Für die Fußballer stehen in diesem Jahr wieder eine Reihe von Tagungen an. Interessant könnte vor allem der Bezirkstag werden. Dass der seit Monaten schwelende Konflikt zwischen Bezirkschef Uwe Mauckner und dem ehemaligen Kreischef Thomas Raßbach zu einer Kampfabstimmung führt, ist nicht ausgeschlossen.
„Ich behalte mir vor, für den Bezirksvorsitz zu kandidieren, sollte sich sonst kein anderer geeigneter Gegenkandidat finden”, sagt Raßbach. Das wäre eine weitere Volte in der Auseinandersetzung der beiden Funktionäre, die in Mittelfranken seit Monaten für Unruhe sorgt.
Auf eine entsprechende FLZ-Anfrage positioniert sich Mauckner klar: „Ja, ich werde mich am Bezirkstag erneut um den Vorsitz bewerben. Ich bin vor drei Jahren mit dem Ziel angetreten, den Bezirk Mittelfranken zukunftssicher aufzustellen. Dazu gehören für mich auch Veränderungen. Diese möchte ich auch weiterhin mit Impulsen aus unseren Vereinen und meinem Team im Bezirk und aus den Kreisen vorantreiben. Dabei kann ich auf den Rückhalt des Bezirks-Ausschusses bauen, dieses Gremium habe ich stets über alle Vorgänge informiert und alle haben mir gesagt, dass sie diesen Weg auch mitgehen.”
Ob am Samstag, 21. März, im Schwabacher Markgrafensaal tatsächlich mehrere Kandidaten um den Vorsitz rangeln? Raßbach jedenfalls lässt keinen Zweifel daran, dass für ihn das Thema Verbandsarbeit beim BFV mit dem Rücktritt als Kreisvorsitzender noch längst nicht erledigt ist. Äußerungen von ihm lassen vielmehr darauf schließen, dass er als Strippenzieher im Hintergrund versucht, die Dinge in seinem Sinne zu regeln.
„Es gibt eine große Opposition”
In seinem Sinne bedeutet: Eine neue Führung im Bezirk soll her. Als Einzelkämpfer sieht sich der 61-jährige Lehrberger nicht, im Gegenteil: „Es gibt eine große Opposition”. Ob das eher Hoffnung oder Tatsache ist, lässt sich schwer beurteilen.
„Dinge vom Hörensagen zu kommentieren, ist nicht meine Sache. Ich orientiere mich an Fakten. Und Fakt ist, dass uns bis dato kein Vorschlag bekannt ist”, so Mauckner.
Gewählt werden Ende März in Schwabach unter anderem der Bezirksvorsitzende und der Bezirksspielleiter. Anfang Februar finden bereits die Kreistage statt. Der für den Kreis Nürnberg/Frankenhöhe am Sonntag, 8. Februar, in der Eventhalle Gartenstadt in Nürnberg. Hier dürfte von den Vereinsvertretern der bereits als Kreisvorsitzende amtierende Günter Schuh (TSV Emskirchen) bestätigt werden.
Gegenüber der bereits im Oktober vom damaligen Kreisvorsitzenden Raßbach veröffentlichten Wahlempfehlung hat sich mittlerweile eine Änderung ergeben. Peter Kuhn aus Sachsen bei Ansbach will sich entgegen früherer Ankündigungen doch wieder als Kreisjugendleiter bewerben.
Für den Bezirkstag kündigt Mauckner ebenfalls eine Wahlempfehlung an, aber erst nach den Kreistagen. „Wir werden unseren Vereinen ein komplettes Team vorschlagen. Was mir wichtig ist: Das ist eine Empfehlung, die Delegierten entscheiden selbst, wen sie wählen oder vielleicht auch selbst vorschlagen”, lässt er wissen. Neu zu besetzen ist unter anderem der wichtige Posten des Bezirksspielleiters, den Felix Böck abgeben wird.
Raßbach trat von seinem Amt als Kreisvorsitzender im November zurück. Als Grund nannte er eine „Kampagne” von Mauckner gegen seine Person. Die beinhaltete unter anderem eine Anzeige von Mauckner beim Verbandssportgericht, in der er Raßbach unter anderem falsche Abrechnungen vorwirft.
Raßbach setzte sich mit Unterstützung eines Rechtsanwaltes zur Wehr, widerlegte detailliert die aus seiner Sicht falschen Anschuldigungen und erstattete seinerseits beim Verband Anzeige gegen Mauckner, in der er dem Bezirkschef unter anderem mehrfach Verletzungen des BFV-Leitbildes vorwirft.
Auf dieses Leitbild, das vorsieht, Konflikte nicht in der Öffentlichkeit auszutragen, beruft sich auch Mauckner. Er habe sich bewusst zu den Vorgängen öffentlich nie in der Sache geäußert. „Das ist eine Sache des Respekts. Unterschiedliche Auffassungen gehören dazu und sind auch nicht schlimm. Wer mit Konflikten wie umgeht, muss jeder selbst für sich entscheiden. Für mich zählen Respekt und Anstand, das sind wichtige Werte, die mein Handeln auch in schwierigen Situationen bestimmen. Dass das für mich nicht immer leicht war, liegt auf der Hand, weil ja Dinge verbreitet worden sind, die weit unterhalb der Gürtellinie waren.”
Die gegenseitigen Anzeigen sind wohl auch die Folge eines seit langem schwelenden Konflikts, zu dessen Beilegung einst auch der BFV-Vorsitzende Dr. Christoph Kern eigens zu einem Versöhnungstreffen nach Nürnberg geeilt kam.
Raßbach stellte sich unter anderem bei der von vielen kritisierten Bezirksliga-Relegationsrunde vergangene Saison offen gegen den Bezirk. Alles andere als geschmeidig verlief das Zusammenspiel zwischen Bezirk und Kreis auch bei der einen oder anderen Personalentscheidung, etwa der Berufung von Kreisspielleiter Tamer Amet im Sommer.
Raßbach war jahrelang in verantwortlicher Position im Fußballkreis tätig. Und nicht unbedingt als willfähriger Erfüllungsgehilfe der Verbandsvorgaben bekannt.
Immer wieder suchte Raßbach die Konfrontation mit der Münchner Zentrale, wenn dort aus seiner Sicht falsche Entscheidungen getroffen wurden. Auch in der Konfrontation mit Mauckner, den er mehrfach zum Rücktritt aufgefordert hat, mahnt Raßbach mangelndes Tempo bei den Verfahren und mangelnde Unterstützung durch die Verbandsoberen an.
„Es geht einzig und allein darum, Vorgänge transparent und unabhängig aufzuarbeiten – ohne dabei jemanden zu diskreditieren. Deshalb bedauere ich, dass Thomas diese Angelegenheit auf seine Art in der Öffentlichkeit breittritt, anstatt die Ergebnisse abzuwarten und dann einzuordnen”, so Mauckner.