Zwischen Skyline und zwei Strömen: Citytrip nach Belgrad | FLZ.de

arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 20.09.2026 05:07

Zwischen Skyline und zwei Strömen: Citytrip nach Belgrad

Mit 168 Metern das höchste Gebäude Serbiens ist der jetzt schon ikonische Kula Beograd. (Foto: Tourist Organization of Belgrade/dpa-tmn)
Mit 168 Metern das höchste Gebäude Serbiens ist der jetzt schon ikonische Kula Beograd. (Foto: Tourist Organization of Belgrade/dpa-tmn)
Mit 168 Metern das höchste Gebäude Serbiens ist der jetzt schon ikonische Kula Beograd. (Foto: Tourist Organization of Belgrade/dpa-tmn)

Manchmal wie Dubai, manchmal fast mediterran, dann wieder brutalistisch, verträumt oder hip: Belgrad ist voller Kontraste und Brüche. Eine glattgebügelte City-Schönheit wie aus einem Guss würde man auch nicht erwarten angesichts der bewegten Geschichte, die die Habsburger, die Osmanen und die sozialistische Ära prägten.

Wenn im gepflasterten Ausgehviertel Skardalija abends der Rakija fließt und Folklore-Bands mit Akkordeon und Kontrabass durch die Kafanas (Tavernen) ziehen, zeigt sich die herzliche, feierfreudige serbische Seele. Typisch für die Stadt sind auch die „Splavovi“, fest verankerte, schwimmende Bars und Restaurants, die Donau und Save säumen.

Zugleich ist die Hauptstadt Serbiens mit knapp 1,4 Millionen Einwohnern reich an besinnlicheren Orten. Hier kann man zur Ruhe kommen und Weitblicke genießen. 

Wahrzeichen mit Weitblick: Festung und Parkanlage Kalemegdan

Wo die Save in die mächtige Donau mündet, thront auf einem Kalksteinhügel die historische Festungsanlage. Belgrads Herz und Wahrzeichen mit zweitausendjähriger, höchst wechselvoller Geschichte liegt heute eingebettet in die weitläufige Parkanlage Kalemegdan.

Von Kelten erstmals 279 v. Chr. besiedelt, errichteten Römer dort später ein Militärlager. Über die Jahrhunderte fiel der strategisch begehrte Befestigungshügel an verschiedenste Eroberer. Byzantiner, Habsburger und Osmanen erweiterten die römischen Grundmauern - bis der Kalemegdan 1867 vollständig an die Serben überging.

Heute flaniert man unter Bäumen entlang historischer Mauern, durchschreitet Tore und Türme und erspäht Denkmäler wie die auf einer meterhohen Säule thronende Bronzeskulptur Pobednik (Der Sieger). Vom Terrassencafé oberhalb der Rosenkirche schweift der Blick über das Flussdelta bis nach Novi Beograd mit seinen brutalistischen Wohnblöcken aus der Ära Titos und den Bezirk Zemun.

Infos: serbia.travel/de/belgrader-festung

Stadtbummel: Fruchtschnitte und Rooftop-Bar

Der Belgrader Altstadtbezirk Stari Grad bietet viele Attraktionen - der Kalemegdan und das angesagte Viertel Dorćol sind nicht die einzigen: Am zentralen Platz der Republik etwa führen Stufen in das Serbische Nationalmuseum mit jahrtausendealten Artefakten. Etwa die monumentalen Steinskulpturen aus Lepenski Vir als Zeugnisse der frühen Donaukultur. Sie datieren auf das 10. bis 6. Jahrtausend v. Chr. und gehören zu den außergewöhnlichsten Kunstwerken der europäischen Mittelsteinzeit.

Das 1908 eröffnete „Hotel Moskva“, ein architektonisches Juwel im Jugendstil, lädt in seinem opulenten Café zur fruchtigen Moskva-Schnitte. Das ist eine berühmte Obst-Sahne-Torte und Institution der Küche Belgrads, erdacht vor über 50 Jahren im Hotel-Café, eine geschützte Marke.

Von hier aus kann man sich nordwärts auf der Flaniermeile Knez Mihailova ulica und durch ihre Seitengassen treiben lassen. In der verwinkelten Altstadt kommt fast mediterranes Flair auf. Neben neoklassizistischen und Jugendstilfassaden prägen Straßenmusiker, Händler und Popcorn-Buden die Fußgängerzone. Am nördlichen Ende lohnt der Besuch des durchdesignten Hotels „Mama Shelter“ mit seiner Dachterrasse über den Dächern der Stadt - wo auch Einheimische Drinks schlürfen.

