Kritik an Gießerei Heunisch: Emissionen stören Anwohner | FLZ.de

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Veröffentlicht am 21.02.2024 09:00

Kritik an Gießerei Heunisch: Emissionen stören Anwohner

Rund 600 Menschen strömen hier im Dreischichtbetrieb täglich durch die Werkstore. Die Gießerei Heunisch gehört zu den größten Arbeitgebern Bad Windsheims. (Foto: Katrin Merklein)
Rund 600 Menschen strömen hier im Dreischichtbetrieb täglich durch die Werkstore. Die Gießerei Heunisch gehört zu den größten Arbeitgebern Bad Windsheims. (Foto: Katrin Merklein)
Rund 600 Menschen strömen hier im Dreischichtbetrieb täglich durch die Werkstore. Die Gießerei Heunisch gehört zu den größten Arbeitgebern Bad Windsheims. (Foto: Katrin Merklein)

Dort, wo normalerweise der Stadtrat tagt, ging die Firma Heunisch in die Offensive. In einer Pressekonferenz, zu der Bürgermeister Jürgen Heckel auch die Fraktionsvorsitzenden eingeladen hatte, legte das Gießerei-Unternehmen einen aktuellen Umweltbericht vor. Das Fazit: „Wir gehören zur Schwerindustrie, aber wir wollen Frieden mit den Nachbarn.“

Bei besagten Nachbarn handelt es sich augenscheinlich um die Bewohner des Mühlwegs in Külsheim – exakt 230 Meter Luftlinie vom Produktionsbetrieb entfernt. Oder – noch präziser – laut den ebenfalls anwesenden Vertretern des Landratsamtes, handelt es sich wohl vor allem um einen einzelnen Nachbarn. Ja, man habe viele Beschwerden und Anfragen bekommen, ja, man sei allen nachgegangen und ja, man nehme alles ernst – so die Aussage der Sachbearbeiterin. Allerdings, so formulierte es der Chefjurist der Behörde, Alexander Wust, sei es schon schwierig, wenn der zuständigen Abteilung „mit einer großen Vielzahl und in hoher Frequenz“ von „immer wieder der gleichen Person oftmals das ständig Gleiche vorgetragen wird“.

Massive Emissionen treten aus

Ganz so wollte es Silke Städtler nicht stehen lassen. Zwar sei sie als Ortsteilbeauftragte von Külsheim, als Stadträtin und als Anwohnerin in einer „komplizierten Situation“, doch auch wenn es sich beim genannten Beschwerdeführer tatsächlich fast immer um den gleichen handele, seien die Beeinträchtigungen für ihren Teilort durchaus real. So gebe es nun einmal deutlich wahrnehmbare Geruchsbelästigungen – und auch der herangewehte Staub sei sicherlich kein Hirngespinst. „Die Emissionen sind zum Teil schon sehr massiv“, so Städtler, vor allem in den vergangenen drei Wochen sei es phasenweise „geradezu verheerend“ gewesen.

Sie plädiere deshalb nachdrücklich dafür, ein wenig Verständnis für die zuweilen „etwas emotionalen Beschwerden“ zu haben – letztlich werde man allerdings wohl nur schwer auf einen Nenner kommen, bekannte sie. Immerhin: Dass die Firma etliche der im Vorfeld geforderten Schutzmaßnahmen bereits umgesetzt habe oder im Begriff sei, dies zu tun, stimme sie zuversichtlich, so Städtler.

Jürgen Heckel sieht dies ähnlich. Er stehe im intensiven Austausch mit der Firma und den Anwohnern – die Stadtverwaltung habe zuletzt alles getan, was möglich war. Es gehe darum, die Interessen der Stadt als künftiger Gastgeber der Landesgartenschau mit jenen eines ungemein wichtigen Arbeitgebers in Übereinstimmung zu bringen.
Im Klartext: Sollte Heunisch mit seinen 600 Beschäftigten in der Stadt sich genötigt sehen, den Standort aufzugeben, wäre das für Bad Windsheim ein schwerer ökonomischer Schlag. Sollten die Emissionen des Unternehmens jedoch Gesprächsthema bei Thermen- und Gartenschaubesuchern sein, so wäre damit ein Imageschaden verbunden. Heckels Schlussfolgerung: Es gehe nur miteinander und „wir wollen Partner bleiben“.

