Man kann nicht sagen, dass es ein wohlgehütetes Geheimnis war. Schon seit Wochen wird in Scheinfeld gemunkelt, dass Klaus Luckert eine eigene Bürgermeisterkandidatur anstrebt. Das bestätigte er nun am Dienstagnachmittag in einem Pressegespräch. Luckert wechselt auf die Seite der ÜWG.
Damit bricht der noch amtierende stellvertretende Ortsvorsitzende der CSU mit seiner Partei. Denn die Christsozialen hatten Anfang Juli ihren Kandidaten für das Bürgermeisteramt bereits nominiert, und das war nicht Luckert, sondern der nicht einmal halb so alte Theodor Schell.
Dass Luckert nun gegen den offiziellen CSU-Kandidaten antreten will, ist mit einer Parteimitgliedschaft nicht vereinbar. Sein Austritt bei den Christsozialen wird noch in dieser Woche erfolgen, kündigte Luckert an und betonte, dass er dies nicht im Gram tue. Sein persönliches Verhältnis zu seinen bald Ex-Parteikollegen sei nach wie vor gut: „Wir werden weiterhin respektvoll miteinander umgehen.”
Der Austritt gilt im übrigen auch für die Ratsfraktion. Auch dort wechselt der stellvertretende Bürgermeister für den Rest der Wahlperiode die Seiten und schließt sich der ÜWG an. Bis Ende April 2026 stellt die ÜWG mit dem personellen Zugewinn dann sechs der 16 Ratsmitglieder und löst damit die CSU als Mehrheitsfraktion ab.
Luckert hatte, so beschrieb er den Werdegang seines Entschlusses, bereits vor zwei Jahren in der CSU angekündigt, dass er im Falle eines Kandidaturverzichts von Amtsinhaber Claus Seifert (SPD) sich gerne für den Chefposten im Rathaus bewerben würde. Als nun im Frühjahr bekannt wurde, dass Seifert tatsächlich nicht mehr antreten wird, standen beim CSU-Ortsverband aber zwei mögliche Bewerber auf dem Zettel: Luckert und Schell. Und der Vorstand entschied sich für Schell.
Nachdem Seiferts Verzicht bekannt geworden war, war Luckert - wie er berichtete - von vielen angesprochen worden, die gesagt haben, „warum machst du es nicht, kandidier' doch du”. Das sei für ihn „sehr, sehr motivierend gewesen, das anzugehen”, bekannte Luckert, der bei den vergangenen Kommunalwahlen 2020 die meisten Stimmen aller 48 Kandidatinnen und Kandidaten bekommen hatte.
Die Entscheidung im CSU-Vorstand war bereits vor den Pfingsten gefallen, ging aus Luckerts Erläuterung hervor. Er hatte dann in den Ferien Zeit, sich Gedanken zu machen und ergriff dann die Initiative. Er rief den ÜWG-Obmann Dr. Gerhard Heim an und bot seine Kandidatur für dessen Gruppierung an.
Die ÜWG hatte zunächst bereits zwei Personen für eine Bürgermeisterkandidatur ins Auge gefasst, berichtete Heim. Doch beide hatten abgesagt, so dass die Gruppierung zum Zeitpunkt von Luckerts Anruf ohne potenziellen Kandidaten dastand.
Luckert hatte also keine Partei mehr, die ihn nominieren wollte, und die ÜWG keinen Bewerber, der für sie kandidieren wollte. Was spontan wie Deckel-passt-auf-Topf aussieht, musste jedoch noch eine wesentliche Hürde nehmen: die Zustimmung der ÜWG-Obmannschaft. Dazu fand am vorigen Donnerstagabend eine Versammlung statt, bei der sich Luckert erklärte und auch für Fragen zur Verfügung stand. Am Ende, so berichtete Heim, wurde in Luckerts Abwesenheit geheim abgestimmt. Das Votum sei einstimmig für Luckert ausgefallen.
Ein Augenmerk der nun anstehenden Wahlzeit (Luckert will es bewusst nicht „Kampf” nennen) gilt einem eventuell aufkeimenden Aspekt. „Wir müssen der landläufigen Meinung entgegentreten, dass nur die Ambitionen auf das Bürgermeisteramt der Antrieb für den Wechsel waren”, erklärte Heim und bekennt, dass er sich da anfänglich selbst nicht so ganz gewiss war. Doch nach den intensiven Gesprächen ist sich der Obmann „inzwischen sicher, dass das nicht der Fall ist”.
Und Luckert beschreibt auch im Pressegespräch seine inhaltlichen Schwerpunkte, unter denen der hauptberufliche Banker an erster Stelle die schwierige Finanzsituation Scheinfelds anführt.
Die Bekanntgabe der Personalie fand nun vor der Sommerpause statt, auch um die brodelnde Gerüchteküche im Zaum zu halten. Die eigentliche Nominierung ist erst im Herbst, am 14. November, vorgesehen. Bei dieser Versammlung soll dann sogleich die Stadtratsliste beschlossen werden. Für Heim ist es naheliegend, dass der Bürgermeisterkandidat auch der Spitzenkandidat der Ratsliste sein wird.