Infos: narodnimuzej.rs; hotelmoskva.rs; mamashelter.com/belgrade

Zemun: Der einstige Fischerort

Die kopfsteingepflasterten Gassen und niedrigen pastellfarbenen Häuschen der alten Flusshandelsstadt verströmen ein dörfliches Flair. Über Jahrhunderte war Zemun nicht nur ein eigenständiger Ort - hier verlief einst die Grenze zwischen Österreich-Ungarn und dem Osmanischen Reich. 1945 wurde Zemun Teil des einstigen sozialistischen Groß-Belgrads.

Entspannt lässt es sich hier entlang der Donau spazieren. Flusskreuzfahrtschiffe machen fest, Fischrestaurants reihen sich entlang der Promenade, darunter traditionsreiche wie das „Šaran“ oder das „Venecija“ am Zemuner Kai, bekannt unter anderem für ihre Fischsuppen. Frischen Fisch für die eigene Zubereitung und regionale Produkte gibt es auf dem täglichen Stadtmarkt Zemunska pijaca. 

Wenige Gehminuten bergauf ist der Gardoš-Turm erreicht, Wahrzeichen Zemuns. Er steht auf dem Gardoš-Hügel und eröffnet eine traumhafte Aussicht auf die roten Dächer des alten Fischerstadtteils, die Donau und manche Wolkenkratzer Neu-Belgrads.

Infos: visitzemun.com; www.bgpijace.rs 

Im Fluss: Die Save-Insel Ada Ciganlija

Ein erholsames Freizeitrefugium findet man auf der rund sechs Kilometer langen, bewaldeten Flussinsel Ada Ciganlija, kurz Ada. Hier verstummt die Großstadt. Als die Insel in den 1960er-Jahren durch zwei Dämme mit dem südlichen Ufer verbunden wurde, entstand, was die Hauptstädter gern ihr „Belgrader Meer“ nennen.

Der See ist beliebt bei Wassersportlern und gerahmt von Kieselstränden und Beachclubs. Man kann baden, sich bei einem kühlen Getränk in eine Hollywoodschaukel sinken lassen oder Ada zu Fuß, mit einer kleinen Bimmelbahn oder per Leihrad erkunden.

Vorbei an Grillwiesen, Tennisclubs und einem Golfplatz geht es zum Nordufer Adas, das weniger frequentiert, aber von Hausbooten gesäumt ist - in manche kann man sich einquartieren.

Infos: adaciganlija.rs/en

„Klein Dubai“: Neue Skyline an der Waterfront

Das alte, alternative Hafenviertel am östlichen Saveufer ist während der vergangenen zehn Jahre der mondänen „Belgrade Waterfront“ gewichen. Statt Lagerhallen streben heute exquisite Wohntürme empor. Die breite Uferpromenade lädt zum Spazieren, die noble Einkaufsgalerie zum Stöbern ein.

Nebenan thront mit dem 168 Meter hohen Kula Beograd das höchste Gebäude Serbiens, 2024 eröffnet. Realisiert hat es das Architekturbüro Skidmore, Owings and Merrill, das auch den Burj Khalifa, höchstes Gebäude der Welt, geplant und gebaut hat. 

Der gläserne Bau beherbergt ein Luxushotel und bietet den wohl eindrucksvollsten Rundumblick über die Metropole: Erst im April 2026 eröffnete im 41. Stockwerk die Aussichtsetage „Belgrade 360 Deck“. Ein Hingucker: die blaue Kuppel des Doms des Heiligen Sava, entworfen nach dem Vorbild der byzantinischen Hagia Sophia. Die imposante Kirche gilt als ein Wahrzeichen der Stadt und ist eines der größten orthodoxen Gotteshäuser der Welt.

Infos: belgradewaterfront.com/en; belgrade360deck.com/en

Links, Tipps, Praktisches:

Reiseziel: Belgrad, Hauptstadt des Landes mit rund 1,4 Millionen Einwohnern, liegt im nördlichen Zentrum Serbiens an der Mündung der Save in die Donau.

Anreise: über den Flughafen Belgrad Nikola Tesla, weiter mit dem Bus (72, 600) oder dem A1-Flughafen-Minibus. Routenplanung: busevi.rs/en

Einreise: mit Personalausweis oder Reisepass

Mobilität vor Ort: Der ÖPNV (außer einigen Minibuslinien, darunter der A1-Flughafen-Minibus) ist seit 2025 kostenlos.

Beste Reisezeit: Die Sommer sind heiß. In Frühjahr und Herbst ist das Klima für eine Städtereise angenehmer.

Übernachten: Doppelzimmer in Hotels oder Hostels gibt es bereits ab etwa 30 Euro.

Geld: Währung ist der Serbische Dinar (RSD). 100 RSD entsprechen etwa 0,85 Euro. Kreditkarten und Bargeld sind gängig. Weitere Informationen: serbia.travel

© dpa-infocom, dpa:260920-930-712532/1


Von dpa
north