Zwischen Preiskrise und steigenden Auflagen: Schweinehaltung im Landkreis Ansbach | FLZ.de

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Veröffentlicht am 01.03.2026 10:20

Zwischen Preiskrise und steigenden Auflagen: Schweinehaltung im Landkreis Ansbach

Neugierig sind die Ferkel. Sie beschäftigen sich unter anderem mit dem Pellet-Spielzeug (rechts), um ihrem Wühldrang nachzukommen. (Foto: Antonia Müller)
Neugierig sind die Ferkel. Sie beschäftigen sich unter anderem mit dem Pellet-Spielzeug (rechts), um ihrem Wühldrang nachzukommen. (Foto: Antonia Müller)
Neugierig sind die Ferkel. Sie beschäftigen sich unter anderem mit dem Pellet-Spielzeug (rechts), um ihrem Wühldrang nachzukommen. (Foto: Antonia Müller)

Harald May öffnet die Stalltür: Aufgeregtes Quieken macht sich breit und hunderte kleine Beinchen flitzen herum. Schon nach wenigen Sekunden überwiegt aber die Neugier. Viele kleine, wache Augen blicken den Landwirt an. Die Gruppe nähert sich langsam. Eines der Ferkel stupst mit dem Rüssel die ausgestreckten Finger des 44-Jährigen an.

Schweine sind immer in Gruppen zusammen – bei Aufregung genauso wie beim Schlafen oder Erkunden. „Rudeltiere”, erklärt May. Sein Hof liegt im Leutershäuser Ortsteil Stettberg. 320 Zuchtsauen und ihre Ferkel finden in einem Stall Platz. In einem weiteren, gepachteten Stall hat May 1000 Mastplätze. 70 Hektar Land gehören zum Betrieb.

May macht seinen Job gerne. Das merkt man ihm an, als er durch den engen Gang läuft. Der 44-Jährige öffnet eine Tür nach der anderen. In vielen kleinen Gruppen sind seine Schweine dort zu finden. Sie verbringen ihr Leben auf Spaltenboden im Stall. Geduldig und offen erklärt May die Fütterungstechnik und die Betriebsabläufe. Doch so unbekümmert, wie es in diesem Moment wirkt, geht es in der Schweinehaltung nicht zu.

Mehr Platz und Umbauten sind gefordert

Aktuell sind die Preise im Keller, beklagt May. Das hängt mit dem Weltmarkt, Zöllen und der Schweinepest zusammen. „Den Schweinezyklus haben wir schon immer gehabt”, räumt May ein. Er und seine Berufskolleginnen und -kollegen hoffen also, dass es bald auch wieder aufwärts geht.

Größere Sorgen machen dem Stettberger die Themen Planungssicherheit, steigende Auflagen und Bürokratie. Dinge, die in jedem Gespräch mit Landwirtinnen und Landwirten zu Wort kommen. Für viele Zuchtbetriebe stehen große Änderungen an. Seit 2021 steht fest, dass Deckzentren (hier sind Sauen vom Absetzen der Ferkel bis zur Besamung) und Abferkelställe (hier werden Ferkel geboren und gesäugt) umgebaut werden müssen.

Bis zum 9. Februar mussten Landwirte einen Bauantrag für ein Deckzentrum, das den neuen Platzvorgaben entspricht, einreichen. Umgesetzt werden muss das bis Februar 2029. Ähnlich beim Abferkelstall: Konzept und Bauantrag bis 2033, Umsetzung bis 2036. Wer nicht mitmacht, muss aussteigen.

Keine rosarote Prognose

Die Zeiträume klingen für Laien machbar. Und obwohl es ein Plus fürs Tierwohl ist, führt es in der Praxis zu Problemen, erzählt Stefan Köpplinger. Er ist Fachberater für das Thema Schwein am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Ansbach. Wer vor wenigen Jahren erst einen Stall gebaut hat, muss schon wieder investieren. „Wir haben Betriebe, die noch in der Tilgungsphase sind”, macht Köpplinger deutlich.

