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Veröffentlicht am 04.03.2025 15:50

Nach der Nicht-Entscheidung zu ANregiomed: „Weiter so” ist keine Option

Die Sorge der Menschen ist groß, dass in den Krankenhäusern in Dinkelsbühl (unser Bild) und Rothenburg bald die Lichter ausgehen. Die ANregiomed-Spitze ist überzeugt, dass es dazu nicht kommt. (Foto: Manfred Blendinger)
Die Sorge der Menschen ist groß, dass in den Krankenhäusern in Dinkelsbühl (unser Bild) und Rothenburg bald die Lichter ausgehen. Die ANregiomed-Spitze ist überzeugt, dass es dazu nicht kommt. (Foto: Manfred Blendinger)
Die Sorge der Menschen ist groß, dass in den Krankenhäusern in Dinkelsbühl (unser Bild) und Rothenburg bald die Lichter ausgehen. Die ANregiomed-Spitze ist überzeugt, dass es dazu nicht kommt. (Foto: Manfred Blendinger)

Ein schlichtes „Weiter so“ bei ANregiomed ist nach Ansicht von Verwaltungsratsvorsitzendem Dr. Jürgen Ludwig und seinem Stellvertreter Thomas Deffner keine Option. An grundsätzlichen Strukturveränderungen wird nach ihrer Einschätzung kein Weg vorbeiführen.

Im Gespräch mit der FLZ bekräftigten Landrat Ludwig und OB Deffner, dass die äußeren Rahmenbedingungen ANregiomed keine andere Wahl ließen. Das Geld, so wie es Kritiker gern unterstellen, stehe dabei nicht an erster Stelle.

Es geht um die Spezialisierung, die Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach ins Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz aufgenommen hat und die nur an größeren Häusern möglich ist. Es geht um die Ambulantisierung, die in der Medizin immer wichtiger wird. Es geht ums Personal, das nicht mehr im ausreichenden Maß vorhanden ist. Es geht ums Geld, weil ANregiomed jährlich Millionenverluste einfährt.

Landrat Dr. Jürgen Ludwig wird seit Wochen angegriffen. (Foto: Robert Maurer)
Landrat Dr. Jürgen Ludwig wird seit Wochen angegriffen. (Foto: Robert Maurer)

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Abstimmung war lange vorbereitet

Aus all diesen Gründen sei es wichtig, „Lösungen zu finden, die zehn oder 20 Jahre tragen“, findet OB Deffner. „Wir müssen uns auf das konzentrieren, was wir langfristig leisten können.“ Alles wie bisher wird auf Dauer nicht gehen. Landrat Ludwig packt das in ein Bild: „Man kann das gut mit einer zu kleinen Bettdecke vergleichen. Zieht man sie auf die eine Seite, wird es da zwar warm, doch dafür wird es an anderer Stelle kalt.“ Nur kleiner passt man komplett unter die Decke.

Der 19. Februar sollte der Tag der Entscheidung werden. 15 Monate hatte sich der Verwaltungsrat Zeit genommen, Gutachter eingeschaltet, sich in Workshops ausgetauscht und versucht einen Plan zu entwerfen, wie es für ANregiomed mit den drei Klinik-Standorten Ansbach, Dinkelsbühl und Rothenburg weitergehen kann. Die Gutachter hatten sechs Szenarien skizziert.

Szenario 5 galt als Favorit. Neben kleineren Abstrichen in Ansbach geht es im Kern darum, Dinkelsbühl und Rothenburg zu intersektoralen Versorgungszentren oder auch sektorübergreifenden Versorgern (SÜV) herabzustufen. Neben einer Abteilung für Innere Medizin soll jeweils eine Geriatrie aufgebaut werden.

Wie es für die Kliniken in Dinkelsbühl und Rothenburg weiter geht, ist auch am Tag nach dem großen Treffen fraglich. Zu einer Einigung ist der Verwaltungsrat von ANregiomed nicht gekommen.  (Archivbild: Robert Maurer)
Wie es für die Kliniken in Dinkelsbühl und Rothenburg weiter geht, ist auch am Tag nach dem großen Treffen fraglich. Zu einer Einigung ist der Verwaltungsrat von ANregiomed nicht gekommen.  (Archivbild: Robert Maurer)

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Eine Sammlung von Konjunktiven

Weitere Angebote sind denkbar, doch noch ist nichts festgelegt. Das geht aktuell auch nicht. Denn, was so ein SÜV überhaupt darf, hat der Gesetzgeber noch nicht definiert. Insofern ist der Beschlussvorschlag, mit dem Landrat Ludwig und OB Deffner in die Februar-Sitzung des Verwaltungsrates gegangen sind, eine Sammlung von Konjunktiven. Sollte, müsste, könnte.

Es wird auch weiterhin Betten in den SÜV geben, versichert Ludwig. Die Gutachter gehen davon aus, dass im Jahr 2029 in Ansbach 283, in Dinkelsbühl 43 und in Rothenburg 60 Betten benötigt werden.

Ludwig ist es bei allen Unsicherheitsfaktoren wichtig zu betonen: „Das sind weiterhin beides Plan-Krankenhäuser im Krankenhausplan des Freistaates Bayern.“ Die Angst vor einem Aus der Krankenhäuser ist bei den Menschen im westlichen Landkreis groß. Landrat Ludwig betont: „Es geht nicht um die Schließung eines Hauses.“ Ein SÜV sei dem bisherigen Grund- und Regelversorger, wie er in Dinkelsbühl und Rothenburg vorliegt, ähnlich.

