Brunnen, Unterwelt, Kostüme: Diese Stadtführungen sind in Neustadt 2026 geboten | FLZ.de

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Veröffentlicht am 06.04.2026 17:57

Brunnen, Unterwelt, Kostüme: Diese Stadtführungen sind in Neustadt 2026 geboten

Los ging die Brunnenführung mit Helmut Rupprecht (links) am Neptunbrunnen, der sich derzeit österlich geschmückt präsentiert. (Foto: Ute Niephaus)
Los ging die Brunnenführung mit Helmut Rupprecht (links) am Neptunbrunnen, der sich derzeit österlich geschmückt präsentiert. (Foto: Ute Niephaus)
Los ging die Brunnenführung mit Helmut Rupprecht (links) am Neptunbrunnen, der sich derzeit österlich geschmückt präsentiert. (Foto: Ute Niephaus)

„Brunnen sind steinerne Geschichtsbücher”, betonte Gästeführer Helmut Rupprecht bei einer Tour durch die Neustädter Altstadt, die sich Brunnen widmete. Während einige Exemplare erhalten blieben oder neu hinzukamen, zeugt von anderen nur noch ein vergilbtes Bild.

Wenn sich auch nur vier Interessierte am Karsamstag zur Führung vor dem Rathaus eingefunden hatten, so erwies sich das letztlich als Glück für die Teilnehmenden. Helmut Rupprecht hatte genügend Zeit, die Fragen der aus Neustadt und Würzburg Stammenden zu beantworten. Rupprecht stellte die Brunnen und damit verbunden das Thema Wasser nicht ohne Grund in den Mittelpunkt seiner Stadtführung, ist er doch beruflich für die Stadtwerke als Wassermeister tätig und kennt sich somit mit dem Metier bestens aus.

Die weiteren Termine

Neben den Altstadtführungen, die bis Oktober jeden Samstag jeweils um 11 Uhr am Rathaus ohne vorherige Anmeldung starten, finden auch öffentliche Kostümführungen statt.

Am 26. April und 19. Juli führt die Freiin Katharina vom Marktplatz aus durch die Altstadt, am 31. Mai und 21. Juni startet die Tour mit der Magd Barbara im Schlosshof, Beginn jeweils um 10.30 Uhr. In die Rolle der beiden Frauen schlüpft Gästeführerin Claudia Hirschlach.

Darüber hinaus können Touren zu verschiedensten Themen von Gruppen gebucht werden: Da können etwa bei einer Kellerführung die Geheimnisse der Neustädter Unterwelt entdeckt werden. Es gibt Kirchenführungen und ein Angebot, bei dem die historische Köstner-Schmiede in Augenschein genommen wird. Interessant ist ferner die Klostertour zum ehemaligen Zisterzienser-Nonnenkloster in Birkenfeld.

Weitere Informationen unter der Rufnummer 09161/662 09 05

    Premiere für Helmut Rupprecht

    Für den Gästeführer des Neustädter Geschichts- und Heimatvereins war die Brunnen-Tour, die in der Vergangenheit immer Altbürgermeister Dr. Wolfgang Mück geleitet hatte, eine Premiere. Bei dem rund anderthalbstündigen Spaziergang warf man einen Blick auf verschiedene Zierbrunnen, bei denen das Wasser eine zeitlose Rolle spielt. Passend zu Ostern begann die Runde am Neptunbrunnen, der mit unzähligen bunten Eiern geschmückt war.

    „Bereits vor 500 Jahren gab es hier einen Schachtbrunnen”, erzählte Rupprecht. Später entstand der Neptunbrunnen mit vier Röhren und einer Säule. Ab 1735 zierte ihn die Neptunfigur, erfuhren die Teilnehmenden. Über einen Kilometer wurde das Nass vom roten Brunnen in Unterstrahlbach mittels Holzleitungen zum Marktplatz und zu anderen Brunnen in der Stadt gepumpt. Noch heute schüttet der rote Brunnen. Vier Prozent der Neustädter Wasserversorgung stammen von ihm.

    So ähnlich sahen früher die Potschamperl aus, derer sich die reichen Damen bedienten, um darin ihre Notdurft zu verrichten.  (Foto: Ute Niephaus)
    So ähnlich sahen früher die Potschamperl aus, derer sich die reichen Damen bedienten, um darin ihre Notdurft zu verrichten.  (Foto: Ute Niephaus)

    Neue Stadtführungen in Kostüm: Magd Barbara zeigt tratschend „ihr” Neustadt/Aisch

    Gästeführerin Claudia Hirschlach gibt ungewöhnliche Einblicke in die Stadtgeschichte. Auch über ihren Chef hat sie so einiges zu erzählen.

    Die Mühlen waren ebenfalls Thema

    Weiter ging die Tour zur Ecke Ludwig-/Wilhelmstraße. Auf Höhe des heutigen Barbershops befand sich, wie Rupprecht auch anhand alter Fotos ausführte, ein Fließbrunnen. Aus dem rund fünf Meter großen Trog, der als öffentliche Wasserstelle diente, holte die Bevölkerung das benötigte Wasser. Neueren Datums waren die anderen Brunnen, die angesteuert wurden, wie etwa das Exemplar, das auf einem Areal zu finden ist, das Bürgermeister Georg Vogel gewidmet ist. Der sei sehr innovativ gewesen und habe im Hinblick auf die Wasserversorgung vieles erreicht, stellte Rupperecht fest.

    Erinnert wurde später an die Mühlen, die es gab, den kleinen Löschwasserteich auf dem Gänshügel und den Fließbrunnen, an den heute der Gänsehirtenbrunnen am Max-Döllner-Platz erinnert. Gespoppt wurde ferner am Heimatfestbrunnen in der Kellerei. In der Kirchgasse erzählte Rupprecht von den Badehäusern, die es schon vor 650 Jahren in Neustadt gegeben hatte. Viel Wasser sei dort vonnöten gewesen.

    Auch Gebäude haben etwas zu sagen

    Vorbei am Schloss, das mit Wasser von den Herrenbergen versorgt wurde, und dem Brunnen gegenüber der Stadthalle ging es weiter zum Luitpoldbrunnen auf dem Peter-Kolb-Platz. Dieser habe früher dort gestanden, wo jetzt der Gänsehirtenbrunnen platziert ist, war neben einigem Geschichtlichem zu erfahren. Am Ende der interessanten Runde dankte Rupprecht all jenen, die dafür sorgen, dass die Brunnen im wahrsten Sinne des Wortes am Laufen bleiben und so ein Stück Geschichte lebendig halten.

    Mehr über Neustadt, in deren Altstadt über die Jahrhunderte zahlreiche historische Bauwerke entstanden sind, kann bei weiteren Führungen erfahren werden. Auch diese Gebäude und Denkmäler bergen viele Geschichten. Die Stadtführerinnen und Stadtführer des Geschichts- und Heimatvereins wissen viele Anekdoten und allerlei Wissenswertes aus der langen Geschichte zu erzählen, teilt die Stadt Neustadt in einer Presseinformation mit.

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