Gastwirt, zweiter Bürgermeister und Gemeinderat sowie Busfahrer bei Diakoneo: An Aufgaben mangelt es Andreas Steinbauer nicht. Doch mit dem Bau einer eigenen Brauerei in Neuendettelsau wagt er jetzt ein neues Abenteuer – und erfüllt sich damit seinen persönlichen Lebenstraum.
Wer derzeit an der Baustelle an der Ecke Heilsbronner Straße/Am Kohlschlag, nicht weit von Steinbauers Gastwirtschaft entfernt, vorbeikommt, wird wohl davon ausgehen, dass hier ein kleines Wohnhaus in Massivbauweise entsteht. Weit gefehlt. In dem bereits fertigen Rohbau will, sofern alles nach Plan läuft, Andreas Steinbauer im September oder Oktober diesen Jahres seine eigene Brauerei eröffnen.
Im Erdgeschoss sind die Brauanlage, ein Gastraum sowie ein Ausschankbereich vorgesehen, wie Steinbauer im Gespräch mit der FLZ erzählt. Im ersten Stock wird ein Seminarraum eingerichtet. Hinzu kommen ein kleiner Biergarten zur Heilsbronner Straße hin und im hinteren Bereich ein Lager sowie Getränkeverkauf – mit einem Fokus auf Bierspezialiäten. In das Projekt, das in Kooperation mit Högner Bau entsteht, investiert Steinbauer eine Summe im unteren sechsstelligen Bereich.
Dass Steinbauer im Alter von 58 Jahren eine Brauerei baut, kommt nicht von ungefähr. „Mein Leben ist, seitdem ich 15 Jahre bin, immer schon vom Bier geprägt gewesen“, blickt er zurück. „Nicht so sehr, dass ich viel getrunken habe, sondern ich interessiere mich einfach dafür.“
Dazu muss man wissen, dass Andreas Steinbauer gelernter Braumeister ist. Ausgebildet wurde er zum Beispiel in der Stadtbrauerei in Roth. In der Folge durchlief er verschiedene weitere Brauereien, sammelte zahlreiche Erfahrungen. Doch auch ihn erwischte das Brauerei-Sterben, weshalb er vor etwa 14 Jahren als Busfahrer bei der Diakonie angefangen hat.
Aber das Thema Bier hat den 58-Jährigen nie losgelassen. Das belegen auch die kleine Gastwirtschaft, die er seit 2005 mit seiner Frau Daniela betreibt, und die vier Biersorten, die er nach seinem eigenen Rezept brauen lässt. Doch im Hinterkopf war immer dieser eine Traum – der von einer eigenen Brauerei.
Vor etwa zweieinhalb Jahren bot sich schließlich die Möglichkeit, diesen Traum wirklich zu realisieren. „Meine Frau hat gesagt, ich spinne total“, sagt Steinbauer und lacht. „Aber sie zieht immer komplett mit, egal welche Flause ich im Kopf habe.“ Die Grundstücksverhandlungen und die Planungen zogen sich, sodass erst im Frühjahr 2025 mit dem Bau begonnen werden konnte.
Die Gerätschaften, die man für so eine Brauerei braucht, sind zu etwa 80 Prozent bereits bestellt. Welche Biere er künftig sieden wird, lässt Steinbauer noch offen. „Da können wir ein bisschen spielen.“ Klar sind aber zwei Dinge: Zum einen stellt er in der Brauerei das Bier her, das er für seine Gastwirtschaft benötigt. Zum anderen wird es kein Flaschenbier geben. „Die meisten Energiekosten entstehen durch das Reinigen und Abfüllen von Flaschen.“
Andreas Steinbauer geht davon aus, dass er pro Jahr maximal 250 Hektoliter Bier brauen kann in seiner Sudstätte. Weshalb sie nach seinen Worten die wahrscheinlich kleinste Brauerei in Franken sein wird.
Die Produktion des Gerstensaftes steht ihm zufolge aber nicht alleine im Mittelpunkt. Er will auch Seminare und Führungen in seinem Neubau anbieten. So will er einen kleinen Beitrag dazu leisten, dass die fränkische Braukultur nicht irgendwann ausstirbt.