Margarita Kerschbaum hört als Bürgermeisterin in Steinsfeld auf und zieht Bilanz | FLZ.de

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Veröffentlicht am 19.01.2026 18:30

Margarita Kerschbaum hört als Bürgermeisterin in Steinsfeld auf und zieht Bilanz

Margarita Kerschbaum war sechs Jahre lang Bürgermeisterin von Steinsfeld. Jetzt kandidiert sie nicht mehr.  (Foto: Simone Hedler)
Margarita Kerschbaum war sechs Jahre lang Bürgermeisterin von Steinsfeld. Jetzt kandidiert sie nicht mehr. (Foto: Simone Hedler)
Margarita Kerschbaum war sechs Jahre lang Bürgermeisterin von Steinsfeld. Jetzt kandidiert sie nicht mehr. (Foto: Simone Hedler)

Ihre Entscheidung kam überraschend. Ursprünglich hatte Margarita Kerschbaum angekündigt, bei der Kommunalwahl 2026 erneut als Bürgermeisterkandidatin für Steinsfeld antreten zu wollen. Am Tag der Nominierungsversammlung allerdings erklärte sie, nicht mehr zu kandidieren.

„Die Entscheidung ist nicht spontan gefallen, sondern das Ergebnis vieler Momente des Abwägens”, sagt Kerschbaum im Gespräch mit unserer Redaktion. Ein Abwägen zwischen der Verantwortung als Gemeindechefin und der persönlichen Belastung, zwischen dem Beruf und dem Bürgermeisterposten, der in Steinsfeld eine ehrenamtliche Position ist.

Und zwar eine sehr zeitaufwändige. 40 Stunden seien in manchen Wochen keine Seltenheit. „Das muss man sich gut überlegen und auch die Familie muss einverstanden sein”, sagt Kerschbaum. Denn es bedeute, sich Zeit freizuschaufeln und Freizeit zu opfern, oft spät abends und am Wochenende.

Gute Entscheidungen brauchen Offenheit

„Ein besonders gutes gegenseitiges Vertrauensverhältnis zwischen den Mitgliedern des Gemeinderates und der Bürgermeisterin oder dem Bürgermeister ist da unerlässlich”, davon ist Kerschbaum überzeugt. Und: „Für gute Entscheidungen braucht es Offenheit, konstruktiven Austausch, Respekt voreinander und das gemeinsame Ziel vor Augen.” Sie ist überzeugt: „Zusammenhalt ist kein Luxus, sondern notwendig”, gerade in kleinen Gemeinden wie Steinsfeld.

Die Entscheidung einiger Gemeinderatsmitglieder, eine zweite Liste für das Votum zum Gemeinderat zu initiieren, habe sie überrascht – bislang gab es eine Einheitsliste mit Vertreterinnen und Vertretern aller Ortsteile. Die neue Gruppierung hatte nach eigenen Aussagen nie die Absicht, eine Bürgermeisterkandidatin oder einen -kandidaten zu stellen.

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Nun ist nicht nur die reguläre Frist für die Einreichung eines Vorschlags zur Bürgermeisterwahl verstrichen, sondern seit dem Donnerstag vergangener Woche auch die Fristverlängerung. Nach dem derzeitigen Stand findet nun in Steinsfeld zwar am 8. März die Bürgermeisterwahl statt – allerdings mit einem Blanko-Stimmzettel, auf den der Name einer für geeignet gehaltenen Person geschrieben werden kann. Möglicherweise findet sich so ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin für Kerschbaum. Wenn nicht, muss erneut gewählt werden.

Wer wird ab Mai 2026 im Rathaus sitzen?

Es ist also derzeit völlig offen, wer ab Mai 2026, wenn die neue Legislaturperiode startet, im Steinsfelder Rathaus sitzen und die Projekte, die Margarita Kerschbaum angestoßen hat, weiterführen wird. Vieles hat sich in den sechs Jahren ihrer Amtszeit getan – hauptsächlich Pflichtaufgaben, sagt sie. Denn viele zusätzliche Projekte waren angesichts der klammen Haushaltslage der Gemeinde nicht möglich.

Intensiv sei beispielsweise in den Straßen- und Kanalbau investiert worden, so Kerschbaum. Der Breitbandausbau sei in diesem Zuge vorbereitet worden, die Verlegung von Glasfaser starte noch in diesem Jahr. Die Kläranlagenertüchtigung war ein großes Thema – und kein einfaches. Denn die genehmigten Fördergelder fließen erst mit Verzögerung, entsprechend müssen die Gemeinden – da ist Steinsfeld kein Einzelfall – vorfinanzieren. Den Bürgerinnen und Bürgern zu erklären, dass höhere Kosten auf sie zukommen, führe zu Kritik: „Der muss man als Gemeinderatsmitglied und als Bürgermeisterin standhalten können.”

„Da hat einfach alles geklappt”

Stolz ist Keschbaum auf die Kindergartenerweiterung. Die Anzahl der Plätze sei verdoppelt, das Konzept erneuert worden, man habe außerdem zusätzliche Fördergelder durch die nachhaltige Bauweise erhalten. Mit den Feuerwehren sei ein Bedarfsplan erarbeitet worden – „die Umsetzung werde ich nicht mehr mitbegleiten”.

An ein kleineres Projekt erinnert sie sich noch besonders: der Wildwasserrechen in Bettwar, der in Kooperation mit dem Wasserwirtschaftsamt realisiert wurde. „Da hat einfach alles geklappt, die Zusammenarbeit war richtig gut.” Die Wiederbelebung des Dorfplatzes mit gemeinsamen Festen, an denen sich Vereine, Institutionen und die Bevölkerung beteiligten, freut sie. „So ein Treffpunkt ist wichtig für einen Ort, um miteinander ins Gespräch zu kommen.”

Über Menschen, Prozesse und sich selbst gelernt

Ins Gespräch gekommen ist sie während der vergangenen sechs Jahre mit sehr vielen Leuten. „Man lernt Menschen besser zu verstehen”, sagt sie. „Und man lernt auch Prozesse besser zu verstehen, Geduld mit Projekten zu haben.” Und nicht zuletzt habe sie auch über sich selbst viel gelernt: darüber, wo ihre Stärken liegen, aber auch, wo ihre Grenzen sind. Denn die vergangenen zwölf Jahre – sechs Jahre als Gemeinderätin und sechs Jahre als Bürgermeisterin „haben auch sehr viel Kraft gekostet”.

Dennoch zieht die 46-Jährige ein positives Fazit: „Ich bin zufrieden mit dem, was wir geleistet haben.” Gerne würde sie sich politisch weiter engagieren – im Kreistag zum Beispiel, hier steht sie für die CSU auf der Liste. Aber wenn sie im Mai ihren Schreibtisch im Rathaus geräumt hat, will sie sich erstmal „ausgiebig in die Gartenarbeit stürzen”, sagt sie mit einem Schmunzeln. Beruflich will sie als Diplom-Bauingenieurin wieder hochfahren. Und mehr Zeit für die Familie haben: Auch darauf freut sie sich.

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