Für Marie-Christine Ohrner schließt sich in gewisser Art und Weise ein Kreis. Als Kind besuchte die 39-Jährige die Ipsheimer Grundschule selbst. Heute leitet sie die Einrichtung – zunächst kommissarisch, seit diesem Schuljahr fest.
Ihr Entschluss, Lehrerin zu werden, stand für Marie-Christine Ohrner schnell fest. Erfahrungen sammelte sie an Grundschulen in Lehrberg und Bad Windsheim. Dann führte sie ihr Weg nach Ipsheim. Zudem war sie als Beraterin für flexible Grundschulen tätig.
Fast fünfeinhalb Jahre arbeitet Marie-Christine Ohrner, die mit ihrer Familie in Neuhof lebt, nun bereits an der Ipsheimer Grundschule. 94 Kinder besuchen diese derzeit. Vier Jahre wirkte sie als „normale Lehrerin”. Als Martina Anderlik, frühere Schulleiterin, ihren Wechsel an die Grund- und Mittelschule Burgbernheim-Marktbergel bekanntgab, sollte ein Ersatz gefunden werden. Doch es bewarb sich niemand. Bevor jemand Externes die Schule mitführt, sollte die Aufgabe lieber jemand aus dem Team übernehmen, so die damalige Überlegung.
„Gut, dann probier’ ich es halt aus”, sagte sich Marie-Christine Ohrner. „Vielleicht ist es ja doch etwas für mich.” In dem kommissarischen Leitungsjahr fand sie langsam, aber sicher Gefallen daran. „Es ist eine große Verantwortung und viel zu tun, keine Frage. Aber es macht mir schon großen Spaß.” Zudem sei es besonders, die eigene Grundschule zu leiten – denn Marie-Christine Ohrner war hier einst selbst Schülerin. Viele Erinnerungen begleiten sie: von der alten, knarzenden Holztreppe bis zum Dachboden. Aber auch im modernen Anbau sieht die 39-Jährige viele Vorteile.
Viele Gespräche mit dem Schulamt bestärkten sie immer wieder, die Leitungsfunktion auszuprobieren. „Ich habe mich außerdem gut vernetzt im letzten Jahr. Ich weiß, wo ich mir Hilfe holen kann.” Und einen großen Anteil an der Entscheidung habe auch ihr Mann gehabt, der zwar kein Lehrer sei, aber ebenfalls eine Führungsposition inne habe. Arbeitete sie sonst viel abends, nehme sie sich jetzt viel bewusster Zeit. Schnell lernte Marie-Christine Ohrner, Prioritäten zu setzen und Grenzen zu ziehen. Viel Zuspruch erfuhr sie zudem von ihren Eltern und ihrem Bruder.
Nebenbei hat die 39-Jährige noch die Klassenleitung einer jahrgangsgemischten Klasse 1/2 inne. Dass Marie-Christine Ohrner auch als Schulleiterin noch unterrichten kann, ist ihr wichtig. „Einfach, um an den Kindern dran zu sein und neue Methoden erproben zu können.” Auch, wenn es manchmal durchaus herausfordernd sein könne, Schul- und Klassenleitung gleichzeitig zu stemmen. Nötig sei das auch deshalb, da die Schule eben recht klein sei.
In ihre Arbeit steckt Marie-Christine Ohrner viel Herzblut. Die Schule „ist schon ein kleines Herzensprojekt von mir”. Ein paar Projekte stehen auf der Agenda: Die Ipsheimer Einrichtung sei bereits eine „demokratische Grundschule”, was man noch weiter vorantreiben wolle. „Wir haben uns außerdem auf den Weg gemacht, eine Schreibmotorikschule zu werden.” Unabhängig davon, ob Grob- oder Feinmotorik oder die Auge-Hand-Koordination: „Wir stellen fest, dass viele Kinder da Schwierigkeiten haben.” Ein weiteres Steckenpferd sei das Lesen, da das für ein selbstbestimmtes Leben eine der wichtigsten Schlüsselkompetenzen ist.
Schön sei es, die Schule mitzugestalten, sie weiterzuentwickeln und Ideen umzusetzen, sagt die Schulleiterin. Wichtig ist ihr, das Team stets mitzunehmen und wo es möglich ist gemeinsam zu entscheiden. „Ich will den Kolleginnen auf Augenhöhe begegnen”, betont Marie-Christine Ohrner.