Günter Schuh braucht gutes Sitzfleisch in diesen Tagen. Der Vorsitzende des Fußballkreises Nürnberg/Frankenhöhe besucht die anderen beiden Kreistage, ehe er am Sonntag, 8. Februar, erstmals selbst die Versammlung seines eigenen Kreises leitet. Sein Vorgänger ist nicht schriftlich eingeladen und mächtig sauer deswegen.
Thomas Raßbach hat in einem offenen Brief seinem Ärger Luft gemacht. „Mit Verwunderung musste ich feststellen, dass mir zum Kreistag keine formelle Einladung übermittelt wurde”, schreibt der Lehrberger, „offenbar besteht im Kreis-Ausschuss eine Beschlusslage, wonach eine Verabschiedung meiner Person im Rahmen des Kreistags nicht gewünscht ist.”
Raßbach sieht sich damit „faktisch zur Persona non grata erklärt”. Der Vorgang sei „skandalös”, weil „einem langjährigen Funktionär, der über nahezu 20 Jahre hinweg maßgeblich dazu beigetragen hat, den Kreis zu einem Vorbildkreis des BFV zu entwickeln, die Möglichkeit verwehrt wird, sich im Rahmen des Kreistags von seinen Vereinen zu verabschieden – und umgekehrt.”
Raßbach vermutet, dass ihm „als unbequemen, aber erfolgreichen (Ex-)Funktionär” kein Rederecht eingeräumt werden soll. „Die Kampagne des BFV gegenüber meiner Person läuft offenbar weiter”, heißt es in dem Schreiben. Auf eine Verabschiedung im Hinterzimmer könne er gerne verzichten. Harte Worte, mit denen der 61-Jährige kurz vor dem Treffen an die Öffentlichkeit geht.
Der 60-jährige Schuh wurde im Dezember nach dem Rücktritt von Raßbach vom Bayerischen Fußball-Verband als Kreisvorsitzender berufen. Am Sonntag (10 Uhr, Eventhalle Gartenstadt in Nürnberg) soll er nun von den Vereinsvertretern auch noch gewählt werden.
Den Äußerungen von Raßbach widerspricht Schuh in Teilen. Eine offizielle schriftliche Einladung gab es wohl zwar tatsächlich nicht, aber eine mündliche Anfrage seinerseits und den Plan, Raßbach mit warmen Worten und einem Geschenk zu verabschieden. Die offizielle Verabschiedung durch den Verband sei auf einer Mitarbeitertagung geplant. „Ich sehe da in erster Linie ein Kommunikationsproblem”, sagt Schuh.
Auf der Tagesordnung beim Kreistag stehen diverse weitere Wahlen. Als Kreisspielleiter kandidiert Amtsinhaber Tamer Amet, als Kreis-Jugendleiter Peter Kuhn und als Kreisbeauftragte für den Frauen- und Mädchenfußball Katrin Steinbauer. Andreas Krimm soll auf Antrag des Kreis-Ausschusses neuer Schiedsrichterobmann werden und die Nachfolge von Sven Bode antreten. Karlheinz Assenbaum soll als Sportgerichtsvorsitzender neben Jörg Salzer als Ehrenamtsbeauftragter den Kreis-Ausschuss erneut komplettieren und im Nachgang vom BFV-Präsidium berufen werden. So der Plan.
Es ist schwer davon auszugehen, dass sich die Vertreter der 227 im Fußballkreis beheimateten Vereine an die Wahlvorschläge und das Drehbuch dieser Veranstaltung halten. Sollte die maximale Anzahl von Delegierten auftauchen, wären das laut Schuh rund 660 Personen. So viele Gäste erwartet er nicht. „Der Kreistag ist nur alle vier Jahre. Ich denke, da sollte es schon jeder Verein einrichten können, einen Vertreter zu schicken”, sagt Schuh.
Mit der Vorbereitung dieses Termins hatte Schuh ordentlich zu tun. Es galt unter anderem, die ellenlange Vorschlagsliste für die Delegierten zum Bezirkstag am 21. März in Schwabach aufzustellen. Auf der steht übrigens auch Thomas Raßbach.
Die Besucher erwartet unter anderem eine Rede von BFV-Präsident Dr. Christoph Kern, zudem wird ein Meinungsbild zu möglichen Reformen im Spielbetrieb abgefragt.
Dabei geht es darum, ob die Verlängerung bei Entscheidungs- oder Relegationsspielen beibehalten werden soll, oder analog zu Toto-Pokal-Partien sofort ein Elfmeterschießen folgen soll. Das zweite Thema betrifft die Frage, ob eine Gelb-Rote Karte im Erwachsenenbereich automatisch eine Sperre von einem Spiel nach sich ziehen soll. Und außerdem geht es um die Handhabung von Zeitstrafen.
Auch beim Punkt Anträge könnte es im Hinblick auf den künftigen Spielbetrieb interessant werden. Schuh berichtet von einer Eingabe, die Spielgemeinschaften in der Bezirksliga zum Thema hat. Bisher sind im Herrenbereich Spielgemeinschaften nur bis einschließlich Kreisliga zugelassen.
„Mein Ziel ist, den Ball flachzuhalten und möglichst auf die Wünsche der Vereine einzugehen”, so Schuh. Das vergangene Jahr war von viel Unruhe geprägt. Da gab es im Sommer den Rücktritt von Kreisspielleiter Michael Graf, gefolgt von der Auseinandersetzung zwischen Raßbach und dem Bezirksvorsitzenden Uwe Mauckner, die schließlich zum Rücktritt des Kreischefs führte. Dem wiederum hatte Schuh seine vorzeitige Berufung ins Amt zu verdanken.