Drei Tore für die SpVgg Ansbach: Wie Jörg Müller einst den Jahn zerlegte | FLZ.de

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 03.09.2025 10:43

Drei Tore für die SpVgg Ansbach: Wie Jörg Müller einst den Jahn zerlegte

Jörg Müller (links) und Reiner Eisenberger von der SpVgg Ansbach (hier eine Aufnahme von 2007). (Foto: Alexander Keck)
Jörg Müller (links) und Reiner Eisenberger von der SpVgg Ansbach (hier eine Aufnahme von 2007). (Foto: Alexander Keck)
Jörg Müller (links) und Reiner Eisenberger von der SpVgg Ansbach (hier eine Aufnahme von 2007). (Foto: Alexander Keck)

Viele Fußballer aus dem aktuellen Kader der SpVgg Ansbach waren noch gar nicht geboren, als die SpVgg Ansbach und der SSV Jahn Regensburg um die Jahrtausendwende regelmäßig gegeneinander spielten. Danach trennten sich die Wege. Am Freitag, 5. September, sieht man sich im Verbandspokal wieder (19 Uhr, Xaver-Bertsch-Sportpark).

Tiefpunkt Landesliga

Es ist der Tiefpunkt der Regensburger Vereinsgeschichte: 1996 war der Jahn in die fünftklassige Landesliga abgestiegen und hinter dem Stadtrivalen SG Post/Süd sogar nur noch die Nummer zwei. Das durfte so nicht bleiben. Am Neuanfang in personeller Hinsicht beteiligt waren Karsten Wettberg und Spielertrainer Roland Seitz. Es ging aufwärts.

„Ein perfekter Tag und etwas Glück”. Dann kann die Elf von Trainer Niklas Reutelhuber auch einen Drittligisten schlagen. (Foto: Martin Rügner)
„Ein perfekter Tag und etwas Glück”. Dann kann die Elf von Trainer Niklas Reutelhuber auch einen Drittligisten schlagen. (Foto: Martin Rügner)

„Ein cooles Los”: SpVgg Ansbach freut sich auf das Pokalspiel gegen Regensburg

Die Spfr Dinkelsbühl haben es einst vorgemacht, wie man den Jahn rauskegelt. Für die nullneuner ist das Heimspiel gegen den Drittligisten ein Highlight.
18.08.2025 16:45
query_builder4min

In der Spielzeit 98/99 belegten Regensburg und Ansbach die Plätze eins und zwei in der Landesliga Mitte und zogen gemeinsam in die Bayernliga ein. In der Saison danach wurde Regensburg gleich wieder Meister, wobei Ansbach beide Partien gewann. Beim 2:0-Sieg in Regensburg vor 1400 Zuschauern im August 1999 erzielten Hans-Jürgen Brunner und Jürgen Paul, heute Co-Trainer der nullneuner, die beiden Treffer beim mittlerweile von Wettberg trainierten Team. Auf der Ansbacher Bank saß Hubert Müller, der als Interimstrainer Wolfgang Bartusch vertrat und der Elf eine erfolgreiche Kontertaktik verschrieben hatte.

Neuzugang schießt alle drei Tore

Das Rückspiel im März 2000 wurde ein besonderes Erlebnis für Jörg Müller. Eben erst vom Drittligisten FC Schweinfurt 05 nach Ansbach gewechselt, erzielte der Mittelfeldspieler alle drei Tore. Das erste war ein direkt verwandelter Freistoß, das zweite gelang mit dem vermeintlich schwächeren rechten Fuß und das dritte fiel nach schönem Zusammenspiel mit Uwe Auernhammer.

„Ich kann mich vage erinnern”, sagt Müller (52) ein Vierteljahrhundert später, „das erste Tor war ein Freistoß, und das zweite habe ich irgendwie im Fallen auf dem rutschigen Boden erzielt”. Es war seiner Erinnerung nach wohl tatsächlich das einzige Mal, dass er drei Tore in einem Spiel schoss. Sicher ist, dass die Jahre des Ansbacher Aufschwungs damals die schönsten seiner Karriere waren.

