Seine Amtszeit wäre am 8. Februar 2026 sowieso zu Ende gegangen. Doch offensichtlich ist bei Thomas Raßbach das Fass nun übergelaufen. Der Lehrberger ist von seinem Amt als Kreisvorsitzender im Fußballkreis Nürnberg/Frankenhöhe zurückgetreten.
Das geht aus einem ausführlichen Schreiben hervor, das der Redaktion vorliegt. Darin spricht er von einer „Kampagne”, die Bezirksvorsitzender Uwe Mauckner gegen ihn geführt habe. Da Raßbach letztlich auch die Unterstützung der Verbandsführung in München vermisst habe, gab er seinen Posten nun ab.
Einleitend schreibt der 61-Jährige: „Seit August 2025 sehe ich mich einer gezielten Kampagne des Bezirksvorsitzenden Herrn Uwe Mauckner ausgesetzt, die in einem Antrag auf Suspendierung durch den BFV in München endete.”
Mauckner hatte am 25. Juni Anzeige beim Verband gegen Raßbach gestellt und warf dem Kreisvorsitzenden vor, Abrechnungen der vergangenen drei Hallenspielzeiten zu spät oder gar nicht vorgelegt, für Hallenturniere unzulässige Preisgelder ausbezahlt, Genehmigungsgebühren für Ligapokal und VR-Bank-Cup einbehalten und eine „schwarze Kasse” geführt zu haben.
BFV-Schatzmeister Jürgen Faltenbacher habe daraufhin das Verbandssportgericht eingeschaltet. Letztlich wurde Raßbach am 27. August über das BFV-interne Postfachsystem über einen „Antrag auf einstweilige Verfügung zum Zwecke der vorläufigen Amtsenthebung” informiert. Was den Lehrberger besonders irritiert: Niemand habe vorher versucht, ihn dazu zu befragen.
Zuvor hatte Raßbach noch, so schreibt er, BFV-Präsident Dr. Christoph Kern und Schatzmeister Faltenbacher angeschrieben, „um eine sachliche und lösungsorientierte Klärung herbeizuführen”. Diese Schreiben seien bis heute unbeantwortet geblieben.
Vielmehr musste sich Raßbach – auf eigene Kosten, wie er betont – rechtlichen Beistand nehmen, um zu den schwerwiegenden Vorwürfen Stellung zu nehmen. Das sei dann auch am 23. September passiert. Die Vorwürfe waren offensichtlich haltlos, denn der Antrag auf einstweilige Verfügung gegen Raßbach wurde am 17. Oktober zurückgenommen und das Verfahren eingestellt. Es folgte trotzdem noch eine mündliche Verhandlung in München.
Seitdem ist in der Sache Ruhe eingekehrt, doch gerade deshalb ist Raßbach sauer. Er will es nicht auf sich sitzen lassen, dass Mauckner noch immer Bezirksvorsitzender ist und fordert dessen Rücktritt. „Klare und eindeutig bewiesene falsche Anschuldigungen gegenüber meiner Person bleiben weiterhin ungeahndet. Auch auf meine entsprechende Anzeige gegenüber BV Mauckner vom 23.09.2025 habe ich bis jetzt nur eine Eingangsbestätigung erhalten. Die gesetzlich vorgeschriebene Fürsorgepflicht, die es auch im Ehrenamt gibt, ist damit durch den Verband ad absurdum geführt”, schreibt er in Richtung Verbandspräsidium.
Raßbach wirf dem Präsidium vor, Mauckner zu schützen und untätig zu sein. „Dieses Ignorieren und vermeintliche Aussitzen des Kernproblems in Mittelfranken ist die wesentliche Ursache dafür, dass im Bezirk Mittelfranken seit Jahren keine Ruhe einkehren konnte”, schreibt er.
Das Verfahren habe ihn gesundheitlich und auch finanziell belastet. Er fühle sich von der Verbandsspitze im Stich gelassen. Deshalb sei er nun zurückgetreten. Der 61-Jährige war seit 2010 Kreisvorsitzender und einige Jahre zudem Kreisspielleiter.
Die Amtszeit von Thomas Raßbach hätte sowieso am 8. Februar 2026 geendet. Dass er nicht mehr zur Wiederwahl antreten wird, hatte er schon vor Monaten kommuniziert. Dass dabei der schon länger schwelende Konflikt mit Uwe Mauckner eine gewichtige Rolle spielte, ist ein offenes Geheimnis. Möglicher Nachfolger ist Günter Schuh aus Brunn bei Emskirchen, der sein Interesse bekundet hat, sich zur Wahl zu stellen.
Auf Bitte um Stellungnahme bei Uwe Mauckner und über die Pressestelle auch beim BFV-Präsidium erreichte die Redaktion am Freitagmittag ein Schreiben von BFV-Pressesprecher Fabian Frühwirth. Mauckner wird so zitiert: „Wir bedauern die Entscheidung von Thomas Raßbach, seinen Rücktritt vom Amt des Kreis-Vorsitzenden, den er ursprünglich für den Kreistag am 8. Februar 2026 angekündigt hatte, jetzt zu vollziehen. Wir danken Thomas Raßbach für sein großes Engagement, der Kreis Nürnberg/Frankenhöhe trägt zweifelsfrei seine prägende Handschrift.”
Mit Hinblick auf den Kreistag im Februar werde nun geprüft, wie eine Übergangszeit gestaltet werden kann. Es werde auch geprüft, ob ein Antrag auf kommissarische Stellvertretung beim Präsidium gestellt werden muss, so Mauckner. Die persönlichen Anschuldigungen wolle der Bezirksvorsitzende „ganz bewusst unkommentiert zur Kenntnis nehmen, weil es sich um ein laufendes Verfahren handelt“.
Letzten Punkt hebt Frühwirth noch einmal hervor: „In dieser Angelegenheit stellt der BFV zudem klar, dass es sich um ein gesamtsportgerichtliches Verfahren handelt, das nicht abgeschlossen ist und daher auch nicht eingestellt sein kann.” Finanzfragen würden generell „von einem unabhängigen Gremium” überprüft, um etwaige Unregelmäßigkeiten aufklären zu können. Dieser Prozess sei noch nicht abgeschlossen. „Aus diesem Grund erfolgt hierzu keine inhaltliche Stellungnahme.”