Der 22. Juli 2024 wird in die Gutenstettener Geschichtsbücher eingehen. Mit einem Festakt wurde am Montag die Steinachbrücke dem französischen Partnerschaftsmotor Robert Picat gewidmet. Die Freunde von St. Hilaire wollten dem 2014 verstorbenen, jahrzehntelangen Bürgermeister der Partnergemeinde ein besonderes Andenken schaffen. Und das ist nun geschehen.
Wie der Partnerschaftsvereinsvorsitzende Alexander Scheumann betonte, gab es schon länger den Gedanken, Robert Picat eine besondere Ehre zu erweisen. Als dann die Steinachbrücke im Ort vom Staatlichen Bauamt Ansbach neu gebaut wurde, war ihm sofort klar: Das ist es. Eine Brücke als Symbol der Völkerverständigung, des Friedens und der Versöhnung. Was könnte passender sein? Der Gemeinderat von Gutenstetten (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) stimmte zu und auch das Staatliche Bauamt ließ sich überzeugen.
„Heute ist ein besonderer Tag in der Geschichte der Gemeinde Gutenstetten“, befand auch Bürgermeister Gerhard Eichner. „Robert Picat war einer der Gründerväter für unsere Gemeindepartnerschaft auf französischer Seite, auf deutscher Seite war Sieglinde Procher die treibende Kraft für die Partnerschaft.“ Procher war gestern ebenfalls Ehrengast bei dieser mittäglichen Feierstunde.
Landratsstellvertreter Reinhard Streng beglückwünschte Gutenstetten für diese Entscheidung. „Brückenbauen bedeutet, Grenzen und Hindernisse zu überwinden“, betonte er in seinem Grußwort. „Sie verbindet zwei Teile.“ Da dränge sich der Vergleich zur Partnerschaft zwischen Gutenstetten und Saint-Hilaire-les-Places, die seit über 35 Jahren andauert, förmlich auf. Die Entwicklung in den beiden Ländern mit dem Erstarken der Nationalisten „erfordert noch mehr Brückenschläge“, so Streng, die „Pont Robert Picat“ sei nun „ein sichtbares Zeichen einer lebenden Partnerschaft“.
Der Landtagsabgeordnete Werner Stieglitz erinnerte, dass Robert Picat beim Massaker der deutschen Waffen-SS in Oradour viele Freunde und Bekannte verloren hatte. Trotzdem setzte sich der Politiker zeitlebens für die Versöhnung zwischen Deutschland und Frankreich ein. Picat habe einem jeden gelehrt, „dass wir eine bessere Welt schaffen können“. Auch wenn der Franzose diese besondere Ehrung nicht mehr persönlich miterleben durfte – „er wäre sicherlich stolz gewesen“.
Sylvie Vallade, Bürgermeisterin von Saint-Hilaire-les-Places, blickte auf die Partnerschaftsanfänge zurück, als die Prochers 1985 illegal auf dem Campingplatz in St. Hilaire nächtigten. Aber nein, Ärger gab es deshalb nicht – im Gegenteil. Es begannen Gespräche, die letztlich den Weg ebneten: Im August 1988 war mit einem Festakt das Band offiziell besiegelt worden, lobte Sylvie Vallade. „Robert Picat war unermüdlich ein Vermittler dieser Deutsch-Französischen Freundschaft.“ Auch der frühere Gutenstettener Bürgermeister Robert Maderer setzte sich eifrig dafür ein.
Sohn Bernard Picat dankte den Gutenstettenern für „diese große Ehre“. Sein Vater liebte den zwischenmenschlichen Kontakt, ist früh in die Politik gegangen. 36 Jahre war er Bürgermeister von Saint-Hilaire-les-Places, hatte stets ein offenes Ohr für die Anliegen der Bürger, zusätzlich zu seinem Beruf als Weinhändler. „Er war ein großes menschliches Vorbild.“ Außerdem liebte Robert Picat die Musik. Eine Familienzusammenkunft ohne Ständchen? Bernard Picat kann sich an keine erinnern. Robert Picats Leidenschaft fürs Akkordeon war einfach zu groß.
Am Montag kamen auch Enkel und Urenkel vor Ort, um mit den deutschen und französischen Ehrengästen den Gedenkstein zu enthüllen und die Brücke zur „Pont Robert Picat“ zu widmen. Der Stein steht sinnbildlich für Stabilität, aber auch für Unsterblichkeit, betonte Alexander Scheumann. Und unsterblich ist Robert Picat ab sofort – mit seiner eigenen Brücke im Herzen Gutenstettens.