„200 zum Zweiten, und, niemand mehr, 200 zum Dritten.“ Bürgermeister Jürgen Heckel gibt den Auktionator. Versteigert wurden Bilder des Ehepaares Marlies und Werner Niederhausen.
Sie hatten die Gemälde dem Förderverein Klosterchor gestiftet und wollen damit die Sanierung des Gebäudes samt seiner Historischen Stadtbibliothek unterstützen. 2500 Euro kamen so am Ende zusammen.
In den Mienen von Fördervereinsvorsitzender Sabine Detsch, dem Mäzen Niederhausen und dem Stadtoberhaupt spiegelt sich Sorge wieder, weil bis zur Auktion um 18 Uhr im Klosterchor die Anzahl der Besucher überschaubar blieb. Erst kurz vor Beginn trudelten noch Interessierte ein, so dass knapp 30 auf den Stühlen Platz nahmen. Zäh lief auch die Veranstaltung an, so zäh, dass Heckel bat, das favorisierte Bild zu nennen, um es zur aufgerufenen Summe an die Frau oder den Mann zu bringen.
Heckel war bemüht, die potenziellen Käufer zur Gebotsabgabe zu bewegen. Mit zahlreichen Ideen zur Verwendung der Gemälde – „das Bild passt doch in ihr Wohnzimmer, ein tolles Geschenk zum Muttertag“, wollte der Rathauschef die Auktion befeuern. Lag es an ihm, lag es an Werner Niederhausen, dessen Frau Marlies krankheitsbedingt nicht anwesend war, jedenfalls nahm die Versteigerung langsam Fahrt auf. Niederhausen wusste zu jedem Bild eine Geschichte, woher es stammt, wann gekauft, restauriert oder im Original belassen, alles Informationen, die potenzielle Interessenten zu schätzen wissen.
Und richtig, es entwickelten sich tatsächlich Bietergefechte. Für die Gemälde gab es Mindestpreise, aufgerufen wurden Summen zwischen 30 und 300 Euro, wobei nach Aussagen von Werner Niederhausen der vorab kalkulierte Wert teils weit darüber lag. Bei manchem Bild sei der Rahmen bereits deutlich teurer als der Mindestpreis, hieß es. Spannung brachte das Bild eines Mädchens am Strand in die Versammlung der Kunstsinnigen. Aufgerufen für 50 Euro, lag am Ende der Zuschlag bei 220 Euro. Für die „Ähren auf dem Feld“ aus den 1940er Jahren wurden bei einem Mindestpreis von 30 Euro letztlich 150 Euro erzielt. Das opulente Gemälde wird künftig in einem Bad Windsheimer Haushalt hängen.
„Schönheit liegt im Auge des Betrachters und wenn’s einem gefällt soll man’s kaufen.“ Der Ausspruch eines Interessenten stellte keineswegs die Qualität der über 30 Bilder in Frage, die in die Versteigerung gegeben wurden. Vielmehr bezog sich die Aussage auf die quer durch verschiedene künstlerische Epochen und Genres angebotenen Bilder. Von Kohlezeichnung mit Pastellkreide, Öl auf Holz oder Leinwand, auf Keilrahmen, mit Kunststoffrahmen, aufwendig gearbeitetem Rahmen, hinter „altem Glas“ bis hin zu opulenten Bildhaltern aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, war alles vertreten.
Die zunächst nicht vermittelbaren Gemälde stellte Heckel zurück, um sie gegen Ende erneut zu präsentieren. Während sich für wenige der Bilder kein Bieter fand, gingen doch zum Schluss noch einige der „aufgehobenen“ Gemälde weg. Die erzielte Endsumme bewegte sich bei 1450 Euro. Der Nachverkauf war dann noch sehr erfolgreich. 1050 Euro kamen zusammen. Verkauft wurden diese Gemälde zum Mindestpreis, betonte der Bürgermeister, um den Verdacht etwaiger Mauscheleien gar nicht erst aufkommen zu lassen. Am Schluss überwog Zufriedenheit. Detsch und Heckel freuen sich über 2500 Euro für den Erhalt des Klosterchores und Familie Niederhausen über das Interesse an einem Teil ihrer Gemäldesammlung.