Bartusch kurz vor einem Herzkasper

Da nach dem verletzungsbedingten Ausscheiden von Libero-Ikone Reiner Eisenberger, der in dieser Partie seinen 500. Pflichtspieleinsatz für die Ansbacher absolvierte, die Abwehr etwas wackelte, kam Regensburg noch auf 2:3 heran. Die Schlussphase der vom späteren Weltschiedsrichter Felix Brych geleiteten Partie brachte Bartusch „an den Rand eines Herzkaspers”.

2001 folgte Ansbach als Meister der Bayernliga den Regensburgern in die damals drittklassige Regionalliga nach. Dann endeten die gemeinsamen Jahre. Für die SpVgg ging es in die Bayernliga zurück, nicht zuletzt weil beide Spiele gegen den bayerischen Rivalen verloren gingen (1:2, 0:2).

Innerhalb von fünf Jahren in Liga zwei

2003 schaffte Regensburg den nächsten Aufstieg, hatte sich damit innerhalb von nur fünf Jahren aus der fünften in die zweite Liga gespielt und gehörte erstmals nach über 20 Jahren wieder dem Profifußball an. 2006 ging es nochmals in die viertklassige Bayernliga zurück, aber in der Folgesaison, ausgestattet mit einem Millionenetat, gleich wieder eine Liga nach oben. Parallel holte Ansbach mit einer großartigen Serie von 21 Spielen ohne Niederlage die Meisterschaft in der Landesliga.

Wichtig für die Entwicklung war das neue Stadion in Regensburg, das 2015 eingeweiht wurde und dem Verein, der Jahre zuvor nur knapp der Insolvenz entgangen war, auch finanziell neue Möglichkeiten eröffnete. Das alte Jahnstadion an der Prüfeninger Straße, in dem die Ansbacher meist antraten, wurde später abgerissen.

Auf der Trainerbank: Herrlich, Basler, Weinzierl

Seit 2008 spielt der Jahn mit Ausnahme der Spielzeit 15/16 immer in der zweiten oder dritten Liga. Und setzt dabei immer wieder auch auf prominente Trainer, darunter Heiko Herrlich, Michael Köllner, Markus Weinzierl und Mario Basler.

Als Drittligist zählen die Regensburger im Verbandspokal zu den attraktiven Gegnern für die unterklassigen Vereine. In der ersten Runde schnappte sich der schwäbische Kreisligist SG Alerheim den Jahn und wurde Zeuge kurioser Vorgänge.

Aufwärmtrikots ohne Nummern

Ein Missverständnis führte dazu, dass sowohl der Gastgeber als auch Regensburg in weißen Trikots spielen wollten. Regensburg hatte noch die roten Aufwärmtrikots dabei, aber die haben keine Rückennummern. Die Lösung: weißes Tape, mit dem die Nummern aufgeklebt wurden. Am Körper ein Provisorium, aber am Ball souverän: Regensburg gewann 8:0. Völlig klar allerdings, dass im Netz umgehend viele Klebeband-Witze in Zusammenhang mit dem Jahn auftauchten.

Infos zum Pokalspiel

Einlass ist am Freitag ab 17.45 Uhr, die Kassen öffnen um 17.30 Uhr (Tickets ausschließlich an der Tageskasse). Die SpVgg Ansbach weist darauf hin, dass es erhöhte Sicherheitskontrollen gibt. Taschen dürfen nur bis zu einer Größe von DIN A4 mitgenommen werden. Den Heimfans wird das Parken am Messezentrum empfohlen. Gästefans parken an der Realschule.


    Alexander Keck
    Alexander Keck
    Der noch in Vor-Internetzeiten der FLZ zugelaufene Schwarzwälder hat im Verlauf von fast drei Jahrzehnten die fränkischen Merkwürdigkeiten, die in Ohrmuscheln (Allmächd!) und auf Esstellern (Saure Zipfel!) landen schätzen gelernt. Nur die im Vergleich zu Spätzle stets zu breiigen Knödel mag der Schwabe nicht. Das Schreiben über Sport dagegen immer noch sehr - gerne auch abseits des Mainstreams.
    north