Die Markt Erlbacher Bierkeller hinterlassen Spuren bis heute | FLZ.de

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 12.04.2023 16:36

Die Markt Erlbacher Bierkeller hinterlassen Spuren bis heute

Die vielen Stufen zum Merz-Keller im Kellerweg führen tief in Markt Erlbachs „Unterwelt“ hinunter. Der Grund des zugehörigen Eiskellers liegt sieben Meter tief unter der Erdoberfläche. (Foto: Robert Zöllner)
Die vielen Stufen zum Merz-Keller im Kellerweg führen tief in Markt Erlbachs „Unterwelt“ hinunter. Der Grund des zugehörigen Eiskellers liegt sieben Meter tief unter der Erdoberfläche. (Foto: Robert Zöllner)
Die vielen Stufen zum Merz-Keller im Kellerweg führen tief in Markt Erlbachs „Unterwelt“ hinunter. Der Grund des zugehörigen Eiskellers liegt sieben Meter tief unter der Erdoberfläche. (Foto: Robert Zöllner)

Ob im „Kellerweg“ oder im Namen des Kegelvereins – SKK Felsenkeller: Die Markt Erlbacher Bierkeller hinterließen Spuren bis heute. Robert Zöllner ging ihrer Geschichte nach.

Vor etwa 260 Jahren entstanden die Markt Erlbacher Felsenkeller, erläutert er. Der Auslöser war, dass man von obergärigem auf untergäriges Bier umgestellt hat. „Es war besser haltbar und beliebter. Aber: Es brauchte eine kältere Lagerung.“ Statt der bisherigen Keller, die nah an der Oberfläche lagen, wurden tiefe Räume in den Felsen hineingehauen.

Zunächst entstanden sie noch unter den Wirtshäusern, doch Zöllner nimmt an, dass kleine Hofstellen und die vorhandenen Gebäude das mühsame Heraushauen aus dem Stein erschwerten. Man ging an den Ortsrand. Im Buschhorn und im Kellerweg entstanden diese Industriedenkmäler, heute sind sie „Lost Places“ (zu Deutsch „verlorene Plätze“.

In diesem Fall kam der Anstoß für den Beitrag im aktuellen Markt Erlbacher Heimatbrief von außen: Walter Tropper recherchiert für eine Karte der historischen Kulturlandschaften. Zusammen mit Mitgliedern des Heimatvereins besuchte und dokumentierte er die fünf Markt Erlbacher Keller, die noch begehbar sind. Insgesamt gibt es zehn Keller in Markt Erlbach und unzählige weitere in ganz Ober- und Mittelfranken.

Der Markt sanierte die Eingänge im Buschhorn

Die Keller im Buschhorn sind im Eigentum der Gemeinde, welche die Eingänge sanierte. Sie dienen im Winter als Fledermausquartier, sind vor Vandalismus geschützt und können manchmal bei Führungen besichtigt werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Diese relativ späten Keller gehörten allesamt Brauereien. Dort waren riesige Fässer gelagert, die in der Regel auf ihren 30 bis 50 Zentimeter hohen Podesten verblieben. Das Bier wurde abgezapft. Doch warum sollte man eigentlich immer das Bier zu den Menschen in die Wirtshäuser bringen? Genausogut konnten diejenigen, die den Gerstensaft lieben, doch auch zum Bier kommen. Voilá, die Biergartentradition begann.

Und damit auch der Anfang vieler Kegelvereine in ganz Mittel- und Oberfranken: Denn zu den Zeitvertreiben in der Sommerfrische gehörte es auch, hin und wieder eine ruhige Kugel zu schieben.

Ende des 19. Jahrhundert wurden diese Bierkeller sogar noch einmal aufgerüstet – um einige Meter hohe Eiskeller, die während des Winters ganz mit Eisblöcken gefüllt wurden. 61 Kubikmeter Eis fasste so ein Keller. Die mussten im Winter aus den gefrorenen Weihern geschlagen werden. Noch Mitte der 60er Jahre ist überliefert, wie der Lamprechtskeller in Gemeinschaftsarbeit von vielen starken Männern mit dem Eis bestückt wurde. Schon der Bau der Keller, welche in Handarbeit in den Felsen geschlagen wurden, war eine schweißtreibende Angelegenheit. Der Genuss des Gerstensaftes scheint die Mühen wert gewesen zu sein.

Zu den Eiskellern, die zweischalig aus Backsteinen errichtet wurden, gehörte eine ausgeklügelte Zirkulation. Da warme Luft aufsteigt, mussten die Eisblöcke zumindest höher geschichtet sein als die Decken der Lagerkeller. Das Schmelzwasser musste zudem abfließen können.

In der ganzen Region, vor allem im Aischgrund gibt es noch sehr viele solcher Keller. Meist sind sie heute schwer zu nutzen und verfallen vor sich hin. Nur die Fledermäuse bewohnen sie im Winter gerne, so dass sie für die fliegenden Säugetiere von großem Wert sind.

Robert Zöllner plädiert für den Erhalt der nach außen hin meist unscheinbaren Bauten. Er schreibt im Heimatbrief: „Mit nur wenig Pflege, wichtig ist vor allem eine gute Durchlüftung, können sie als stumme Zeugen vergangener ländlicher Industriekultur (...) auch noch weitere Jahre überdauern


Ulli Ganter
Ulli Ganter
Redakteurin
north