte es Fraktionssprecher Christian Köstner, sei die zurückliegende Großveranstaltung der Sparkasse in der Markgrafenhalle gewesen, bei welcher der Verschleiß der Stühle schon sehr augenscheinlich geworden sei. Und angesichts der so schön sanierten Halle, die nun auch optisch wieder etwas hermache, sei der Kontrast zum abgelebten Mobiliar doch kaum noch zumutbar
Dies bestätigte auch Robert Kemeter. Der Hausmeister der MGH schilderte, nachdem ihm der Bürgermeister das Rederecht eingeräumt und Stadtrat Dennis Münch (fraktionslos) nach dem „Schadensbild” gefragt hatte, einen teilweise besorgniserregenden Zustand von Tischen und vor allem von den weit häufiger benutzten Stühlen. Bei diesen seien reihenweise Metallverstrebungen angeknackst oder gebrochen und die Sitzpolster ausgefranst. „Zu 98 Prozent sind die Dinger kaputt”, so Kemeter.
Folgerichtig herrschte schnell Einigkeit darüber, dass die Anschaffung neuen Mobiliars durchaus wünschenswert wäre – schon allein aus repräsentativen Gründen. Allerdings war sich das Gremium auch darüber im Klaren, dass die Haushaltslage der Stadt extrem angespannt ist, so dass die CSU bereits bei der Begründung des Antrags Kompromissbereitschaft signalisierte: Eventuell könne man die Tische ja noch heuer anschaffen – rund 200 Stück sind davon bisher vorhanden – und die Stühle (bisher 1100) dann im kommenden Jahr.
Zur finanziellen Vorsicht mahnte auch Bürgermeister Klaus Meier: Ein erster Kostenvoranschlag für den 1:1-Ersatz von Tischen und Stühlen sowie der dafür notwendigen Transportwagen belaufe sich auf 244.000 Euro. „Das ist schon eine Hausnummer”, so Meier.
Prompt ging es bei den folgenden Wortmeldungen bereits um die Suche nach Kompromissen. So sprach beispielsweise Jürgen Brenner (SPD) davon, dass die Stühle nach 50 Jahren „sicherlich verbraucht” seien, doch „wozu benötigen wir eigentlich Tische, wenn dort vielleicht einmal pro Jahr gegessen wird?”. Brenners Fraktionskollegen Manfred Dietlein und Thorsten Lehrer sahen es ähnlich, wobei Letzterer sich sogar vorstellen könnte, „vielleicht zunächst mal nur die Hälfte der Stühle auszutauschen und den Rest zu verschieben”. Das war auch für den Bürgermeister nachvollziehbar: „Ich glaube, die Leute hätten Verständnis, wenn wir das ganz klar mit der Haushaltslage begründen.”
Wenig begeistert von der potenziellen Investition zeigte sich David Muck (Grüne). Es sei „schon die Frage, wie viele Veranstaltungshallen wir uns in Neustadt leisten können und sollen”, erklärte er mit Verweis auf die NeuStadtHalle am Schloss. Bei einer zweiten Halle, die abgesehen vom Sport vielleicht noch für drei Veranstaltungen pro Jahr genutzt werde, eine Viertelmillion ins Mobiliar zu investieren, sei aus seiner Sicht „schon unfassbar teuer”.
Letztlich folgte das Gremium gleich mehreren Kompromissformeln. Nachdem auch Reinhard Wendel (FWG) darum gebeten hatte, die Anschaffung doch erst mit den Haushaltsberatungen zu entscheiden und man sich grundsätzlich darauf geeinigt hatte, dass Tische wohl nicht unbedingt sofort gebraucht würden, sah der abgeänderte und mehrheitlich gebilligte Entschluss folgendermaßen aus: Man stellt einen Betrag von rund 150.000 Euro in den Haushalt ein und wenn der Etat diese Summe tatsächlich noch hergibt, schafft man dafür zumindest neue Stühle an. Der Kauf neuer Tische allerdings wird auf unbestimmte Zeit verschoben.
Nicht verschoben sondern bereits begonnen wurde zwischenzeitlich mit den Arbeiten für die Fassade der Markgrafenhalle. Wie Frank Maes, beim Bauamt zuständig für die MGH-Sanierung, gegenüber der Redaktion erklärte, habe das Abhängen der bisherigen Fassadenelemente am 12. Januar begonnen und laufe planmäßig. Die Hoffnung, dass die neue Fassade demnach noch in diesem Frühjahr fertig wird, sei somit durchaus berechtigt.
Übrigens: Auf Anfrage von Dennis Münch (fraktionslos) bestätigte Bauamtsleiter Gerald Schorr, dass man auch an den neuen Fassadenelementen den Namenszug „Markgrafenhalle” platzieren könnte. Münchs Idee, via Folien vielleicht auch die Sportpiktogramme, die bisher die Außenhülle der Halle zierten, wieder anzubringen, bescheinigte Bürgermeister Klaus Meier einen „gewissen Retro-Charme”. Darüber könne man „sicherlich nachdenken”.