„Das Beste ist das Überqueren der Ziellinie.“ Johanna Henke, 28 Jahre alt, hat sich Ende 2024 ihren Traum, einmal bei einem Triathlon zu starten, erfüllt. Zweieinhalb Monate lang bereitete sie sich auf diesen Moment vor, trainierte hart für ihr Ziel. Ihr großer Wunsch: Sie möchte noch einmal bei einer Triathon-WM starten.
Sportbegeistert war sie schon als Kind, erzählt Henke. Erst habe sie Handball gespielt, dann sei sie zur Leichtathletik und zum Laufen übergegangen. Auf dem Laufen lag ihr Fokus, auch heute noch bezeichnet sie es als ihre Lieblingsdisziplin. Aufgrund einiger Verletzungen musste die Sportlerin jedoch die Intensität des Trainings beim TSV 2000 Rothenburg im Landkreis Ansbach herunterschrauben.
So sei sie damals zum Radfahren und Schwimmen gekommen, erzählt die 28-Jährige. Und habe sich dann gedacht: „Dann kann ich auch gleich Triathlon machen.“ Die Idee, am WM-Triathlon in Taupo, Neuseeland teilzunehmen, hatte ursprünglich ihr Trainer Swen Sundberg. Um dort starten zu können, musste sich die Sportlerin durch einen Wettkampf qualifizieren. Gesagt, getan: Henke suchte sich für einen Wettkampf in Rapperswil in der Schweiz heraus, trainierte hart für ihr Ziel.
Dabei habe ihr Trainer sie immer wieder herausgefordert, so sehr, dass sie dachte, sie schaffe die Trainingsziele nicht. „Aber letztendlich hat es immer geklappt“, erinnert sie sich. Und auch ihr Traum vom Start in Neuseeland erfüllte sich: Beim Wettbewerb in der Schweiz konnte sie sich qualifizieren und trat dann am 14. Dezember vergangenen Jahres beim Triathlon an. Davor hieß es, sich vorzubereiten auf das große Ziel des ersten Wettkampfes. Zeit hatte sie dafür nicht viel, lediglich zweieinhalb Monate blieben ihr für das gezielte Training, erklärt Henke. Im Sommer hatte sie sich noch verletzt, erlitt einen Ermüdungsbruch im Fuß. „Die Zeit war Hardcore“, so Johanna Henke. Aber: Es klappte.
Für den Triathlon, der über die Mitteldistanz ging, legte die Sportlerin 1,9 Kilometer im Wasser zurück, daran schlossen sich 90 Kilometer auf dem Rad an und abschließend 21 Kilometer Laufstrecke.
„Ich war wahnsinnig nervös“, erinnert sich Henke an die Tage vor Beginn des Wettkampfes. Sie war mit ihrem Team etwas früher nach Neuseeland angereist, hatte sich die Bedingungen vor Ort angesehen und die Schwimmstrecke schon einmal abgeschwommen. Die Stadt Taupo liegt auf der Nordinsel Neuseelands, direkt am Tauposee. „Das Wasser war glasklar“, schwärmt Henke.
Während des Wettkampfes hatte es die Raddistanz ordentlich in sich, denn es galt, einige Höhenmeter zu überwinden. Eine echte Herausforderung. Die Laufdistanz am See sei auch ziemlich zäh gewesen, gibt Henke zu. „Ich bin stolz darauf, dass ich mitmachen konnte“, sagt sie. Sie sei zufrieden mit ihrer Zeit, konnte aber nicht alles zeigen – so ihr Resümee. Ob sie während des Wettkampfes mal ans Aufgeben gedacht hat? Solche Gedanken gebe es immer mal, erklärt die Sportlerin. Wichtig sei es, sich in solchen Momenten auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren, bei sich selbst zu bleiben, im sogenannten engen äußeren Bereich.
Besonders bei längeren Distanzen komme immer der Zeitpunkt, zu dem es einfach nur noch wehtut, weiß Henke. Durch mentales Training sei es möglich, die Schmerzen für den Moment auszublenden und sich nicht zu sehr darauf zu fokussieren.
Für Henke ist ihre Sportart ein Ausgleich zum stressigen Alltag. Es sei schön, direkt nach der Arbeit die Laufschuhe anzuziehen loszulaufen und dabei auf andere Gedanken zu kommen. „Für mich ist das Laufen ein Stück weit Freiheit und Unkompliziertheit“, betont sie. Neben ihrem beruflichen Alltag als Krankenschwester und in der ambulanten Pflege beansprucht das Training derzeit zehn bis 15 Stunden ihrer Woche. Für sie ist das gut mit der Arbeit vereinbar. Vor dem Triathlon reduzierte sie ihre Stunden, um genug Zeit für den Sport zu haben. „Es ist eine Herausforderung, Dranbleiben hilft da gut.“
Auch müsse sie manchmal den inneren Schweinehund überwinden, gibt Johanna Henke zu. Es helfe, sich im Vorfeld zu überlegen, welche Effekte das Training erzielt. Sie selbst fühle sich nach jeder Einheit besser als davor, erklärt sie. Denn: „Ich mache das, weil ich es liebe.“
Für dieses Jahr hat sich die Sportlerin schon einiges vorgenommen, wobei sie sich über Sponsoren freut, die ihre Ziele unterstützen. Auf dem Plan stehen ein Duathlon im April, ein Halbmarathon und zwei Triathlon-Mitteldistanzen. Und einen großen Traum hat sie noch: „Ich möchte noch einmal bei einer WM starten und zeigen, was ich kann.“