Mit der Dezemberausgabe des Amtsblattes erreichte alle Haushalte in der Gemeinde Dietenhofen die Nachricht: Bürgermeister Rainer Erdel will nach zwei Amtszeiten bei der nächsten Kommunalwahl 2026 nicht mehr antreten.
Dann sei er schließlich fast 71 Jahre alt und wolle dem Rechtfertigungsdruck entgehen, ob und warum er sich eine so anspruchsvolle Aufgabe in dem Alter noch zutraue, erläuterte der aktuell 69-Jährige dem Marktgemeinderat. „Ich möchte nicht wie gewisse US-Präsidenten zu lange an meinem Amt kleben. Es gibt jüngere Menschen, die ohne Weiteres in der Lage dazu sind, mit allen vor uns liegenden Entwicklungen gut umzugehen.“
Nachdem die Staatsregierung im vergangenen Jahr die Altersbeschränkung von 67 Jahren für die Kandidatur zum Bürgermeister, Oberbürgermeister oder Landrat aufgehoben hatte, sei er bereits häufig gefragt worden, ob er erneut zur Verfügung stehe. Auch deshalb habe er den Weg über das Amtsblatt gewählt: „Die Bevölkerung hat Anspruch darauf, meine weiteren Pläne zu erfahren, und so wurden alle gleichzeitig informiert.“
Auch seine Familienangehörigen und die Verwaltungsmitarbeiter hätten vorher nichts gewusst. „Jetzt haben alle Parteien und Gruppierungen bis zur Wahl im März 2026 ausreichend Zeit, sich darauf einzustellen und Listen aufzustellen, ohne auf mich Rücksicht nehmen zu müssen.“
Er sei jedoch bei guter Gesundheit, keineswegs amtsmüde und beabsichtige, seine Aufgaben bis zum letzten Tag mit Freude und Engagement zu erfüllen. „Es vergeht kein Tag, an dem man in diesem Amt nicht etwas Neues erlebt. Der Reiz liegt in der Vielseitigkeit und der ständigen Begegnung mit den Menschen in der Gemeinde.“
Der Marktgemeinderat werde es also noch 16 Monate mit ihm aushalten müssen, sagte Rainer Erdel augenzwinkernd. „Aber ich denke, dass wir uns mittlerweile ganz gut aneinander gewöhnt haben.“ Dem Gremium dankte der Bürgermeister in der letzten Sitzung dieses Jahres für die gute und konstruktive Zusammenarbeit sowie für viele engagierte Diskussionen.
2026 werde er dann komplett in den politischen Ruhestand gehen und nach dann 42 Jahren auch für den Gemeinderat nicht mehr kandidieren. Erdel ist Mitglied der FDP und gehörte für diese von 2009 bis 2013 dem Deutschen Bundestag an. In Dietenhofen trat der Landwirtschaftsmeister aus Lentersdorf auf der Liste der Wählergruppe der Ortsteile (WGO) an.
Bei den Kommunalwahlen 2014 hatte sich Erdel in der Stichwahl um das Amt des Bürgermeisters von Dietenhofen mit 62,9 Prozent der Stimmen gegen Rainer Pfeiffer (Parteilose Wählergemeinschaft/PWG) durchgesetzt. Bei den Kommunalwahlen 2020 wurde er mit einem Stimmenanteil von 87,99 Prozent in seinem Amt bestätigt. Einen Gegenkandidaten gab es nicht.
Fragt man ihn nach den Herausforderungen, die in der verbleibenden Amtszeit voraussichtlich noch anstehen, nennt er gleich eine Reihe von Themen: die Planung für den Neubau der Grundschule, die Aufstellung genehmigungsfähiger Haushalte und den Umgang mit den nicht mehr so wie früher sprudelnden Steuereinnahmen. „Und dann kommen sicherlich weitere Entwicklungen, mit denen jetzt niemand rechnet.“ Gemeinsam mit der Verwaltung und dem Gemeinderat werde man wahrscheinlich hier und da Prioritäten setzen müssen.