Es ist das derzeit größte Bauprojekt in der Stadt: Für Gesamtkosten von rund 14,2 Millionen Euro entsteht an der Hohenberger Straße ein integratives Kinderzentrum. Nun erfolgte der offizielle Spatenstich.
Die Planungen für dieses Vorhaben liefen bereits seit 2021, als die Stadt den breiten Grundstücksstreifen zwischen Gewerbeansiedlung und Neubauten erwarb und damit die Voraussetzungen zum Bau einer neuen Kindertagesstätte südlich des Wohngebietes „Am Schrotfeld“ schuf. Mit der Lebenshilfe Ansbach fand sich ein Partner, der künftig die Trägerschaft übernimmt. Allerdings ließen die Förderzusagen des Bundes lange auf sich warten, weshalb sich der bereits für Herbst 2024 anvisierten Baubeginn nicht halten ließ. Jetzt soll es aber schnell gehen.
Auf der Großbaustelle wächst bereits seit einigen Wochen ein Energiegebäude in die Höhe, das später einmal die komplette Versorgung des Kinderzentrums und des dahinter entstehenden neuen Wohnheims der Lebenshilfe mit einer Luftwärmepumpe übernehmen soll. In dem abgekürzt nur „KidZ” getauften integrativen Kindergarten sind neben dem Regelbetrieb auch eine schulvorbereitende Einrichtung (SVE) und eine heilpädagogischer Tagesstätte (HPT) vorgesehen.
Die Zusammenarbeit der Stadt mit der Lebenshilfe ist für beide Seiten eine klassische Win-win-Situation: Einerseits kann damit dem steigenden Bedarf an Kindergartenplätzen im prosperierenden Herrieden auch künftig Rechnung getragen werden. Anderseits entzerrt sich für die Lebenshilfe das derzeit arg beengte Platzangebot ihrer Einrichtungen in Feuchtwangen und Herrieden. „Wir mussten dringend Platz schaffen”, erklärte der Geschäftsführer des Lebenshilfe-Vereins, Michael Breuker.
In dem dreifingrigen Holzbau sollen neben den regulären drei Regel- und zwei Krippen-Gruppen gerade auch Kinder mit Förderbedarf Platz finden. Zudem ist vorgesehen, den Nachwuchs mit Entwicklungsverzögerungen aus der momentan in der Sebastian-Strobel-Schule untergebrachten schulvorbereitenden Einrichtung (SVE) zu integrieren. Mit umziehen sollen dann auch die angeschlossenen Gruppen der Heilpädagogischen Tagesstätten (HPT). Gerade in diesem Zusammenspiel sieht Breuker den Vorteil. Für alle Kinder.
„Kinder ohne und Kinder mit Förderbedarf können sehr wohl gemeinsam spielen, lernen und sich entwickeln”, befand der Geschäftsführer der Lebenshilfe Ansbach zu dem integrativen Modell der Begegnung und des Miteinanders: „Es braucht diese Mischung, und wir bringen beides zusammen.” Um die 100 Kinder sollen hier ab dem Kindergartenjahr 2027/28 betreut werden. Außerdem wird quasi gleich nebenan ein Ersatzneubau für das Wohnen für Menschen mit Behinderung realisiert. Derzeit sind die künftigen Bewohnerinnen und Bewohner noch im „Gabrielihaus“ in der Stadtmitte Herriedens untergebracht. Der Neubau ist wegen baulicher Auflagen und der nicht mehr zeitgemäßen Einrichtung erforderlich.
Herriedens Bürgermeisterin Dorina Jechnerer betonte in ihrem Grußwort am Rande des Spatenstichs zum „KidZ” das große Miteinander von Lebenshilfe, Verwaltung, Stadtrat und den Genehmigungsbehörden in den vielen Vorgesprächen und der Planung des Projekts. Zudem entspricht der Standort aus ihrer Sicht der Bedeutung des integrativen Vorhabens. „Am Schnittpunkt zwischen älteren und neueren Siedlungen, in integrierter Lage, nicht am Rand, nicht außerhalb der Stadt, gleichzeitig in unmittelbarer Nähe zum neuen Wohnheim der Lebenshilfe.”
Gebaut wird das „KidZ” auf 1600 Quadratmetern mit drei zueinander laufenden Fingern vornehmlich in Holzbauweise, erklärte der dafür federführende Architekt Frank Fürhäußer, vermied aber die Vokabel „Vorzeigeprojekt”. Erste Eindrücke der Gestaltung lassen diesen Schluss aber durchaus zu, auch wenn momentan erst die Bodenplatte fertig ist. Die Räume des „KidZ” werden allesamt hell und freundlich gestaltet, Fenster im Dachbereich des zweigeschossigen Baus sorgen für viel Licht und eine insgesamt sehr offen wirkende Atmosphäre. „Alles wird barrierefrei erschlossen”, führte der 55-Jährige weiter aus und hob die „super Synergieeffekte” der gemeinsamen Energieversorgung mit dem Wohnheim hervor.
Insgesamt sind die Aufwendungen für die Kindertagesstätte auf 14,2 Millionen Euro beziffert. Die Stadt trägt davon mit knapp 9,4 Millionen Euro die Hauptlast, wird ihrerseits aber mit Fördergeldern in Höhe von 1,3 Millionen Euro unterstützt. Der verbleibende Anteil muss von der Lebenshilfe Ansbach komplett vorfinanziert werden. Abgesehen von den daraus resultierenden Zinsen übernehmen in der Folge der Freistaat und der Bezirk über verschiedene Förderungen die Kosten.