Die rund 2320 Einwohnerinnen und Einwohner zählende Gemeinde Neuhof hat viel zu bieten. Dies machten der Bericht von Bürgermeisterin Claudia Wust, der spätere Rundgang durch den Ort und der Abstecher zu zwei Unternehmen im Rahmen des Besuchs von Landrat Dr. Christian von Dobschütz und seinem Team deutlich.
Im Rathaussaal erinnerte die Bürgermeisterin an die großen Projekte, die seit dem Jahr 2020 realisiert wurden. Genannt wurden etwa die Erschließung des dritten Bauabschnitts für das Baugebiet „Endlein”, der Bau zweier neuer Windräder bei Hirschneuses und der Erwerb des ehemaligen Sparkassengebäudes. In Letzterem entstanden eine barrierefreie Arztpraxis und Wohnungen. Im Garten wurde nach dem Abriss der alten Scheune eine zweigruppige Kinderkrippe gebaut. Die Dorferneuerung in Neukatterbach, Straßenerneuerungen und der Umbau des evangelischen Gemeindehauses in Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde zum offenen Begegnungshaus wurden ebenfalls aufgelistet.
Aufgebaut wurden ferner Nahwärmenetze für Neuhof und Neuselingsbach mit einem privaten Betreiber. Es entstand mit einer extrem hohen Förderung das sportliche grüne Band, zudem ertüchtigte man die kleineren Ortsteil-Kläranlagen. Derzeit entsteht nach dem Abbruch der alten Post auf dem Schlossplatz die neue Remise, die sich die Gruppe später beim Rundgang anschaute.
Bei der Sanierung des Pausenhofs der Grund- und Mittelschule wird der Fokus auf Entsiegelung und Wasserrückhalt liegen. Aus dem bisherigen Betonfeld soll eine grüne Oase nebst Regenwassermanagement und Spielplatz werden. Der dringenden Sanierung bedarf ferner das Freibad, das ein wichtiger Begegnungspunkt für Familien und ein Mehrwert für die Bevölkerung sei, wie die Bürgermeisterin unterstrich. Einsamkeit sei ein großes Thema, befand von Dobschütz und nannte Begegnung als eine kommunale Aufgabe.
Länger gesprochen wurde auch über den Bauturbo, der „Fluch und Segen zugleich ist”, so Wust. Einerseits stehe der Wunsch der Bevölkerung, an den Rand der Ortsteile zu bauen, andererseits das politische Ziel der Innenentwicklung. „Wir wollen, dass sich Menschen hier ansiedeln, aber keine Zersiedelung.” Der Landrat und seine Mitarbeitenden kennen das Dilemma und den Wunsch vieler Kommunen nach einer Leitlinie. Dabei sei es jedoch das Ziel, dass Kommunen möglichst viele Freiheiten haben und Bürokratie abgebaut wird – wie allerorts gefordert. Letztgenanntes sei aber schwer, räumte der Landrat ein.
Landratsamtsmitarbeiter Maximilian Geßler ergänzte, dass der Bauturbo kein Bauplanersatz sei. Auch er stellte fest, dass der Druck auf die Bauränder der Gemeinden hoch sei. „Die Innenentwicklung ist aber wichtig.” Hans Herold, der wie die weiteren Landratsstellvertreter Ruth Halbritter und Reinhard Streng von Dobschütz nach Neuhof begleitete, wies darauf hin, dass die Kommunen bestrebt sein müssten, junge Familien anzusiedeln und junge Menschen, die beispielsweise für die Ausbildung wegziehen, wieder zurückzuholen. Wenn nicht genug Kinder vor Ort seien, sei auch der Schulstandort in Gefahr.
Ruth Halbritter unterstrich die Notwendigkeit, Mietwohnungen zu schaffen und generationsübergreifendes Wohnen zu fördern. Als ein großes Problem schilderte der Landrat die hohen Entsorgungskosten für den Schutt bei der Sanierung eines alten Gebäudes. Wichtig sei es, eine Grundversorgung im Ort vorzuhalten und dass gesellschaftliches Leben stattfinde. „Wir machen zu wenig für junge Leute”, resümierte er und forderte dazu auf, ihnen etwas zu bieten.
„Ihr entwickelt euch grandios, seid sehr familienfreundlich. Man sieht, dass hier etwas vorangeht”, stellte Herold fest. Dem Lob schloss sich von Dobschütz an. Er zeigte sich begeistert, dass man neue Wege geht und verwies auch auf Co-Working-Angebote für Handwerker und weitere innovative Ideen für neues Arbeiten.
Voll des Lobes war er zudem für die hochwertige Gastronomie und Hotellerie, die man sich im Anschluss anschaute. Zuerst ging es zum Langasthof „Zenntaler Hof”, einem Familienbetrieb, in dem drei Generationen tätig sind. Dort wird neben Hotel und Gastronomie auch noch Landwirtschaft mit Tierhaltung betrieben. Derzeit entsteht ein neues Bettenhaus, das im Rahmen des Rundgangs angeschaut wurde.
Im Gespräch machten Markus und Heidi Burk deutlich, dass etliche Wanderer und Radfahrer den Betrieb ansteuern, auch dort nächtigen, um die Angebote in der Natur zu nutzen. „Wir sind aber Grenzgebiet, auch zum Fürther Land – wir sind Zipfelregion.” Sie wünschten sich mehr Werbung für ihre Region. „Wir arbeiten an einem Urlaubsmagazin”, sagte der Landrat und machte deutlich, dass man sich als Urlaubsregion präsentieren müsse, die Menschen anzieht. Als ein gutes Zugpferd sah er die Landesgartenschau (LGS) 2027 in Bad Windsheim.
Eventuell könne man für die Gäste Arrangements anbieten – mit Übernachtung, Verköstigung sowie Thermen- und Gartenschaubesuchen. Einbinden könnte man ferner für Fahrten auch das NEA-Mobil. „Der Kunde bucht und bekommt alles, inklusive Eintrittskarte zur LGS.” Von dieser Idee waren das Ehepaar Burk, deren Kinder Julia und Timo, die ebenfalls im heimischen Betrieb als ausgebildete Fachkräfte aktiv sind, und deren Oma Leni Burk begeistert.
Zurück ging es dann nach Neuhof, wo die Besichtigung des Hotels „Riesengebirge” auf dem Programm stand. Geschäftsführer und Inhaber Philipp Schneider stellte den Betrieb und sein Konzept vor. Los ging es in der Küche, in der nicht nur für die Gäste gekocht wird, sondern unter anderem auch Kochevents und Küchenpartys stattfinden. Auf die Frage, wie es um die Gewinnung von Nachwuchs bestellt sei, betonte Schneider, dass es mehr Bewerbungen als Stellen gebe. Vier Azubis hat man derzeit im Team. Die meisten würden über die sozialen Medien gewonnen, aber auch über die Ausbildungsbörsen des Landkreises fand man bereits Nachwuchs.
Als großes Plus wertete Schneider, dass man Wohnraum für die Mitarbeitenden anbieten könne. Wie erfolgt die Belegung des Hauses?, wurde gefragt. Tagungen und Workshops bilden inzwischen ein großes Segment, für das man etwa 15 Tagungsräume vorhält. Feiern, Events und Urlauber kommen hinzu. Neben dem Hotelgebäude verfügt man mit dem „Schwarzen Adler” und dem Gutshof Neun in der direkten Nachbarschaft über zwei weitere Örtlichkeiten. Auch hier riet der Landrat, mit Blick auf die LGS, Arrangements anzubieten. Eine Idee, die gut ankam.