Als pensionierter Kriminalbeamter hat Günter Gußmann einen scharfen Blick für Dokumente. Dies passt gut zu der Sammelleidenschaft, die er und seine Frau Brigitte teilen. Drei historische Fotos mit Bezug zu ihrer Heimatstadt Ansbach werfen für sie Fragen auf. Diese zeigen wohl Gruppen von Männern Anfang des 20. Jahrhunderts.
Ob Haushaltsauflösung, Antiquariat oder Flohmarkt: Gerade Brigitte Gußmann (71) liebt es, nach Zeugnissen der Geschichte zu stöbern. Dies belegen zum Beispiel ein Album mit Ansbach-Postkarten, Ansbacher Adressbücher von 1926 und 1929 oder Kinderbücher aus früheren Zeiten. Der jüdischen Bevölkerung gilt bei all dem ein besonderes Augenmerk des Ehepaars, das inzwischen in Weihenzell wohnt.
Das Ehepaar Gußmann liest gerne die Beiträge in der Serie „Zurückgeblättert“ in der Fränkischen Landeszeitung. Darin steht der Ansbacher Alltag vor 100 Jahren im Mittelpunkt. Bei der Lektüre stießen die zwei früheren Ansbacher jüngst auf den Pfeifen-Club Sevilla. Der hatte in einer Annonce für einen Sonntag im Jahr 1924 zum Tanzkränzchen in den Orangeriesaal eingeladen.
Zu den drei Bildern von Anfang des 20. Jahrhunderts war Brigitte Gußmann einmal beim Lions-Flohmarkt in Ansbach gekommen. Eines, augenscheinlich 1909 von „Alfr. Ortloff, Ansbach, königl. bayr. Hofphotograph“, aufgenommen, zeigt wahrscheinlich Mitglieder des Pfeifen-Clubs. Eine Fahne mit dem Clubnamen und dem Zusatz „Ansbach 1908“ deutet darauf hin. Unter dem Foto steht „Zur Erinnerung“.
Rauchclubs waren in der Zeit um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert beliebte Gesellschaftsvereine. Auf einem anderen Bild, ebenfalls von Alfred Ortloff, ist eine „Tischgesellschaft D.Z.“ mit der Jahreszahl 1909 und der Aufschrift „Zur Erinnerung“ abgebildet.
Auf dem dritten Foto dagegen sind junge Männer in Militäruniformen postiert. Unter der Aufnahme heißt es „Zur Erinnerung an meine Ausbildungszeit 1912/13“. Warum interessiert sich Brigitte Gußmann für die drei Bilder? „Ich habe gelesen, dass es ein Ansbacher Fotograf ist, und habe mir gedacht: Das müssen Leute aus Ansbach sein.“
Brigitte Gußmann vermutet, dass einer der Männer auf allen Fotos posierte und ihm die Bilder dann wohl auch gehörten. „Zeitlich würde das ja passen“, stellt Günter Gußmann (72) fest. Seine Frau versuchte schon herauszubekommen, welche Personen darauf einander ähneln – bislang jedoch ohne Erfolg.
Brigitte Gußmann recherchiert allerdings weiter. Sie hofft auf die Hilfe der FLZ-Leserinnen und Leser. „Auf den Fotos sind ja so viele Leute“, merkt sie an, „vielleicht erkennt irgendjemand seinen Großvater oder Urgroßvater.“
Wer etwas zu den Fotos und den abgebildeten Personen beitragen kann, wendet sich an Brigitte und Günter Gußmann – über die E-Mail-Adresse guentergussmann@web.de.