Die Tage werden wärmer, die Abende länger. Der Freundeskreis sitzt zusammen, Gläser werden gereicht, Eis klirrt, es riecht nach Zitrus und Kräutern. Dabei muss nicht zwingend Alkohol fließen. Für Rocco Tolomeo, Barmanager im Fünf-Sterne-Hotel The Fontenay in Hamburg, lautet das Motto: „EINFACH“: Dieses Jahr seien einfache Drinks gefragt.
Cocktails müssen nicht stark sein, alkoholfreie Drinks nicht kompliziert. Angesagte Mixturen setzen auf Klarheit: Frucht, saubere Säure, unkomplizierte Builds. Highballs, Varianten von Spritz und Klassiker wie Paloma sind weiter in.
Doch das Trinkerlebnis wird neu definiert. Im Vordergrund steht das bewusste Erleben eines schönen Moments. Man nimmt sich Zeit beim Trinken. Aromen treten in den Vordergrund, mitunter ist Regionales gefragt. Alkohol wird bewusst eingesetzt, Genuss lässt sich auch alkoholfrei erleben. Es geht um Entspannung allein oder in Gesellschaft.
Thomas Weinberger von der Destillerie Lantenhammer aus Hausham (Bayern) weiß, dass vermehrt zu Hause getrunken wird: „17 Prozent konsumieren allein, 83 Prozent zu zweit oder in größeren Gruppen.“ Spirituosen würden bevorzugt beim gemütlichen Beisammensein in Gesellschaft getrunken, größtenteils in den eigenen vier Wänden oder zu Hause bei anderen.
Cocktails sind dabei am beliebtesten. Wert wird auf Qualität, Erfrischung und Hochwertiges gelegt. Heutige Mixturen sind auf das Aromaprofil konzentriert. „Sie werden so kreiert, dass der Alkohol den Geschmack nur noch verstärkt“, sagt Rocco Tolomeo.
Mit diesen fünf Drinks will der Hamburger Experte die Bar nach Hause bringen. Keine große Einkaufsliste ist nötig, alles ist einfach und schnell zubereitet. In der Freizeit will man mit Leichtigkeit und Spontanität zusammen sein. Alkoholisches kann gern durch Alkoholfreies ersetzt werden.
Highballs, also Longdrinks in einem hohen Glas, meist mit einer Spirituose und einem größeren Anteil nicht alkoholischer Getränke wie Soda oder Tonic, sind immer gefragt, egal, ob in Hamburg an der Alster oder in München an der Bar.
Für Rocco Tolomeo sind das einfache Getränke, die man gut zwischendurch trinken kann - und die auch in einer Gartenrunde angeboten werden können, ohne den Geldbeutel zu sehr zu belasten. „Das sind Drinks, bei denen ich denke: Da sitze ich gern mal mit einem Date an der Alster und habe einen Longdrink im „to go”-Becher oder meinen Picknickkorb dabei“, sagt der Barmanager lächelnd.
Er empfiehlt etwa einen Whisky Soda mit 4 cl Whisky, 10-12 cl hoch karbonisiertem Soda, einem Eisblock im Highball-Glas, dekoriert mit Zitronenzeste. Das Prinzip des Drinks: Kälte und Kohlensäure ergeben Klarheit. Die Aromen sind Zitrus, leichte Süße und florale Noten. Der Vorteil für Rocco Tolomeo: „Alkohol ist wasserlöslich. Wenn man einen Whisky Soda trinkt, verflüchtigt sich der Alkohol und man hat nur noch das Aroma des Getreides vom Whisky.“ Es sind lediglich zwei Zutaten, die aber mit einem Spritzer Zitrone oder Limette getoppt werden.
Er rät zu einem hoch karbonisiertem Mineral- oder Sodawasser: „Kohlensäure sorgt dafür, dass der Whisky die Aromen explodieren lässt. Alles, was flach ist, ist im Sommer schwer zu trinken. Es ist warm und man will etwas Erfrischendes.“ Serviert wird der Drink in einem klassischen Highball-Glas mit viel Eis.
