Matthias Schmidt und Anke Janowski haben sich einen Traum erfüllt. „Von null auf hundert“, wie die beiden Simmershöfer Bürger lachend erzählen. Die beiden 53-Jährigen sind stolze Besitzer eines Eiswagens, mit dem sie Kirchweihen, Messen sowie Feste aller Art in Unter- und Mittelfranken ansteuern.
Auch für Betriebs- und private Feiern kann man das Duo buchen, das eher durch Zufall zu seinem Zweitjob kam – und das natürlich auch schon in der eigenen Gemeinde anzutreffen war. Alles begann damit, dass ihr Sohn und die Schwiegertochter eine Eisdiele in der Fürther Fußgängerzone eröffnet hatten. Die beiden stürzten sich damit ebenfalls ins kalte Wasser. Der Vater der Schwiegertochter, der aus der Eisbranche kommt, fragte die jungen Leute eines Tages, ob sie denn nicht in sein Metier einsteigen wollen.
Das Paar – er gelernter Modellbaumechaniker und sie Hotelfachfrau –, ließen sich auf das Projekt ein, mit tatkräftiger Unterstützung der Schwiegereltern. „Das Geschäft floriert“, freuen sich Janowski und Schmidt. Irgendwann reifte bei den beiden die Idee, auch einmal etwas Neues zu wagen. „Ich bin ein Macher“, sagt Schmidt. Wieso also nicht mit einem Eiswagen auf Tour gehen? „Wenn wir einen solchen bekommen, macht ihr das Eis“, erklärten die aus Thüringen und Berlin stammenden Wahl-Simmershöfer Sohn und Schwiegertochter. Und es haute hin.
Die beiden erstanden einen gebrauchten Sprinter und brachten ihn zu einer Firma, die ihn nach ihren Wünschen ausbaute. Wichtig war ihnen, eine große Durchreiche zu haben, damit die Kundschaft einen Blick ins Innere werfen kann. Eine große Eistruhe, in der die kühle Nascherei vier bis fünf Stunden ihre Konsistenz behält, eine Sahnemaschine, Geräte für Milchshakes und eine Markise sollten nicht fehlen.
Später wurde das Mobiliar noch um einen kleinen Kühlschrank ergänzt. „Eine Kaffeemaschine hat aber leider keinen Platz mehr“, bedauert Anke Janowski. Deshalb wird der koffeinhaltige Muntermacher daheim gekocht, ebenso wie der Kakao und dann abgekühlt in Kannen abgefüllt. So kann man auch unterwegs Eiskaffee und Eisschokolade anbieten, ebenso wie leckere Milchshakes.
Zwölf Sorten haben Eis-Matze und Anke, wie sie sich nennen, an Bord – neben den Klassikern Schokolade, Vanille und Erdbeere auch die von der Schwiegertochter jüngst empfohlenen Renner Crème brûlée und Salted Caramel. Neuen Geschmackserlebnissen sind die beiden Eiswageninhaber stets aufgeschlossen. Letztlich entscheidet die Kundschaft aber, was geht. Dazu gehört auch das blau-türkise Schlumpfeis. „Darauf fahren nicht nur die Kinder ab“, sagt Anke Janowski, die als Altenpflegefachkraft in einer Senioreneinrichtung in Kitzingen tätig ist.
Froh ist sie, dass ihr Chef grünes Licht für die Stundenkürzung in den Sommermonaten auf 50 Prozent gab. Ansonsten ist sie zu 90 Prozent im Altenheim im Einsatz. Auch ihr Mann hat noch einen Hauptberuf. Er ist als Fuhrparkleiter für eine Firma im Einsatz, war vorher schon zwölf Jahre als Mess- und Regeltechniker auf Montage. Mit ihrem Eiswagen sind Matze Schmidt und Anke Janowski an den Wochenende auf Achse. Viel Platz ist im Inneren der mobilen Eisdiele nicht. Jede Ecke wird genutzt.
Immerhin müssen auch Toppings, Früchte, Hörnchen, Becher und Behältnisse für Shakes und andere Getränke so untergebracht werden, dass sie weder im Weg stehen noch bei einer Vollbremsung durchs Gefährt fliegen. Die beiden Eisverkäufer sind ein gut eingespieltes Team. Er kümmert sich ums Eis, sie vornehmlich um die Kasse. Erdbeer-, Schoko- und Amarena-Becher gehen neben den Kugeln im Hörnchen oder Becher flott von der Hand. Bei Sohn und Schwiegertochter haben sie sich einiges in puncto Dekoration abgeschaut.
Auf einen Klassiker müssen ihre Kundinnen und Kunden jedoch verzichten: Spaghettieis. „Dafür bräuchten wir eine Maschine. Für die haben wir aber leider keinen Platz.“ Die Anregung, die von Muskelkraft betriebene Version zu nutzen, probierten sie aus. Es war aber zu schweißtreibend und brachte dazu nicht das gewünschte Ergebnis. Also verzichtet das Duo lieber darauf. Die Arbeit im Eiswagen macht Spaß, auch wenn damit einiges an Arbeit verbunden ist. „Es ist schön, in die begeisterten Gesichter der Kunden zu sehen und ihnen was Gutes zu tun.“
Das Eis holen sie in Fürth bei Sohn und Schwiegertochter in der Eisdiele ab, dann wird es nach Simmershofen kutschiert und dort gekühlt „zwischengelagert“, um dann dann mit auf Tour genommen zu werden. Da die beiden Simmershöfer Neuem gegenüber stets aufgeschlossen sind, ist nicht auszuschließen, dass sie auch noch das Eismachen lernen. Die familiäre Unterstützung wäre ihnen auf jeden Fall gewiss.