Long-Covid-Forschung an Kiliani-Klinik: Was Betroffenen hilft | FLZ.de

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Veröffentlicht am 21.02.2024 07:00

Long-Covid-Forschung an Kiliani-Klinik: Was Betroffenen hilft

Vor etwa einem halben Jahr wurde die Corona-Pandemie für beendet erklärt. Aber noch immer sind Menschen von den gesundheitlichen Langzeitfolgen der Infektion mit dem Virus SARS-CoV-2 beeinträchtigt. (Foto: Jim Albright)
Vor etwa einem halben Jahr wurde die Corona-Pandemie für beendet erklärt. Aber noch immer sind Menschen von den gesundheitlichen Langzeitfolgen der Infektion mit dem Virus SARS-CoV-2 beeinträchtigt. (Foto: Jim Albright)
Vor etwa einem halben Jahr wurde die Corona-Pandemie für beendet erklärt. Aber noch immer sind Menschen von den gesundheitlichen Langzeitfolgen der Infektion mit dem Virus SARS-CoV-2 beeinträchtigt. (Foto: Jim Albright)

Die meisten Menschen, die sich mit dem Coronavirus angesteckt haben, litten nur einige Tage bis wenige Wochen unter Krankheitssymptomen. Ein Forschungsprojekt mit Beteiligung der Kiliani-Klinik in Bad Windsheim hat sich mit Betroffenen von Long Covid beschäftigt. Die Erkenntnisse sind wichtig für Diagnose und Therapie.

Noch immer kämpfen Menschen mit Langzeitfolgen einer schweren Infektion durch das Coronavirus. Die einen können sich nicht mehr konzentrieren, haben Gedächtnisstörungen, Luftnot, andere fühlen sich zutiefst erschöpft, auch Fatigue genannt. Zum Teil kommen viele unterschiedliche Symptome zusammen, die sich auch im Laufe der Zeit verändern können. Zu den Ursachen wird intensiv geforscht, denn Long Covid ist eine vergleichsweise junge Erkrankung, deren Folgen durch die Zahl Betroffener weltweit immer sichtbarer wurden.

Die Ergebnisse des Forschungsprojektes lieferten interessante Ansätze, um Long-Covid-Betroffene dabei zu unterstützen, medizinische und therapeutische Hilfe zu erhalten, wie sie nach Art und Intensität für angemessen gehalten wird.

An der Studie nehmen 120 Menschen aus Bayern teil

120 Freiwillige aus ganz Bayern mit nachgewiesener Covid-19-Erkrankung und noch immer an den Folgen leidend, die nicht durch andere Ursachen erklärbar sind, stellten sich für die Studie zur Verfügung. Der Zeitraum erstreckte sich über mehrere Monate.

Studenten der Uni Bremen, die sich zuvor schon mit psychosomatischen Erkrankungen beschäftigt hatten, deren Ursachen sich nicht oder nicht vollständig körperlich erklären lassen, unterstützten das Forschungsprojekt „Post-Covid-Syndrom“. Finanziell gefördert wurde es vom Freistaat mit einer halben Million Euro. Deshalb war der Personenkreis auf Bayern begrenzt. Gemeldet hatten sich Betroffene aus ganz Deutschland.

Die über einen Online-Fragebogen ausgewählten Probanden wurden in zwei Gruppen eingeteilt. 68 Teilnehmende im Alter zwischen 40 und 60 Jahren, darunter über die Hälfte Frauen, absolvierten einen dreitägigen stationären Aufenthalt in der Kiliani-Klinik zur genauen Diagnostik ihrer Symptome. „Sie wurden durch einen diagnostischen Marathon geschleust“, erläuterte Chefarzt Dr. Cay Cordes (50), ein erfahrener Neurologe und seit sieben Jahren in der rehabilitativen Medizin tätig. Er war der ärztliche Leiter der Studie.

Ein echter Diagnostik-Marathon für die Betroffenen

Aus Gesprächen zwischen Ärzten und Probanden zu Vorerkrankungen, Krankheiten und Beschwerden, körperlichen Untersuchungen, apparativer Diagnostik, Messungen, Tests und einer therapeutische Sitzung ergaben sich wichtige Erkenntnisse, um passende Behandlungsmöglichkeiten zu finden und Betroffene in ihrem Genesungsprozess zu unterstützen.

Die Probanden bekamen einen individuellen Plan an die Hand, der als Grundlage für die weitere medizinisch-therapeutische Versorgung dienen sollte. Empfohlen wurden unter anderem stationäre Rehabilitationsmaßnahmen oder ambulante Physiotherapie. Außerdem gab es Empfehlungen, an digitalen Therapieangeboten mit Bewegungs- und Entspannungsübungen beziehungsweise Konzentrationstraining teilzunehmen, sowie Ernährungstipps. Über den gesamten Projektzeitraum standen die Probanden mit Lotsen per Telefon und Internet im Austausch.

„Manche Probanden machten auf den ersten Blick einen fitten Eindruck“, sagte Cay Cordes, „aber schon bei geringer Anstrengung waren sie völlig erschöpft.“ Diese Belastungsgrenze konnte von Tag zu Tag unterschiedlich sein, was es Betroffenen erschwert, Aktivitäten und soziale Kontakte zu planen.

Studienergebnisse wurden veröffentlicht

Die Teilnehmenden der Interventions- und der Kontrollgruppe, also mit und ohne Diagnosetage in der Kiliani-Klinik, wurden sechs Wochen nach den Maßnahmen nach ihrer Gesundheit befragt. Die Ergebnisse zeigten, dass eine ganzheitliche und interdisziplinäre medizinische sowie therapeutische Unterstützung den Long-Covid-Betroffenen bei der Krankheitsbewältigung im Alltag halfen.

Die Ergebnisse der Studie wurden inzwischen in wissenschaftlichen Fachzeitschriften veröffentlicht, erläutert Dr. Cordes. Von der Uni Würzburg kam die Anfrage für eine Kooperation nach einer Betrachtung über die bessere Verzahnung von klinischer und hausärztlicher Versorgung von Long-Covid-Betroffenen.

In der Kiliani-Klinik (180 Betten) als Teil des in Köln ansässigen Dr. Becker-Familienunternehmens mit ihren acht Rehakliniken wurden im Verlauf der Corona-Pandemie etwa 90 Covid-Patienten nach ihrer Infektion behandelt. Meist solche, die nach Multiorgan- oder Lungenversagen beatmet werden mussten. „Alles sehr schwere oder sogar lebensbedrohliche Fälle“, schilderte der Chefarzt die Situation.

Mit den Mitteln der neurologischen Frührehabilitation nach der Akutphase habe man den Patienten gezielt helfen können. „Wir haben die Erfahrung gemacht und mehr Wissen gesammelt, dass es bei Corona-Langzeitschäden eine bessere Versorgung braucht.“

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