Dieser „Durstlöscher mit Struktur“ besteht aus 5 cl Tequila, 10 cl Grapefruit-Soda, 1 cl Limettensaft und einer Prise Salz. „Eine schöne kalte Paloma ist leicht zuzubereiten“, sagt Rocco Tolomeo. Das Prinzip aus Bitterkeit, Salz und Säure garantiert angenehmen Trinkfluss. Mit Aromen von Grapefruit, Mineralität und Frische ist sie eine perfekte Abkühlung.
„Man kann sie auch als Pitcher machen“, so der Experte. Die Menge wird passend zur Gästezahl hochgerechnet. Die Karaffe kommt auf den Tisch, jeder schöpft sich selbst sein Glas. Der Drink ist mit und ohne Alkohol möglich, so der Fachmann: „Es gibt inzwischen alkoholfreie Tequilas und auch Mescals.“
Dieser alkoholfreie Drink besticht mit seinen Zitrus- und Fruchtnoten sowie der leichten Kräuterwürze. Die kleinen Flaschen aus Italien sind mittlerweile im Einzelhandel zu bekommen. „Man kann Crodino mit einem Schuss Sodawasser oder alkoholfreiem Wein beziehungsweise Sekt aufgießen“, so Tolomeo. Seine Empfehlung: 1 Flasche Crodino, 6 cl Soda oder alkoholfreier Weißwein oder Sekt. Die Bitterkeit des Drinks ersetzt Alkohol. Mit den Aromen von Orange und Kräutern gepaart mit einer leichten Süße ist dies ein süffiges Sommergetränk.
Serviert wird der „Aperitivo“ im Highball- oder Weinglas, garniert mit Zitronenzesten oder Orange. Wer will, kann auch Eiswürfel mit gefrorenen Früchten oder Kräutern dazugeben.
„Kokosnusswasser ist angesagt“, berichtet Barmanager Tolomeo. Der Grund für den Hype um Kokoswasser sei dessen angenehmer Geschmack, meist ohne Zusatz von Zucker oder ungesunden Zusatzstoffe. Früchte wie Kokosnuss mit ihrem hohen Wassergehalt tragen zur geschmackvollen Hydration bei.
Für seinen sommerlichen Drink empfiehlt Tolomeo 4 cl leichten Rum, 8 cl Kokoswasser und 1 cl Limettensaft. „Es sollte auf jeden Fall ein weißer Rum sein. Die gelagerten Rums bringen andere Aromen mit, die mit dem Kokoswasser nicht harmonieren“, erklärt er. Man kann auch ein alkoholfreies Destillat verwenden. Die Leichtigkeit und natürliche Süße des Drinks kommt von seinen frischen und grünen Aromen gepaart mit Kokos.
Serviert wird der Cocktail im Highball-Glas auf Eis, dekoriert mit Minze oder einem Pandan-Blatt. Diese immergrüne Pflanze aus Asien bringt ein süßlich-nussiges Aroma, das an Vanille erinnert, und einen tropischen Twist.
Das ist die alkoholfreie Variante des klassischen Espresso Martini. Cold Brew bedeutet einfach nur kalter Kaffee. Filterkaffee oder frisch aufgebrühter Kaffee wird Stunden zuvor kaltgestellt. „Man füllt zuerst das Tonic ein und gießt dann den Kaffee oben darauf. Letzterer bleibt oben, er rutscht nicht durch. Man hat also zwei Farbschichten. Das nennen wir Layering“, erklärt der Experte.
Beim Layering schichten Bartender und Bartenderinnen Zutaten unterschiedlicher Dichte sorgfältig im Glas. Leichtere, weniger dichte Flüssigkeiten wie Kaffee werden also auf schwerere Flüssigkeiten gegossen, um verschiedene Schichten zu erzeugen. Dazu den Kaffee langsam über die Rückseite eines Löffels gießen, sodass er auf dem Tonic sitzt.
So schichtet Rocco Tolomeo 6 cl Cold Brew auf 8 cl Tonic Water und dekoriert mit einer Orangen- oder Zitronenzeste. In einem Highball, Tumbler oder bauchigem Weinglas serviert, trifft Bitterkeit und Kohlensäure auf trockene Aromen von Kaffee und Zitrus. Der Drink ist ein klassischer Wachmacher.
Einem unkomplizierten Trinkvergnügen steht mit diesen Cocktails nichts im Wege.
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