Für die evangelische Kirchengemeinde St. Martin in Schopfloch kommt es gerade ganz dick. Zusätzlich zur finanziell aufwendigen Sanierung des Gotteshauses müssen nun auch noch Teile der Turmuhr instandgesetzt werden. Deshalb sandte Pfarrer Ulrich Conrad eine Art Hilferuf an den Gemeinderat.
Anfang März schickte der Geistliche eine E-Mail an die Verwaltung mit der Bitte, die Möglichkeit zu prüfen, ob sich die Gemeinde an den Kosten für die Instandsetzung der Ziffernblätter der Turmuhr beteiligen könnte. Mit der Übernahme der Hälfte der voraussichtlichen Gesamtkosten in Höhe von rund 13.000 Euro würde die Kirchengemeinde nach Darstellung des Pfarrers finanziell deutlich entlastet.
Wie eine Untersuchung im Vorfeld ergeben hatte, sind die Zifferblätter stark beschädigt und können auch nicht mehr repariert werden. Eine finanziell günstigere Variante scheidet aus, weil die Vorgabe der zuständigen Denkmalschutzbehörde eindeutig ist: Die im Durchmesser zwei Meter großen Zifferblätter müssen demnach wie im Original wieder in Kupfer ausgeführt werden.
„Die Glocken gehören zum Himmelreich, auf die Turmuhr schaut die weltliche Gemeinde”, läutete Bürgermeister Oswald Czech die Aussprache launig ein. Er argumentierte, dass die evangelische Kirche ein ortsbildprägendes Gebäude sei und die Uhr „eine öffentliche Funktion für die Allgemeinheit darstelle”.
Widersprechen mochte in dem Punkt niemand, zumal die evangelische Kirchengemeinde mit der derzeit laufenden Sanierung des Gotteshauses ohnehin ein finanzielles Päckchen zu schultern habe. Der Eigenanteil beträgt laut Czech etwa 97.000 Euro. Die Hauptlast trägt mit 1,1 Millionen Euro der Bund, die Landeskirche steuert 52.000 Euro bei. Der Zuschuss aus der Gemeindekasse nimmt sich da mit etwa 3500 Euro eher bescheiden aus. „Wir sind hier eigentlich außen vor”, befand der Bürgermeister zu den Relationen. Bei einer anderen Regelung bezüglich des Bauunterhalts würden Gemeindekassen deutlich intensiver in Anspruch genommen, führte er weiter aus. „Wir haben da großes Glück.”
Allerdings wurde im Zuge einer weiteren Überprüfung der Kirchturmuhr zusätzlicher Handlungsbedarf festgestellt, wie der Pfarrer in einer weiteren E-Mail an die Verwaltung erst kürzlich mitteilte: Auch die Zeiger – und mit dem Stundenrohr noch ein elementares Bauteil der Turmuhr – sind nach den Ausführungen des Geistlichen und der fachlichen Expertise eines Architekturbüros „in einem sehr schlechten Zustand”. Entsprechend wurde das kirchliche Gesuch um Berücksichtigung der zusätzlich anfallenden Kosten erweitert.
Vor der Entscheidung über die monetäre Hilfestellung wollte Gemeinderat Friedrich Grimm junior aber zu bedenken geben, dass die Gemeinde in der Frage, ob der von der evangelischen Kirchengemeinde betriebene Kindergarten künftig eine Geschäftsführung erhält, einer Entscheidung seit langem hinterherlaufe. Man erhalte „keine vernünftigen Unterlagen”, kritisierte Grimm. Das seien jedoch zwei Sachverhalte, die man nicht miteinander vermengen solle, lautete der Tenor der Replik im Gremium.
Um den Aufwand für die Verwaltung nach Wunsch verschiedener Räte möglichst klein zu halten, wurde der Beschlussvorschlag der Verwaltung modifiziert: So wird der kommunale Beitrag nicht 50 Prozent der Gesamtkosten entsprechen, vielmehr wurde der Zuschuss auf den Maximalbetrag von 7500 Euro für die Kirchturmuhr festgezurrt.