Nur wenige Notfälle fallen raus

Anders als im ursprünglichen Vorschlag der Gutachter hatten Ludwig und Deffner zusammen mit Klinikvorstand Dr. Gerhard Sontheimer darauf gedrängt, die Notambulanz aufzubohren. Statt von 8 bis 20 Uhr sollte diese in Dinkelsbühl und Rothenburg 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche am Start sein. Allerdings nur mit einer ambulanten Chirurgie von 8 bis 21 Uhr. Ludwig: „Der Rettungsdienst kann da hinfahren. Und auch der Selbsteinweiser kann da hin.“

Die Integrierte Leitstelle würde Rettungswagen auch in Zukunft dort hinschicken, betont der Landrat und stemmt sich damit gegen andere Behauptungen. Dr. Hermann Schröter, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst für den Bereich Ansbach, bestätigt das. „Ja, auch sektorübergreifende Versorger werden vom Rettungsdienst angefahren!“ Entscheidend sei, dass das Haus zum Krankheitsbild passt und aufnahmefähig ist.

Gerade mögliche Lücken in der Notfallversorgung sind es, die vielen Angst macht. Zahlen, die ANregiomed auf FLZ-Anfrage ermittelt hat, belegen, dass die allermeisten Fälle auch in den abgespeckten Häusern behandelt werden können. Im vergangenen Jahr sind in die beiden Notaufnahmen jeweils knapp 14.000 Menschen zur Behandlung gekommen. Wäre das Angebot schon reduziert worden, hätten in Dinkelsbühl 373 von ihnen nicht behandelt werden können, in Rothenburg 479. Das sind 7,9 und 8,5 Prozent.

Gutachter, Rettungsdienst und Gesundheitsministerium hätten signalisiert, dass der Beschlussvorschlag aus ihrer Sicht eine sinnvolle und tragfähige Lösung wäre. „Auf diese externe Expertise müssen wir uns auch ein Stück weit verlassen“, betont Ludwig.

Die ANregiomed-Klinik Rothenburg steht vor einer unsicheren Zukunft. Nicht nur der Förderverein Mediroth befürchtet eine Verschlechterung der Gesundheitsversorgung für die Menschen in der Region. (Foto: Jürgen Binder)
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Die spürbare Verbesserung des Jahresergebnisses in 2024 „hat uns natürlich gefreut“, unterstreicht OB Deffner. „Ein Gamechanger“, der die Karten komplett neu verteilt, sei das aber nicht.

Mindestens neun Vertreter müssten für Beschluss stimmen

Schon vor Bekanntwerden der finanziellen Verbesserungen hatten die Gutachter das erwartete Defizit für das Szenario 5 kürzlich von rund 21 auf 18,5 Millionen Euro reduziert, erklärt Ludwig. Sollte sich die Verbesserung von 2024 manifestieren, könnte das den in den Szenarien prognostizierten Verlust jeweils um drei bis vier Millionen Euro jährlich reduzieren, lautet die aktuelle Einschätzung der Gutachter.

In der Sitzung am 19. Februar hat sich abgezeichnet, dass es für die Umstrukturierung nicht die erforderliche Dreiviertelmehrheit geben würde. In dem Zwölfer-Gremium müssten mindestens neun Vertreter für den Beschluss stimmen. Christoph Hammer (CSU, Dinkelsbühl), Gabriele Müllender (Grüne, Rothenburg), Oliver Rühl (Grüne, Ansbach), Uwe Reißmann (SPD, Windsbach) und Gerhard Siegler (Freie Wähler, Weidenbach) haben gegenüber der FLZ bestätigt, dass sie Nein gesagt hätten.

Angesichts von drohenden fünf Gegenstimmen ging der Verwaltungsrat nach über neunstündigen Verhandlungen ohne Abstimmung auseinander. Es gelte nun, die „Erkenntnisse aus der Diskussion“ einzubinden und darauf aufzubauen, so Ludwig. „An manchen Punkten sind wir gar nicht so weit auseinander.“

Ob eine Annäherung schon in der nächsten regulären Sitzung am 4. April gelingen kann? Ludwig gibt sich zurückhaltend. „Ich werde kein Datum nennen, bis zu dem wir ein Ergebnis haben wollen.“

Keine zeitliche Prognose

Bis Ende Mai wollte ANregiomed eigentlich beantragen, welche Leistungsgruppen man künftig anbieten will. Tut man das, hat das Gesundheitsministerium in München angekündigt, bis Herbst eine vorläufige Einschätzung zu geben, ob das klappen kann. Den eigentlichen Antrag müssen die Krankenhäuser Ende August stellen. Die Entscheidung wird im Herbst 2026 fallen. Ab Januar 2027 gilt das neue Abrechnungssystem nach Leistungsgruppen.

Erstmal alles zu beantragen und dann später zu überlegen, was man überhaupt leisten kann, hält OB Deffner für keine gute Option. „Die Gutachter haben uns immer wieder gesagt, dass wir ein Konzept brauchen.“ Eine konkrete Krankenhausplanung der Landesregierung würde es leichter machen, betonen Ludwig und Deffner. Doch die lässt weiter auf sich warten.

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