Er geht davon aus, dass in der Umstellungsphase 20 Prozent der Betriebe aufhören. Das würde den Sturzflug der vergangenen Jahre fortsetzen. Denn in Deutschland hören immer mehr Schweinehalter auf. Köpplinger hat die Zahlen für den Landkreis aufgedröselt: 35 Prozent weniger Mastschweinehalter und rund 38 Prozent weniger Zuchtsauhalter gibt es seit 2019. Auch die Tierzahlen sinken – allerdings etwas weniger drastisch, da die verbleibenden Betriebe oft mehr Tiere halten.

Dass es ernst ist um die Schweinehaltung, zeigt allein die Runde, die für den Termin zusammengetrommelt wurde. Auf Mays Hof versammelten sich neben Köpplinger auch Frank Strauß (Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes in Ansbach), Reinhold Meyer (Kreisobmann), Markus Förster (stellvertretender Kreisobmann) und Carola Reiner (stellvertretende Kreisbäuerin).

Regionale Vermarktung des Fleischs

Wachstum gehört zum Überleben. Das ist auch Harald May klar. Der Betrieb soll größer werden. Er plant, einen neuen Tierwohlstall mit Haltungsform (HF) 3 neben den bestehenden zu bauen. Die bisherigen Ställe entsprechen der HF 2. Das bedeutet, die Tiere werden im Stall mit Buchten gehalten und haben je nach Gewicht bis zu 1,125 Quadratmeter Platz.

Im Landkreis Ansbach werden 66 Prozent der Schweine in dieser Form gehalten. Ein Viertel der Schweine lebt mit dem gesetzlichen Mindeststandard. Nach oben wird die Luft dünn: Das Siegel HF 3 bis 5 (mehr Platz, Außenklima oder Auslauf) haben insgesamt nicht einmal neun Prozent der Tiere.

Die „Rolle rückwärts“ im Handel?

Mit fünf weiteren Betrieben aus der Region verkauft May den Großteil der Mastschweine über ein regionales Vermarktungsprogramm der Firma Kupfer aus Heilsbronn. Die Tiere werden in Franken geboren, gemästet, geschlachtet und auch verarbeitet.

May blickt kritisch auf die Ankündigung von Supermarktketten, ab 2030 nur noch HF 3 bis 5 verkaufen zu wollen. Seine Prognose: Viele Menschen sind nicht bereit, mehr zu zahlen. Der Einzelhandel wird dann „eine Rolle rückwärts” machen, schätzt er.

In der großen Runde ist man sich einig: Die regionale Nahrung braucht einen höheren Stellenwert. Dass der Konsum von Schweinefleisch in Deutschland zurückgeht, beobachte man mit Sorge. Ob es nicht ein Zeichen wäre, sich an den Markt anzupassen? „Das geht nicht so schnell”, schiebt Kreisobmann Meyer vor.

Der Ruf ist angegriffen

Fest steht: Der Ruf der Schweinehaltung ist nicht der beste. Vermutlich liegt das an Themen wie dem Kupieren der Schwänze, Kastration und Antibiotika. In all den Bereichen gibt es aber strenge Vorschriften und Kontrollen, betonen die Fachleute. May und Förster, selbst auch Schweinemäster, betonen, dass sie selbst auch an guten Lösungen interessiert seien.

Einblicke geben ist nicht so einfach. Ferienprogramme oder Gruppen können aus Hygienegründen nicht zu den Tieren, auch sind Schweineställe meist nicht so offen einsehbar wie Kuhställe. May fährt mit dem Finger über den Bauplan. Um seinen neuen Stall muss er einen Zaun ziehen. Das ist Vorschrift. Trotzdem möchte er offen über seinen Beruf kommunizieren, Leute mitnehmen – und er möchte weitermachen, sich nicht unterkriegen lassen.


Antonia Müller
Antonia Müller
Redakteurin in der Lokalredaktion Ansbach
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