„Treff mich in einem Land der Hoffnung und der Träume“. „Ein frommer Wunsch“, möchte man entgegnen, besonders, wenn man an das Heimatland dessen denkt, der diesen Satz formuliert hat: Bruce Springsteen. Am Freitag war es Daniel Schmidgunst, der bei seinem Tribute-Konzert in den Kammerspielen daran erinnerte.
Um es gleich vorwegzunehmen: Er brachte ihn nicht, Springsteens neuesten Kommentar zum Zeitgeschehen in den Vereinigten Staaten. „Wir haben den Song noch nicht eingespielt“, sagte Saxophonistin Marie Birkholz nach der Show. In „Streets of Minneapolis“ sucht der „Boss“ die jüngsten Ereignisse, bei denen kurz hintereinander in den USA zwei Menschen durch Einsatzkräfte der Immigration and Customs Enforcement (ICE) getötet wurden, zu verarbeiten. Springsteen war schon immer ein politischer Musiker.
Das wird auch so deutlich, indem Daniel Schmidgunst sich nicht damit begnügt, nur einfach seine Songs zu präsentieren, sondern auch viel aus Springsteens Leben erzählt. Über die Arbeitermilieu-Herkunft, das schwierige Verhältnis zum Vater, die frühe Eigenständigkeit und das musikalische Erweckungserlebnis durch Elvis Presley. Vieles ist bekannt, doch wenn es umrahmt wird von einer Musik, die dem Original extrem nahekommt, dann weht Springsteens Geist spürbar durch die Hallen.
Das hat ganz viel mit Daniel Schmidgunsts Stimme zu tun. Schon nach den ersten wenigen Sequenzen ist er da: der Boss mit seinem leicht rauchigen, dunklen, kraftvollen Timbre. Die Augen zu – obwohl das schade wäre – und man befindet sich mitten drin in der Illusion.
Erfreulich ist, dass Schmidgunst nicht versucht, den wuchtigen, drallen Sound von Springsteen und seiner E Street Band zu kopieren. Vielmehr hat er die Songs auf eine Kammerspiel-Version gedimmt, bei der ihn zwei ausgezeichnete Instrumentalisten begleiten: der Keyboarder Andreas König, und die Saxophonistin Marie Birkholz. Schmidgunst selbst spielt die Gitarre, die der Lübbenauer seit seinem zwölften Lebensjahr bearbeitet.
Lauscht man diesen Interpretationen, so wird man über den Springsteen überrascht sein, den man unter den kraftvollen, dynamischen, rocklastigen Nummern entdeckt. Eher nachdenklich, beinahe ein wenig melancholisch, im Tempo zurückhaltend, die Melodien schlicht, aber eingängig, fast der Tradition der Singer-Songwriter verhaftet – vor allem bei frühen Liedern. So ergibt sich eine überraschend intime Atmosphäre. Es scheint beinahe, als werde man Zeuge des Entstehens einer Legende.
Dabei wird deutlich, dass Springsteen, bevor ihn der ganz große Ruhm ereilte, schon durch zahlreiche Cover bekannt war. „Blinded by the Light“ wurde durch Manfred Mann ein Erfolg, „Because the Night“ verhalf Patti Smith zum Durchbruch und „Fire“ machten die Pointer Sisters zum Hit. Und er schrieb eine Hymne, „Born in the USA“, die leider meist falsch verstanden wird. Schon damals setzte er sich kritisch mit den Folgen des Vietnamkriegs auseinander.
All diese Lieder hat Schmidgunst im Programm und schafft damit ein einfühlsames Springsteen-Portrait, durch das man sich dem Original ganz nahe fühlt: Eigentlich braucht es gar keinen Bruce, wenn man einen Daniel hat.