„Humor in Deutschland war noch nie einfach“, so Helmut Schleich am Freitag in den Ansbacher Kammerspielen. Mit seinem prall bestückten Solo „Das kann man so nicht sagen“, machte der Kabarettist allerdings vor, dass Humor durchaus beim Publikum punkten und letztlich für großen Jubel sorgen kann.
Schleich hatte an diesem Abend den Humor-Nerv der Besucherinnen und Besucher recht gut getroffen. Politik und Bahn waren da geeignete Stofflieferanten, etwa das Zukunftsmodell sogenannter „Stehzüge“, die nie abfahren und so immer Pünktlichkeit garantieren könnten.
Dann setzte er gleich einmal beim Herbst der Reformen an, der ihm offenbar sauer aufstieß. Es werde aber nur um den heißen Brei herumregiert, so gebe es nur „Reförmchen peu à peu“. Zudem leide die Gesellschaft unter einer fortschreitenden Infantilität und Verblödung, was sich in sprachlichen Dauerschleifen wie „Viel Spaß damit“ oder auch „Bleiben Sie gesund“ äußere.
Solche Kommunikationsmuster könnte längst auch die KI übernehmen. Ignoranz werde mit einer simulierten Freundlichkeit zugekleistert, beschrieb Schleich das vermeintliche Krankheitsbild. Es sei auch das Zeitalter der Sprachhygiene, die zu einem linguistischen Waschzwang abzugleiten drohe.
Eine eher rustikale Freundlichkeit sei typisch für Dialekte. Das Altbairische bringe jede KI zum Straucheln, sei zudem eine zuverlässige zwischenmenschliche End-zu-End-Verschlüsselung, die, zugegeben, schon auch ausgrenzen könne.
Für die aktuelle Regierung sei die 100-Tage-Schonzeit vorbei. Besser sei es seit dem Ende der Ampel nicht geworden, der Fachkräftemangel sei nach wie vor deutlich erkennbar, auch im Regierungswesen. Aber die seien ja nicht dumm, sagte Schleich augenrollend, hätten nur Pech beim Denken. Lachen und Beifall.
Alle bekamen ihr Fett ab, die SPD etwa, der die Stammwähler abhandengekommen seien, Friedrich Merz eh sowie die CSU, die sich noch immer an den Werten zu Franz-Josef-Strauß-Zeiten gemessen werde: Eigentum verpflichte zu mehr Eigentum oder auch „Vox populi, vox Rindvieh“. Noch immer große Klasse, wenn Schleich Strauß aus dem Jenseits die Lage kommentieren lässt. Es sei auch nicht gut, so der Münchner Kabarettist, wenn die bayerischen Ministerpräsidenten aus den Kolonien kämen. Kurze Denkpause, Beifall.
Ein Kabinettstückchen war auch die Idee des Biogas-Fernsehers, der seine Energie selbst aus dem „Scheiß der angesehenen Fernsehprogramme“ gewinne.
Spitzzüngig, sehr fein beobachtet, mit reichlich Tempo und Wortwitz, schleuderte Schleich seine blitzschnellen Gedanken in die Runde, garnierte sie mit wilder Gestik und Mimik – das Publikum reagiert darauf: mit spontanem Klatschen und jubelgleichem Lachen.