Ansbacher Kammerspiele: Django Asül schaute in seinen satirischen „Rückspiegel” | FLZ.de

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Veröffentlicht am 19.12.2025 16:05

Ansbacher Kammerspiele: Django Asül schaute in seinen satirischen „Rückspiegel”

Gnadenlos genauer Beobachter: der Kabarettist Django Asül bei seiner Jahresrückschau in den Ansbacher Kammerspielen. (Foto: Elke Walter)
Gnadenlos genauer Beobachter: der Kabarettist Django Asül bei seiner Jahresrückschau in den Ansbacher Kammerspielen. (Foto: Elke Walter)
Gnadenlos genauer Beobachter: der Kabarettist Django Asül bei seiner Jahresrückschau in den Ansbacher Kammerspielen. (Foto: Elke Walter)

Noch immer heißt der Jahresrückblick von Django Asül „Rückspiegel“. Ein geschickter Zug, so lässt sich mit Blick auf das jeweils vergangene Jahr immer wieder Neues berichten. Am Donnerstag war der Kabarettist zu Gast in den Ansbacher Kammerspielen.

Geändert habe sich gegenüber letztem Jahr natürlich so einiges, was das fachkundige Publikum, so der Kabarettist, nach 16 Jahren Rückspiegel in den Ansbacher Kammerspielen schnell feststellen werde. Für ihn sei das wie eine Art Abo-Veranstaltung.

Django Asül legte ungebremst los

Und dann legte er gleich ungebremst los, im Blick die Regierung, die, wie er betonte, die zarte GroKo-Hoffnung auf Besserung, schon gleich am Wahlabend geschreddert hatte. Die GroKo wurde schnell zur „WakoKo“, ausgeschrieben Wachkoma-Koalition. Es treffe „Sondervermögen des Bundes auf Unvermögen der Bundesregierung“, wie sich nach und nach herausgestellt habe.

Geschont wurde niemand, auch Bundeskanzler Friedrich Merz natürlich nicht. Schon die Kanzler-Wahl. Die sei nicht nur „wie ein nasser Waschlappen ins Gesicht gewesen, eher wie ein nasser Sack in die Weichteile“. Der Beliebtheitsgrad des Kanzlers in Umfragen? Na ja, keine reife Leistung.

Wirklich gut weggekommen waren aber auch seine Kolleginnen und Kollegen nicht. Da war etwa eine SPD, die längst keine Arbeiterpartei mehr sei, für die die Rentenplanung zur Überlebensfrage werde. Dazu ein Verteidigungsminister, der unter anderem die Wehrdienstfrage zu klären habe. Losverfahren, also eine Art „Wehrdienst für Pechvögel“ gegenüber geringem Interesse an Freiwilligkeit? Schwierige Überlegungen, ein Drama für sich.

Django Asül tippte viele Themen an. Neben Zustrom-Begrenzungsgesetz, Bürgergeld und Krankenkassenbeiträgen, kamen auch Trump und seine problematische Stellung in der Welt dazu. EU, Wirtschaftswachstum und Klimaschutz: auch so ein dunkles Bermudadreieck.

Im Bildungssystem kranke es ebenfalls, Lehrermangel sei im internen System nicht evident. Soll- und Ist-Zustand bezüglich besetzter Stellen, gingen weit auseinander. In Baden-Württemberg würden Statistiken sogar mit Phantom-Lehrern geführt werden. Unterricht ginge so nicht. Das ist für Django Asül wie Bahnfahren: Laut Plan sollen Züge fahren, kommen aber nicht. Sein Vorschlag, das System mit festen Tickets gegen ein Loskonzept auszutauschen. Man rechne eh mit einer Niete, könne sich also über den Zug dann so richtig freuen. Bahnzufriedenheit mit anderen Mitteln.

Das Kanzlerinnen-Comeback

Auch ein Comeback des Jahres hatte er im Angebot, Angela Merkel als Buchautorin auf Lesetour.

Munter, redegewandt und mit einem ur-komischen Talent für skurrile Schlussfolgerungen, begeisterte er sein Publikum. Er unterfütterte seine spitzzüngigen, schon auch einmal bitterbösen Anmerkungen mit Originalzitaten und Statistik-Auszügen, was die Beobachtungen zusätzlich unterstrich und wahrhaftiger werden ließ. Django Asül, gnadenlos genauer Beobachter und hervorragender Kabarettist, zur großen Freude des Publikums.


Von ELKE WALTER
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