Grenzwerte bei Messungen deutlich unterschritten

Die beweiskräftigen Fakten steuerte im Laufe der über zweistündigen Zusammenkunft Dietmar Eckl bei. Der Prokurist und technische Leiter des Unternehmens erinnerte im Zuge seiner Präsentation zunächst daran, dass Heunisch schon deutlich vor dem Külsheimer Mühlweg am Standort war. Andernorts, zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen, gebe es gesetzliche Vorgaben, wonach zwischen Wohnbebauung und Schwerindustrie stets 500 Meter Mindestabstand zu liegen haben – auf die Bauleitplanung der Stadt in den 1960er Jahren aber habe die Firma keinen Einfluss gehabt.

Dessen ungeachtet wolle man ein gutes Auskommen mit den Nachbarn und habe seit Jahren entsprechend daran gearbeitet. Die Bausubstanz werde Jahr für Jahr verbessert, um Emissionen zu minimieren. Es seien von September 2022 bis Oktober 2023 – also über 13 Monate lang – Staubmessungen mit insgesamt fünf Messstellen vorgenommen worden. Unter anderem wurde am Mühlweg gemessen, aber auch an der ebenfalls nicht weit entfernten Therme. Das Resultat: Man halte nicht nur überall die Grenzwerte ein, sondern liege in allen Fällen überdeutlich darunter. Das gelte auch für die Belastung durch Eisenanteil im Staub. Dort liege man laut dem akkreditierten Fachbüro sogar noch unter den ohnehin schon sehr niedrigen bayerischen Durchschnittswerten und gar nur bei einem Bruchteil jener Zahlen, die im für seine Schwerindustrie bekannten Nordrhein-Westfalen gemessen werden.

Hohe Investitionen in Nachhaltigkeit

Landrat Helmut Weiß fasste diese Erkenntnisse zusammen. Das Gesetz lasse nun einmal bestimmte Belastungen zu, auch wenn dies für manche nur schwer zu akzeptieren sei. Und Alexander Wust ergänzte: Von einem Schwerindustrieunternehmen seien Emissionen zu erwarten, deren Grenzwert-Einhaltung vom Landratsamt konstant überwacht werde. Doch „diese Grenzwerte können nicht dazu dienen, dass solche Betriebe von der Nachbarschaft nicht mehr wahrgenommen werden, sondern sollen in erster Linie gesundheitliche Schäden ausschließen“.

Seitens der Geschäftsführung machten Dr. Christiane Heunisch-Grotz und Christian Gerhäuser deutlich, dass das Unternehmen gewillt sei, sich „den Herausforderungen unserer Zeit zu stellen“. Konkret, so Heunisch-Grotz, investiere man seit Jahren Millionenbeträge in die Nachhaltigkeit, speise seit 2011 Abwärme in das städtische Netz ein, heize damit unter anderem Schulen und könne – sofern technisch möglich und gewollt – sogar noch mehr zur Verfügung stellen. Mit PV-Anlagen auf den Dächern, Filtern modernster Technik und einer in etwa zehn Jahren angedachten Umrüstung von Koks- auf Elektroöfen („Vorher ist es nicht möglich, weil ein so großer Strombedarf vom Netz momentan gar nicht zu bewältigen ist“) versuche man sich nachhaltig und klimaneutral aufzustellen. Rund 25 Millionen Euro werde allein letztgenannte Umstellung kosten.

1,2 Millionen Euro für Verbesserungen

Weitere 1,2 Millionen Euro werde man, so Dietmar Eckl, in den kommenden Wochen und Monaten um des lieben Friedens willen verbauen. Er kündigte unter anderem eine sieben Meter hohe und 65 Meter lange bepflanzte Lärmschutzwand, einen ebenfalls bepflanzten Erdwall (4,90 Meter) und eine Sichtschutzwand an. Bereits abgeschlossen sei die Betonierung eines Lagerplatzes, um Staubaufwirbelungen weiter zu minimieren, und demnächst erfolge die Verlagerung der so genannten Kernbruchlagerung in eine neu zu bauende Halle, um damit zusätzlich Lärm zu reduzieren.

Gerhard Koslowski, Fraktionsvorsitzender der Liste WiR im Bad Windsheimer Stadtrat, hatte zu diesem Zeitpunkt genug gehört: „Es gibt seit acht Jahren keine neuen Argumente“, erklärte er – für ihn habe Heunisch nunmehr ausreichend bewiesen, alles Menschenmögliche getan zu haben. Damit ging er sogar noch weiter, als die Firmenvertreter selbst. „Wir machen viel und wir sind wirklich sensibel“, so Christian Ger-häuser, „aber wir können einfach nicht alles verhindern“. Und Dietmar Eckl brachte es auf folgende Formel: „Wir werden immer emittieren, wir werden nie auf Null kommen.“


Patrick Lauer
Patrick Lauer
Redakteur
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